Zehn Jahre ist es her, da quoll aus jeder Lautsprecherbox monatelang nur Ketchup: Drei (später vier) Schwestern aus Andalusien nennen sich Las Ketchup, haben "The Ketchup Song" veröffentlicht, und am Ende des Sommers möchte jeder seine Pommes nur noch mit Majo. Wie viele Sommerhit-Künstler blieben die Schwestern ein klassisches One-Hit-Wonder. Ihr Vater ist übrigens ein bis heute anerkannter Flamenco-Gitarrist mit dem Künstlernamen "El Tomate".
Lou Bega ist ein deutscher Latin-Pop-Sänger mit einer italienischen Mutter, einem ugandischen Vater, der mit seinem Cover eines kubanischen Songs eine der weltweit erfolgreichsten deutschen Pop-Produktionen veröffentlichte. Alleine in Deutschland hielt sich "Mambo No. 5" 1999 elf Wochen auf Platz 1 der Single-Charts. Er löste damit vorübergehend den lange populärsten Mambo ab – "Johnny's Mambo" aus "Dirty Dancing". Da kann Baby noch so viele Melonen tragen.
Jahrelang war der große Sommerhit entweder ein Eurodance-Song oder hatte Latino-Flair. 2003 war das anders: Wahrscheinlich hatten 99 Prozent aller Mitsänger bei "Dragostea din tei" nicht die geringste Ahnung, worum es hier eigentlich geht, Hauptsache: "Numa numa yeah" - oder irgendwie so. Skurril auch: Das Original der moldawischen Boygroup O-Zone war 32 Wochen in den deutschen Charts, das Cover der rumänischen Sängerin Haiducii nur fünf Wochen weniger. "Vrei sa pleci dar nu ma, nu MĂ IEI" bedeutet übrigens: Du willst gehen, aber du nimmst mich nicht mit."
Sommer-Hit-Künstler heißt in vielen Fällen One-Hit-Wonder. Bei Inner Circle war das anders: Als "Sweat (A La La La La Long)" 1992 der Sommer-Soundtrack war, lag die Band-Gründung schon 24 Jahre zurück. In den 1970ern waren sie in Jamaika so populär wie Bob Marley. Mit "Bad Boys" hatten sie schon 1987 einen riesigen internationalen Hit. Hier sind sie in Hamburg im Jahr 2010 zu sehen. 2005 veröffentlichten Mr. President übrigens "Sweat" nochmal - da wurde es aber kein allzu großer Erfolg.
Den hatten Mr. President mit "Coco Jamboo" im Jahr 1996. Den Sängerinnen Lady Danii und T-Seven wurde vorgeworfen, sie würden Ghostsängerinnen einsetzen. Die Produzenten stellten aber klar: Sie hatten im Studio die Stimmen technisch ordentlich aufpoliert – das sei einfacher als immer wieder die gleichen Takes einzusingen, bis alles auch ohne Hilfsmittel ordentlich klingt. Der Öffentlichkeit wurde der Song übrigens beim 1LIVE-Schnee-Express in Winterberg zu Beginn des Jahres vorgestellt.
Den Sommer 2001 dominierten die schwedischen Alcazar. Sie versuchten es zwar jahrelang immer wieder mit verschiedenen Vorentscheiden zum Eurovision Song Contest, "Crying At The Discotheque" blieb aber ihr mit Abstand größter Hit. Den hatte Songwriter und Produzent Alexander Bard schon 1990: Er war bei Army Of Lovers das extravagante Mitglied, das nicht im Krankenschwesternkostüm steckte.
Die Sommer der frühen Neunziger waren fest in Eurodance-Hand - selten war ein deutscher Musikstil international so erfolgreich. Dass bei Projekten wie Snap! ("Rhythm Is A Dancer", 1992, hier auf dem Bild) oder Culture Beat ("Mr. Vain", 1993) Rapper oder Sängerinnen regelmäßig ausgetauscht wurden - geschenkt.
Personell konstant - und nach seinem Hit "What Is Love" (1993) mit den darauffolgenden Alben genau so konstant erfolglos war Haddaway.
Bezeichnend: Mit "Mr. Vain Recall" legten Culture Beat 2003 den Grundstein zum Revival, das bis heute unter der Bezeichnung Euro-Trash, also Müll, läuft.
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