Eine 'Coco de Mer' keimt im Botanischen Garten Berlin-Dahlem. Die Frucht der Seychellenpalme 'Lodoicea maldivica' sieht aus wie der Unterleib einer Frau. Das hat die Phantasie der Menschen stets beflügelt. Der Samen dieser Pflanze wurde als Aphrodisiakum verwendet und gilt in pulverisierter Form noch heute als Allheilmittel der Traditionellen Chinesischen Medizin.
Bereits im 16. und 17. Jahrhundert war man in den europäischen Fürstenhäusern völlig aus dem Häuschen, als Seefahrer einige Exemplare der 'Coco de Mer' von ihren Reisen mitbrachten: Treibgut, aufgelesen an verschiedenen Stränden des Indischen Ozeans. Zu welchem Baum die 'Coco de Mer' gehörte und wo der Baum wuchs, wusste man damals noch nicht.
Die europäischen Fürstenhäuser des 17. Jahrhunderts waren entzückt über die weiblich anmutenden Rundungen der 'Coco de Mer'. Was wäre wohl passiert, wenn sie auch noch etwas über die Blütenstände der Seychellenpalme erfahren hätten? Die nämlich sehen aus wie Penisse von 60 bis 70 Zentimeter Länge, jedenfalls bei männlichen Bäumen. Bei Seychellenpalmen gibt es männliche und weibliche Bäume.
Mit der Form ihrer Früchte und Blüten mag die Seychellenpalme erotische Phantasien beflügeln. Doch wenn es um die eigene Fortpflanzung geht, ist sie eher träge. Erst nach 25 Jahren wird der Baum geschlechtsreif. Nur dann, wenn ein männlicher und ein weiblicher Baum gleichzeitig blühen und nah beieinander stehen, kommt es zur Befruchtung. Die Früchte brauchen fünf bis sieben Jahre, um zu reifen. Bis der Samen keimt, vergehen noch einmal bis zu zwei Jahre.
Die 'Coco de Mer' liegt auf dem Boden. Direkt daneben hat sich ein Keimblatt aus der Frucht geschoben und entfaltet. So sieht es auch, wenn eine Seychellenpalme keimt. Das man so etwas jetzt im Botanischen Garten Berlin-Dahlem beobachten kann, ist etwas Besonderes, denn in Gewächshäusern lässt sich die Pflanze nur schlecht vermehren. In Berlin hat das zuletzt im Jahr 1930 geklappt. Aber auch die Botanischen Gärten der Universität Bonn besitzen eine selbst gezogene Seychellenpalme, das vermutlich größte Exemplar in einem europäischen Gewächshaus.
Die natürliche Heimat der 'Lodoicea maldivica' sind die Seychellen. Hier kommt sie auf zwei Inseln vor, auf Curieuse und Praslin. Die Seychellenpalme konnte sich nie weiter verbreiten. Ihre Früchte schwimmen nämlich – anders als Kokosnüsse - nicht im Wasser. Eine 'Coco de Mer' geht also unter, noch bevor sie von Praslin aus ein anderes Ufer erreichen könnte. Die Früchte, die Seefahrer früher auf den Malediven und anderen Inseln fanden, waren hohl und nicht keimfähig.
Die im Berliner Gewächshaus keimende 'Coco de Mer' ist ein Geschenk der Seychellen. Aus der am Boden liegenden Frucht treiben die ersten Blätter. Ein zweites Exemplar in den Händen des Botanikers Nils Köster macht deutlich, wie groß die 'Coco de Mer' ist. Sie enthält den schwersten Samen des gesamten Pflanzenreichs. Er wiegt bis zu 20 Kilogramm.
Die meisten Seychellenpalmen wachsen im 'Vallée de Mai', einem Nationalpark auf der Insel Praslin. Er wurde 1983 von der Unesco in die Liste der Weltnaturerbe aufgenommen. Wenn hier eine 'Coco de Mer' mit lautem Krachen auf den Waldboden fällt, wird sie manchmal eingesammelt, ausgehöhlt, markiert und später verkauft. Das Geld fließt in den Naturschutz. Der Handel ist streng kontrolliert.
Auf den Blütenständen der 'Lodoicea maldivica' klettern häufig kleine Geckos herum. Sie ernähren sich vom Nektar der Seychellenpalme. Vielleicht tragen sie dabei Pollen von Baum zu Baum und sorgen so für die Befruchtung. Vielleicht werden die Blüten der Seychellenpalme aber auch vom Wind bestäubt oder von Insekten. Wirklich geklärt ist das noch nicht.
Die Seychellenpalme im Botanischen Garten Berlin-Dahlem braucht warme Füße. Deshalb wurde in das Große Tropenhaus des Botanischen Gartens eine ringförmige Fußbodenheizung eingebaut. Ob aus der kleinen Pflanze eine große wird, muss sich allerdings erst noch zeigen. Manchmal wächst der Palmen-Nachwuchs nur so lange, bis die Nährstoffe aus der Frucht aufgebraucht sind. Erst dann, wenn die Pflanze sich in der Erde verwurzelt hat und Nährstoffe aus dem Boden zieht, kann sie dauerhaft gedeihen.
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