Seit 1971 kürt die Gesellschaft für deutsche Sprache das "Wort des Jahres". Es soll für wichtige Themen stehen und die öffentliche Diskussion bestimmt und geprägt haben. Seit Freitag (16.12.2011) steht das "Wort des Jahres 2011" fest: Stresstest.
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Blick zurück: 1977 stand "Deutscher Herbst" seltsamerweise nicht auf der Liste. Dafür aber "Terrorist", "Sympathisant" und "Lauschangriff". Die Jury entschied sich letztendlich für den Begriff "Szene".
1978 gab es "Die Grünen" noch gar nicht als Bundespartei, sondern lediglich in Form von regionalen Wahlbündnissen. Dennoch standen sie auf der Auswahlliste. Genauso übrigens wie "Die Schlümpfe", die die deutschen Charts stürmten. Zum "Wort des Jahres" wurde aber "konspirative Wohnung" erklärt.
Das Wettrüsten zwischen den USA und der Sowjetunion Anfang der 1980er Jahre spiegelte sich 1981 auch im "Wort des Jahres" wieder. Gekürt wurde die "Nullösung", wie es damals noch hieß. Sie bezeichnete den Verzicht auf Mittelstreckenraketen diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs.
"Super-GAU" und "Havarie" waren 1986 Anwärter für den Titel. Letztendlich entschied sich die Jury für "Tschernobyl". In dem ukrainischen Ort explodierte am 26. April 1986 der Reaktor eines Atomkraftwerks und setzte Unmengen an Radioaktivität frei.
1989 stand ganz im Zeichen des Mauerfalls - auch beim "Wort des Jahres". Auf der Vorschlagsliste standen "Trabi", "Mauerspecht", "Begrüßungsgeld", Flüchtlingsstrom", "chinesische Lösung", "BRDDR", "Montagsdemonstrationen" und "Reisefreiheit", das letztendlich gewählt wurde.
"Rechtsruck", "Rassismus", Fremdenhass": 1992 war das Jahr der fremdenfeindlichen Anschläge in Deutschland. Als Reaktion darauf wurden in vielen Städten "Lichterketten" initiiert - auch dieses Wort findet sich auf der Vorschlagsliste. Die Jury entschied sich jedoch für "Politikverdrossenheit".
Ein für Deutschland sehr seltenes Ereignis fand am 11. August 1999 statt: eine totale Sonnenfinsternis, liebevoll "Sofi" abgekürzt. Sonnenbrillenproduzenten verdienten damals ein Vermögen, die Wolken am Himmel machten den meisten Beobachtern allerdings einen Strich durch die Rechnung. Gewonnen hat übrigens ein Begriff, der ähnlich vergessen ist wie "Sofi": das "Millennium".
"Schwarzgeldafffäre" war 2000 das "Wort des Jahres" und bezeichnete die illegalen Vorgänge in der hessischen CDU. In diesem Zusammenhang versprach der damalige hessische Ministerpräsident Roland Koch eine "brutalstmögliche" Aufklärung. Zum Sieg hat es damals nicht gereicht, aber dafür hat es seine Formulierung in den allgemeinen Sprachgebrauch geschafft.
Auch ein Datum kann "Wort des Jahres" werden: 2001 wurde "der 11. September" gewählt. Auch viele der anderen Kandidaten standen im Zusammenhang mit den Anschlägen in den USA: "Anti-Terror-Krieg", "Schläfer" oder "Milzbrandattacke".
Ein wilder Bär, der Probleme macht, ist was? Richtig: Ein "Problembär". Edmund Stoibers Wortschöpfung für Bruno, einen in den bayerischen Bergen umherstreunenden Braunbären, landete in den Top Ten. Gewonnen hat im WM-Jahr 2006 natürlich ein Fußballbegriff: die "Fanmeile".
So schnell kann es gehen: 2007 wäre "Second Life" beinahe "Wort des Jahres" geworden, heute interessiert sich kaum noch jemand für die virtuelle Internet-Welt, von der damals so viel die Rede war. Die "Klimakatastrophe", die stattdessen das Rennen gemacht hat, ist dagegen auch heute noch aktuell.
2008 hätte sich die Gesellschaft für deutsche Sprache beinahe für drei englische Wörter entschieden. "Yes, we can!", der Wahlkampfslogan von Barack Obama, stand in der engeren Wahl. Gegen die "Finanzkrise" hatte er allerdings keine Chance.
2010 gab es einen Doppelsieg für die schwäbische Protestbewegung: "Stuttgart 21" landete auf Platz Zwei, "Wutbürger" gar auf Platz Eins.
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