Wie war Studieren früher? WDR5-Autorin Renate Naber hat Menschen getroffen, die sich an ihr Studium in den 60er, 70er, 80er und 90er Jahren erinnern. Annette Goebel (67) aus Troisdorf erzählt etwa, wie besonders es für sie als Mädchen war, im Jahr 1964 überhaupt studieren zu dürfen.
"Ich war damals ultralinks eingestellt", sagt Michael Müller (52), der 1979 ein Jura-Studium begann. Von den Linken distanzierte er sich dann aber bewusst. "Ich wusste, als Jurist werde ich sonst nicht verbeamtet." Der so genannte Radikalenerlasses erschwerte Lehrern und Juristen bei Zugehörigkeit zu linken Studentenorganisationen den Berufseinstieg.
Es gab weder Einführungen, Tutoren noch eine Studienberatung, als Angela Stachels aus Köln (68) in den 60ern studierte. "Wir mussten uns irgendwie durchwursteln."
Als Herbert Haas aus Neuss nach einer Lehre als Konditor in den 70ern Sozialarbeit studierte, herrschte in Deutschland die Angst vor den RAF-Terroristen. So geriet der damals langhaarige Student einmal in eine Polizeikontrolle. "Wir wurden quasi aus der Luft angegriffen."
1994 begann Simon Jonas sein Diplom-Pädagogik-Studium mit 2000 weiteren Erstsemestern. "Es war grauenhaft. Die ersten drei Semester waren eigentlich nur Frust." Er erinnert sich noch gut an den großen Studenten-Streik 1997. "Die 90er waren politischer", sagt Simon Jonas. "Heute ist man zu satt."
Streikaktionen prägten auch die Studienzeit von Dietmar Müller aus Recklinghausen (47). Unter anderem "gegen Studiengebühren und das Semesterticket haben wir uns mit Händen und Füßen gewehrt." Mit bedingtem Erfolg, wie er lachend sagt.
Renate Kunze (49) aus Bergisch-Gladbach beendete 1990 ihr Studium als Diplom-Übersetzerin. Schon damals waren die Seminare sehr voll, die Studierenden mussten sich Stühle aus anderen Räumen holen und sich "irgendwie in die Hörsäle quetschen".
An volle Hörsäle erinnert sich selbst der heute 74-Jährige Herbert Gruhn noch gut. Er studierte von 1959 bis 1962. "Es wurde ordentlich gesiebt." Das ging bis zum dritten Semester, dann war die "Sollstärke" erreicht.
Bernhard Sewald (59) hat von 1974 bis 1978 Betriebswirtschaft studiert. Im ersten Semester war die Studentenzahl zu hoch, daher wurden die Anforderungen extrem verschärft, so dass viele Studierende aufgaben und das Studium abbrachen.
Barbara Wittko (60) hat drei Studiengänge absolviert; eines ohne Examen, zwei mit Abschluss. Als Mutter sah sie das Studium oft mit anderen Augen als mancher Kommilitone. Durch die Doppelbelastung Familie und Beruf ist sie im Laufe der Jahrzehnte immer selbstbewusster geworden, stellt sie rückblickend fest.
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