Was ist typisch italienisch? Für das Bild, das sich die Menschen nördlich der Alpen im 19. Jahrhundert von der italienischen Lebenskultur machten, spielten Fotos und Reiseberichte eine entscheidende Rolle. "Bella Italia" heißt die aktuelle Ausstellung im Von der Heydt-Museum Wuppertal. Sie präsentiert Fotografien und Gemälde von 1815 bis 1900, die Szenen aus dem Leben und der Landschaft in Italien zeigen.
Italien – kaum eine europäische Kulturlandschaft hat in den vergangenen Jahrhunderten auf Künstler, Schriftsteller und Gelehrte eine vergleichbare Faszination ausgeübt. Eine Italienreise war im 19. Jahrhundert fast schon Pflicht, zum Vergnügen und zur Bildung. Beliebtes Ziel: der Vesuv.
Auch Capri, hier ein Gemälde von Oswald Achenbach, zählte zu den viel bereisten Orten. Künstler und bekannte Persönlichkeiten verbrachten den Winter oder die Ferien auf der Felseninsel. Achenbach, der mehrmals durch Italien reiste, stammte aus Düsseldorf und war einer der bekanntesten Landschaftsmaler Europas. In seinen Gemälden hielt er die besondere Stimmung, die Farben und das Licht fest.
"Venedig ist eine Sphynx, deren Räthsel wir niemals ergründen; es ist vergeblich, daß wir uns mühen, ein Bild zu finden für ihr geheimnisvolles Wesen", heißt es in "Italien. Eine Wanderung von den Alpen bis zum Aetna" von 1876. Carlo Naya versuchte es dennoch. Mit der Erfindung der Fotografie wandelten sich das Verständnis Italiens. Die ersten Aufnahmen waren noch deutlich von Malerei und Druckgrafik beeinflusst.
Die Ausstellung "Bella Italia" beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Fotografie und Malerei im 19. Jahrhundert. Hier die Ostermesse auf dem Petersplatz in Rom um 1865.
Ein weiterer Schwerpunkt: das Italienbild der Deutschen, das von Gemälden und Reiseberichten sowie Fotografien geprägt wurde.
Eine antikische Szene, aufgenommen von Guglielmo Plüschow in Pompeji um 1890. Pompeji war häufig Station der klassischen Bildungs- und Vergnügungsreisen.
Das gilt auch für Neapel. Typische Szene oder inszeniertes Motiv? In der Küstenstadt fotografierte Giorgio Sommer 1865 Einwohner beim Essen. Der deutsche Fotograf arbeitete über Jahre in Italien, er besaß in Neapel ein Fotostudio.
1875 hielt Sommer fest, wie die Arbeiter einer Makkaronifabrik in Neapel Pasta zum Trocknen vor das Fabrikgebäude hängen. Das Von der Heydt-Museum Wuppertal zeigt die Ausstellung "Bella Italia" vom 10. Juli bis zum 9. September 2012.