Langweilig wird der 11. November in diesem Jahr sicherlich nicht: Das Tor zum Himmel soll sich öffnen, hunderte Verlobte werden sich für immer binden und gleichzeitig wird die fünfte Jahreszeit ausgerufen. Seit Monaten warten Weltuntergangspropheten, Brautpaare und natürlich die Karnevalisten auf diesen ganz besonderen Elften im Elften.
11.11.11 - eine Schnapszahl, wie sie im Buche steht: "Eine aus mehreren gleichen Ziffern bestehende Zahl", erklärt der dicke Duden diese Zahl nüchtern, "nach der Vorstellung, dass ein Betrunkener beim Lesen einfache Ziffern doppelt sieht." Na, dann Prost 11.11.11.
Schnapszahlen führen des Öfteren zu Schnapsideen: Maya-Kenner, Verschwörungstheoretiker und leichtgläubige Internetnutzer haben aus "geheimen aber zuverlässigen Quellen den wirklichen Termin für den Weltuntergang erfahren." Es ist - Überraschung - der 11.11.2011. Und außerdem ist die Elf bekanntermaßen die Zahl der Maßlosigkeit und der Sünde, ja geradezu teuflisch. Na dann...
Schon seit vielen Jahrzehnten deutete sich am 11. November das Ende der Zivilisation an - zumindest in den Augen vieler Westfalen und anderer Nicht-Rheinländer. Anders als im Kalender der Maya beginnt in dem - nicht weniger mystisch aufgeladenem - rheinischen Kalender am 11.11. die Zeit der Freude und des Tuschs. Und Teile Deutschlands verfallen in Alaaf-Anarchie und Kamelle-Chaos...
Bonn, Düsseldorf und besonders Köln werden von Männern in Masken, verhüllten Frauen und bunt-bemalten Kindern heimgesucht. Es herrschen Gesang und Groteske in Straßen, Kneipen und Dixi-Klos.
Denn der Karneval hat die Zahl Elf okkupiert. Elf Flammen zieren das kölsche Stadtwappen, es gibt den Elferrat und wirklich jede Karnevalssitzung beginnt um elf Minuten nach der vollen Stunde. Die Elf gilt als die närrische Zahl, weil sie laut Festkomitee des Kölner Karnevals: "die Gleichheit aller Menschen unter der Narrenkappe versinnbildlicht, sozusagen eins neben eins."
Auf dem Heumarkt in der Kölner Altstadt wird deswegen auf 11.11 Uhr pünktlich runtergezählt. Entsprechend philosophisch, geradezu mystisch klingt auch das diesjährige Kölner Karnevalsmotto "Jedem Jeck sing Pappnas" (Jedem Narren seine Papiernase).
"Hütt dommer dröwer lache" (Heute tun wir drüber lachen) sinnieren die Karneval-Kollegen in Düsseldorf. Hier wird man am 11.11. elf Stunden lang das Erwachen des Hoppeditz feiern. Die Kultfigur des Düsseldorfer Karnevals wird pünktlich um 11.11 Uhr aus dem Sommerschlaf erwachen, um lauthals vor dem Rathaus die Politiker zu beschimpfen.
Vom unschuldigen Bützen bis zum Altar - manchmal ist am Aschermittwoch doch nicht alles vorbei. Am 11.11.2011 werden landesweit die Standesämter gestürmt. Alleine in Köln wollen sich viermal mehr Paare als an einem normalen Freitag im November das Ja-Wort geben. Und weil der Platz im Amt nicht reicht, können Jecken-Paare sogar im Kölner Karnevalsmuseum heiraten.
Auch in Aachen und Düsseldorf drängeln sich die Ja-Sager. Selbst im praktisch narrenfreien Dortmund und Essen sind die Standesämter ausgebucht - Schnapszahlen sollen auch hier Glück bringen und sind auch für westfälische Ehemänner leichter zu merken.
Zum Abschluss ein Trost für verliebte Verlobte, die den 11.11.2011 verpennt haben: Sie müssen nur ein Jahr, einen Monat und einen Tag warten, auf den 12.12.2012. Danach ist es aber erst einmal vorbei mit den echten Schnapszahlen. Obwohl: Eine gute Woche später gibt es noch einen Termin für die anspruchsvolleren Zahlenspieler: 20.12.2012. Dann ist aber endgültig Schluss - meinten auch die Mayas und schrieben in ihren Terminkalender: Weltuntergang.
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