Seit den 1980er Jahren gehört Heinrich Breloer zu den bekanntesten deutschen Filmregisseuren. Aufgewachsen in Marl, kommt er Ende der 70er Jahre zum Film. Sein zentrales Thema: die jüngere deutsche Geschichte. Seine Kunst: so neu, dass sie anfangs nicht einmal einen Namen hat.
"Offene Form" nennt Breloer seine mit Horst Königstein entwickelte Mischung aus Filmdokumenten, Interviews und Spielszenen in seinen ersten Filmen. "Das Beil von Wandsbek" (1982), nach dem gleichnamigen Roman von Arnold Zweig, erzählt die Geschichte eines Hamburger Metzgers, der als Henker aushilft. Die Romanhandlung ist eingebettet in eine Dokumentation des - wahren - historischen Hintergrunds.
Heute gilt Breloers Kunstform als eigene Gattung: das Doku-Drama. Breloer selbst hat es 2001 perfektioniert, in seinem dreiteiligen Fernsehfilm "Die Manns – ein Jahrhundertroman" über die Familie Thomas Manns.
Für den Film reist Breloer gemeinsam mit der jüngsten Tochter des Schriftstellers, Elisabeth Mann Borgese, durch Europa und Amerika. Er sammelt Erinnerungen und Berichte von Zeitzeugen und mischt sie mit Filmszenen. Deren Hauptdarsteller ...
... ist Armin Müller-Stahl. Für "Die Manns" erhält Breloer unter anderem den Grimme-Preis. Seinen sechsten.
In den Jahren vor den "Manns" verfilmt Heinrich Breloer vor allem die menschlichen Verstrickungen in der Politik. Willy Brandt, die Barschel-Affäre – und 1993 Herbert Wehner. Der Film mit Ulrich Tukur erzählt von Wehners jungen Jahre im Moskauer Exil und von seiner Rolle als Strippenzieher beim Rücktritt Brandts.
"Todesspiel" (1997), das Doku-Drama über den deutschen Herbst 1977 ist ein Politthriller. Wieder montiert Breloer Erinnertes und Neu-Inszeniertes zusammen. Teil 1 schildert die Entführung Hanns Martin Schleyers und die Arbeit des Krisenstabes um Helmut Schmidt, …
… Teil 2 die Entführung und Befreiung der "Landshut".
Mit Albert Speer beschäftigt sich der Regisseur schon Anfang der 1980er Jahre. Noch kurz vor dessen Tod trifft er den Architekten Hitlers persönlich. Später sagt Breloer: "Meine Besuche bei den Zeitzeugen, die Vor-Ort-Besuche oder das Treffen mit ehemaligen Häftlingen im KZ Dora haben mein Bild von Albert Speer deutlich verfinstert. Am Ende war er der Manager des Grauens."
"Speer und Er" – wie viele andere seiner Filme mit dem WDR realisiert - entsteht erst Jahre später, 2004. Darin konfrontiert Heinrich Breloer die Kinder Speers mit dem Leben ihres Vaters.
In seinem bisher letzten Projekt wagt Breloer sich zum ersten Mal an einen fiktionalen Spielfilm: "Die Buddenbrooks".
Die Kritiken für die opulente Literaturverfilmung mit Armin Müller-Stahl und Iris Berben fallen allerdings eher durchwachsen aus.
Grimme-Preise, deutscher Fernsehpreis, goldene Kamera, Bundesverdienstkreuz – Heinrich Breloer ist mit zahlreichen nationalen und internationalen Auszeichnungen geehrt worden. Für "Die Manns" bekam er 2002 den Emmy, den bedeutendsten internationalen Fernsehpreis.
Zurzeit beschäftigt sich Heinrich Breloer wieder mit einem Jahrhundertgenie der deutschen Literatur: Bertolt Brecht. Die filmische Recherchereise auf den Spuren des Dramatikers und die Interviews mit den noch lebenden Zeitzeugen sind in vollem Gange. Am Freitag (17.02.11) wird Heinrich Breloer 70 Jahre alt.