Vor 200 Jahren, am 20. November 1811, gründete der Unternehmer Friedrich Krupp in Essen eine Gussstahlfabrik. Ende des 19. Jahrhunderts war Krupp größter Arbeitgeber und Grundbesitzer der Stadt. Das Stammhaus der Familie, das einst mitten auf dem Fabrikgelände stand, diente als Wohnsitz und Firmenzentrale - und ist noch heute in Essen zu besichtigen. WDR.de hat bei einer Stadtrundfahrt mit dem Thema "200 Jahre Krupp und die Stadt Essen" Essener Bürgern gefragt, was ihnen heute zu der Stahldynastie einfällt. "Krupp hat Essen bekannt gemacht", ist zum Beispiel Ursula Glunz überzeugt. "Schon deshalb sollte man sich für die Familiengeschichte interessieren."
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Mythos Krupp: Das Patent, Stahl zu nahtlosen Radreifen zu verarbeiten, brachte der Firma Krupp Mitte des 19. Jahrhunderts den Aufschwung. Noch heute besteht das Firmenzeichen aus drei Ringen, die symbolisch für Eisenbahnräder stehen. 1851 präsentierte Friedrichs Sohn Alfred eine andere Weltneuheit: Eine Kanone aus Gussstahl. Später sollte Krupp zur Waffenschmiede Deutschlands werden. Vor dem Ersten Weltkrieg wuchs der Konzern auf 80.000 Mitarbeiter an. Alfred Krupp versuchte seine Mitarbeiter ans Werk zu binden und lockt mit Sozialleistungen. Das soll die Arbeiter auch davon abhalten, sich Arbeiterbewegungen anzuschließen. Das soziale Engagement erzeugte auch Abhängigkeiten."Sie haben für die Arbeiter viel getan aber auch alles verlangt", erzählt Gästeführerin Nicole Frankowski von der Essener Touristikzentrale auf der Tour.
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Die Gartenstadt "Margaretenhöhe" in Essen ist das Musterbeispiel einer ehemaligen Kruppsiedlung mit eigener Infrastruktur. Margarethe Krupp veranlasste vor rund 100 Jahren den Bau der Siedlung. Geschwungene Giebel, Laubengänge, weinumrankte Häuserzeilen und schmale Gassen aus Kopfsteinpflaster sind bis heute erhalten geblieben. In speziellen Konsumläden, konnten Krupp-Arbeiter vergünstigt einkaufen, erinnert sich Tourteilnehmer Thomas Jäger, dessen Großvater bei Krupp beschäftigt war.
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Im Jahr 1861 nahm der von Alfred Krupp entworfene Schmiededampfhammer "Fritz" seine Arbeit auf - mit seinem 50 Tonnen der damals weltweit schwerste Schmiededampfhammer. Mit ihm konnten besonders große Werkstücke aus Stahl gefertigt werden. Stahl ging nun in die Massenproduktion und die Belegschaft des Großkonzerns wuchs. Später werden sie sich "Kruppianer" nennen - "nicht ohne Stolz", weiß Thomas Jäger.
Repräsentativer Prachtbau und Besuchermagnet: Inmitten einer 28 Hektar großen Parklandschaft mit Blick über den Baldeneysee liegt die Villa Hügel. Das imposante Haus wurde 1868 von Alfred Krupp entworfen und diente der Unternehmerfamilie bis 1945 als Wohnsitz. Heute ist die Villa eines der beliebtesten Ausflugsziele der Stadt. Auch die Essenerin Renate Nissen führt Besucher von auswärts gerne hierher.
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Seit den 50er Jahren wird das "Große Haus" der Villa Hügel, das hier zu sehen ist, für wechselnde Ausstellungen genutzt. Das "Kleine Haus" beherbergt die ständige Schau "Historische Ausstellung Krupp". Auch das Historische Archiv Krupp hat hier seinen Sitz und bewahrt die Quellen der Kruppgeschichte seit dem 18. Jahrhundert. "Mir ist die Villa drinnen zu dunkel", sagt Renate Nissen. "Wohnen möchte ich da nicht."
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Nach dem Tod ihres Vaters Alfred wurde Bertha Krupp 1902 zur Alleinerbin des Unternehmens. Sie residierte mit der Familie und vielen Angestellten in der Villa Hügel, während sich ihr Ehemann, Gustav von Bohlen und Halbach, um das Geschäft kümmerte. Geschichten über Bertha, kennt die heute 85-jährige Essenerin Cläre Felmede quasi aus erster Hand. Ihr Großvater arbeitete als Verwalter auf Hügel. "Meine Mutter ist mit Bertha Krupp groß geworden. Deshalb habe ich auch die Rundfahrt mitgemacht. Ich wollte noch mal zu den Plätzen, die mich an meine Mutter erinnern."
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Bertha Krupp hatte acht Kinder. Ihr ältester Sohn Alfried wird später Alleininhaber des Konzerns. Zu Weihnachten, so weiß Cläre Felmede aus den Erzählungen ihrer Mutter, wurden in der Familie Krupp aber nicht nur die eigenen Kinder beschenkt. "Auch für die Kinder der Angestellten gab es Geschenke."
Schon vor dem Ersten Weltkrieg galt Krupp als deutsche Waffenschmiede. Auch im Zweiten Weltkrieg produzierte der Konzern Geschütze, U-Boote und Panzerteile. Schließlich mussten auch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter massenhaft ihren Arbeitsdienst bei Krupp leisten, um für den Rüstungsnachschub zu sorgen. Krupp arrangierte sich mit dem NS-Regime. Ab 1943 wurden die Krupp-Werke Ziel der alliierten Bombardierung. Das, was danach von den Fabriken noch übrig war, wurde demontiert und als Reparationsleistung ins Ausland gebracht. "Im Ausland sieht man Krupp natürlich aus einer ganz anderen Perspektive", so Bernhard Nadorf, Leiter des Nikolaus-Groß-Abendgymnasiums in Essen, der ebenfalls bei der Tour durch Essen dabei ist.
Nach Kriegsende 1945 wurde Alfried Krupp von Bohlen und Halbach von einem amerikanischen Militärgericht unter anderem für die Beschäftigung von Zwangsarbeitern zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Sein Vermögen wurde eingezogen. 1967 wurde die Firma in eine Stiftung umgewandelt. Damit endete die Krupp-Dynastie. "Ich hätte gerne den letzten Krupp kennengelernt", sagt Gästeführerin Nicole Frankowski, die im Krupp-Jubiläumsjahr viele Touren zum Thema Krupp begleitet hat.
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1953 wurde Berthold Beitz zu Krupps Generalbevollmächtigten. Der 1951 begnadigte Alfried Krupp und Berthold Beitz mussten den am Boden liegenden Konzern wieder aufbauen. Der Krupp-Chef gab dem ehemaligen Essener Rüstungskonzern ein neues Image. Nach dem Niedergang der Montanindustrie betrieb er weitsichtig und energisch den Strukturwandel des Reviers. Noch heute ist der mittlerweile 98-Jährige Vorsizender der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung. "Krupp und Beitz waren ein starkes Team", so Gästeführerin Nicole Frankowski.
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Da, wo vor 200 Jahren die erste Kruppsche Gussstahlfabrik entstand, steht heute das supermoderne Thyssen-Krupp Hauptquartier. Im Juni 2007 begannen die Bauarbeiten an der neuen Konzernzentrale. 2010 wurde der Verwaltungssitz endgültig von Düsseldorf nach Essen verlegt. Hier, an dem geschichtsträchtigen Ort mitten in der Essener Innenstadt, soll außerdem ein neues Viertel entstehen. "Der Umzug war für unsere Stadt sehr wichtig", findet die Essenerin Brigitte Resinger und zeigt sich auf der Rundfahrt durch ihre Stadt begeistert über den Neubau.
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Die beiden großen Ruhrkonzerne Thyssen und Krupp fusionierten 1999. Rund 180.000 Mitarbeiter arbeiten für den Konzern. Viele ehemalige Krupp-Werkhallen haben heute längst andere Funktionen. So ist in der ehemaligen Kanonenfabrik das Parkhaus der Firma Ikea untergebracht und in der gegenüberliegenden Krupphalle befindet sich heute das Musikal-Theater Colosseum. "Die Stadt Essen hat sich von der Waffenschmiede des Deutschen Reiches zur Kulturhauptstadt entwickelt. Das ist eine hoffnungsvolle Geschichte", zieht der Essener Schulleiter Bernhard Nadorf am Ende der Rundfahrt sein ganz eigenes Fazit.
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