Ein Vierteljahrhundert lang wurde am Aachener Dom außen und innen gewerkelt, "ohne einen einzigen Unfall", wie Dombaumeister Helmut Maintz erleichtert feststellt. Darum sei es Zeit, "einmal inne zu halten und Danke zu sagen" mit einem Gottesdienst am Sonntag (16.10.2011).
Zunächst erklärt Helmut Maintz die Grundstruktur des Doms. Er wurde 1978 – als erstes deutsches Bauwerk – in die Liste der UNESCO-Welterbe aufgenommen. Erbaut wurde das Denkmal vor 1.200 Jahren von Karl dem Großen und danach mehrfach erweitert.
35 Millionen Euro wurden in den letzten 25 Jahren für den Erhalt des Doms investiert. Rund ein Drittel dieser Summe stammt jeweils von der öffentlichen Hand, dem Dombauverein und aus Spenden.
Zunächst fing man mit Sanierungen im Außenbereich an. Das Bleidach ist wegen Temperaturschwankungen, die sich zum Beispiel an einem sonnigen Tag ergeben, Bewegungen ausgesetzt. Das führt zu Rissen, die geflickt werden müssen, erklärt der Dombaumeister. Allein 2011 mussten bereits 130 Stellen ausgebessert werden.
Die Matthias- und die Annakapelle auf der Südseite des Doms sind voller Bauzier. "Das ist aufwendig zu bearbeiten und zu sanieren", sagt Helmut Maintz.
Der Wasserschutz stellt eine besondere Herausforderung dar. "Steter Tropfen höhlt den Stein", dieses Sprichwort treffe in der Tat zu. Wenn nachlaufendes Regenwasser immer wieder auf dieselbe Stelle tropfe, werde der Stein zerstört.
Wenn ein Stein ausgebessert werden muss, ist es wichtig, wieder das gleiche Material zu verwenden. Ein Glücksfall für die Aachener: Sie sind 1992 noch an den Ursprungsstein aus der Zeit der Erbauung gekommen. Er wird in der Nähe von Aachen gefördert.
Die Sanierung des Außenbereichs der Chorhalle wurde außerplanmäßig vorgezogen. Zu einem "Stein des Anstoßes" dafür wurde ein Stück, das aus einem Pfeiler der Chorhalle brach. Es fiel auf den Boden und sprang von dort in das Schaufenster einer Bäckerei. Verletzt wurde zum Glück niemand.
Die gotische Chorhalle mit ihren 1.000 Quadratmetern Fensterfläche gehört zu den Besonderheiten des Aachener Doms. Sie ist einschiffig und das ist "statisch sehr problematisch", so Helmut Maintz. Deshalb gebe es eiserne Ringe, ähnlich wie bei einem Fass.
Neben Eisen, Stein und Glas gibt es auch viel Holz im Dom. Dem Dachstuhl des Oktogons hatte ein Schädling zugesetzt: Der Gescheckte Nagekäfer mag besonders hartes Eichenholz und seine Larve frisst sich sieben bis zehn Jahre durchs Holz, bis sie zum Käfer wird.
In Aachen wurde erstmals die Methode erprobt, den gesamten Raum zu erhitzen, um die Käferlarven abzutöten – mit Erfolg, wie Helmut Maintz berichtet.
Der letzte Sanierungsabschnitt war die Ausbesserung und Reinigung des sechszehneckigen Mittelteils des Doms, in dessen Zentrum das Oktogon ist. Die Marmorplatten seien unter anderem durch CO2, das die Besucher ausatmen, geschädigt worden.
Auch die Glasmosaike wurden gesäubert, der Dom strahlt wieder wie vor 100 Jahren. Wie zum Beispiel in der Kuppel des Oktogons, die lange Zeit die höchste nördlich der Alpen war.
Helmut Maintz rechnet vor, dass 350.000 Mosaiksteinchen während der Arbeiten demontiert und wieder aufgebracht wurden. Insgesamt bestehe das Mosaik aus 26 Millionen Steinen, verteilt auf 2.500 Quadratmetern.
Dargestellt sind auf den Mosaiken biblische Szenen. In der Kuppel thront der Weltenherrscher und die 24 Ältesten bringen ihm die Kronen dar. Es ist eine Szene aus der Offenbarung Johannes'.
Weil für die Arbeiten im Oktogon ein Gerüst aufgebaut worden war, gab es für den Barbarossaleuchter aus dem Jahr 1165 zwischenzeitlich eine Schutzeinhausung.
Für Helmut Maintz ist im Aachener Dom die Geschichte Karls des Großen spürbar. "Man muss sich einfach mal hier hinsetzen und alles an sich vorbeiziehen lassen", rät der Dombaumeister.
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