WDR 5 liest vor: Einen ganzen Tag ziehen die Sprecher des WDR am 16. November 2012 durch NRW, um ihren Hörern aus Lieblingsbüchern vorzulesen. Einer von ihnen ist Moderator Meinhard Zanger, der nicht nur professionell vorliest, sondern auch als Schauspieler und Regisseur arbeitet. Erste Station auf Zangers Lesereise ist ein umgebauter Kuhstall auf dem Kochshof in Odenthal. Im heutigen Kaminzimmer aus Bruchstein liest er aus dem John-Green-Bestseller "Das Schicksal ist ein mieser Verräter". Die Geschichte um zwei krebskranke Jugendliche, die sich ineinander verlieben, ist das Wunschbuch einer Deutschlehrerin, die mit ihren Schülern zur Lesung kommt.
Lehrerin Claudia Goßen bespricht das Buch gerade im Deutschunterricht mit ihren Schülern. Sie hatte WDR 5 den Vorschlag gemacht, eine Lesung im Kochshof zu veranstalten. Der
800 Jahre alte Hof ist der feste Sitz des Deutschen Fahrtenbundes "Zugvogel" und längst eine kulturelle Begegnungsstätte.
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Am bundesweiten Vorlesetag hocken die jungen Schüler also statt im Klassenzimmer vor einem prasselnden Kaminfeuer und lauschen den Worten Meinhard Zangers.
In dem tiefgründigen und zugleich frechen Jugendbuch geht es um Krankheit, Liebe und Tod. Meinhard Zanger trifft für die Zuhörer genau den richtigen Ton.
Die emotionale Geschichte von John Green kennen Mara und Lukas schon aus der Schule. Beeindruckend findet die 16-jährige Mara die Geschichte. Klassenkamerad Lukas lobt am Ende: "Gut vorgelesen!"
Szenenwechsel: Vom Kochshof in Odental geht es für den Vorleser nun nach Bergheim - und zwar ins dortige nagelneue Museum "Bergheimat". Hier lauschen die Zuhörer zwischen antiken Webstühlen, Tonvasen und Ausstellungsvitrinen mit historischen Funden zur Stadtgeschichte.
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Anneliese Liebe ist schon frühzeitig im Museum und hat noch einen Platz auf der Couch ergattert. "Bücher sind mein Hobby. Ich lese zu Hause ständig", verrät die Bergheimerin. Krimis mag sie eigentlich nicht besonders. Das sagt sie jedenfalls vor der Lesung. Nachher gesteht sie:"Jetzt bin ich Fan!"
Ihre Idee war es, im Bergheimer Museum einen Mittelalterkrimi des Autors Dennis Vlaminck zu lesen - Astrid Machuj. Und natürlich hat die Bergheimerin das Buch "Reliquiem" selbst schon gelesen. "Da spielt sogar ein Bergheimer mit und das ist der einzige Fiese, den wir hier im Ort haben", freut sie sich. Den Autor hat Astrid Machuj übrigens gleich mit eingeladen.
Im Interview mit WDR-Moderator Ralf Erdenberger gibt Autor Dennis Vlaminck (r.) kurz vor der Lesung schnell noch eine Inhaltsangabe seines Buches. Darin mordet sich ein Reliquiendieb durch das mittelalterliche Köln. Ein Mönch und ein junger Gebeingräber heften sich an seine Fersen.
Zur großen Freude des Publikums liest Meinhard Zanger auch manch schaurig-schöne Stelle aus dem Roman. Im Hintergrund lauscht der Autor.
Ein Buch, eine Stimme - am Ende gibt es lautstarken Applaus.
Erleichterung auch bei Krimiautor Dennis Vlaminck, der sich zum ersten Mal sein eigenes Buch anhören durfte. Der Autor ist in Jülich geboren und arbeitet als Journalist für eine Tageszeitung.
Einen ganz und gar ungewöhnlichen Leseort hatte WDR-Hörerin Friederika Priemer für die letzte Vorlese-Station des Tages vorgeschlagen - die Trauerhalle auf dem Kölner Melatenfriedhof. Und das hatte seinen guten Grund: In dem vorgelesenen Buch von Dietmar Griese - "Es ist nie zu spät - ihr zweites Leben" - schreibt der Autor Porträts über Spätberufene. So zum Beispiel über den isländischen Schriftsteller Jón Svensson - weltbekannt als "Nonni", der erst mit über 50 das Schreiben für sich entdecket. Nonni wäre heute 155 Jahre alt geworden und ist auf dem Kölner Melatenfriedhof beerdigt.
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Kurz vor der letzten Lesung des Tages muss WDR-Sprecher Meinhard Zanger dann noch mit den Tücken der Technik kämpfen. In der Trauerhalle fällt plötzlich der Strom aus und der Vorleser sitzt im Dunkeln. Dank Kerzenschein und einer Not-Solarlampe kann die Lesestunde schließlich doch noch beginnen.
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