Die Liemba: 1913 in Papenburg als "Graf Götzen" gebaut, wieder zerlegt und in 5000 Kisten verpackt, ins damalige Deutsch-Ostafrika transportiert und am Tanganjikasee wieder zusammengenietet. Dort fährt die Liemba noch heute zwischen Tansania und Sambia. Der Journalist Michael Hollenbach ist für WDR 5 ein Stück mitgefahren und erzählt in Neugier genügt die wechselvolle Geschichte der "alten Lady".
16 Mal hält die Liemba auf ihrer viertägigen Fahrt, doch nur zweimal kann sie in einen Hafen einlaufen. Ansonsten rudern die Passagiere in ihren kleinen Booten neben das Schiff und 'entern' die Liemba. Dabei fällt so mancher schon mal ins Wasser. Kein Problem, die Krokodile sind weit genug entfernt.
200 Tonnen Fracht und 600 Passagiere finden auf dem fast 100 Jahre alten Schiff Platz. Doch so genau nimmt es der Kapitän nicht: Auch wenn die Warnlampe ein "overloaded" signalisiert, werden weiter Säcke mit Trockenfisch und Getreide geladen.
Das Biersortiment im Casino erfreut sogar anspruchsvolle deutsche Touristen, die hier auf der Liemba das "wahre Afrika" kennenlernen möchten - wie Lilo und Rudi Franke. Fotos des Ehepaars aus Bad Münstereifel sehen Sie hier.
In der engen Kombüse wird das Essen für rund 100 der 600 Passagiere zubereitet. "Rustikal, aber gute Kost", sagen die einen; "gewöhnungsbedürftig und nur was für einen kräftigen Magen", sagen die anderen deutschen Touristen.
Die meisten der afrikanischen Passagiere suchen sich irgendwo an Deck oder in den Fluren unter Deck einen Platz zum Schlafen. Manchmal kommt es vor, dass auf der Liemba Kinder zur Welt kommen. Sie werden dann auf den Namen des Schiffes oder auf den von Kapitän Tutus Benjamin getauft.
Ein Zwischenstopp an Land lohnt sich. Denn der Tanganjikasee, der zweitgrößte und tiefste See Afrikas, ist touristisch kaum erschlossen. Hier findet man traumhafte, einsame Strände ….
… und mit etwas Glück trifft man auch auf neugierige Ufergäste, die sich aus den Wäldern wagen.
An Bord sollte man sich schon umsehen, wo sich die Rettungsboote befinden. Denn die Liemba wird bald 100 und die Experten streiten darüber, ob das Schiff wieder zerlegt und nach Papenburg zurückgeholt werden soll, ob man es noch einmal modernisieren kann oder ob es auf dem Schiffsfriedhof im tansanischen Kigoma ausgeschlachtet wird.
Im sambischen Mpulungu wird die meiste Fracht entladen. Vor allem die streng riechenden, getrockneten Sardinen werden auf den Märkten im Norden Sambias verkauft. "Volle Kraft voraus" heißt es nun wieder für den Kapitän: zurück über den fast 1500 Meter tiefen Tanganjikasee zum Heimathafen in Kigoma.
Diese Seite speichern oder weiterempfehlen