Ekel hat häufig eine Schutzfunktion. "Der Mensch hat im Lauf der Evolution die Neigung entwickelt, sich mit bestimmten emotionalen Reaktionen vor wiederkehrenden Bedrohungen aus der Umwelt zu schützen. Und so ist das auch beim Ekel", sagt der Kognitionswissenschaftler Jason Clark. Er leitet derzeit die Tagung "Die Evolution von Ekel - von Oral zu Moral" an der Universität Bielefeld.
Weltweit ekeln Menschen sich vor Kadavern, Exkrementen oder offenen Wunden. In diesen Fällen schützt das schlechte Gefühl zum Beispiel vor Vergiftungen und Infektionen. Ekel als "Basis-Emotion", wie die Wissenschaftler das nennen. An der Bielefelder Tagung nehmen Philosophen, Psychologen und Anthropologen teil.
Ekel ist eine Emotion, die den Menschen vom Tier unterscheidet. Bei Tieren ist Ekel nicht ausgeprägt. Vor Kadavern und üblen Gerüchen ekeln sich Tiere nicht, sondern interessieren sich sogar häufig dafür. Hunde wälzen sich zum Beispiel gerne in Aas (dieser fühlt sich allerdings schlicht im Dreck ganz wohl).
Auch Ekel vor verdorbenem Essen kann den Menschen schützen. Schimmel und üble Gerüche halten uns davon ab, Ungesundes und Giftiges zu essen.
Doch es gibt auch Ekel, der anerzogen ist. Und der unterscheidet sich von Kultur zu Kultur. In Asien werden zum Beispiel Maden und Insekten gegessen. Bei Europäern lösen diese Snacks in den meisten Fällen Ekel aus.
Dagegen werden sich die meisten Asiaten nur sehr selten für ein Stück Gorgonzola begeistern können. Schimmel und vergorene Milch stehen dort nicht auf dem Speiseplan. Der Geruch wird als unangenehm und ekelerregend empfunden. Sogar die Ausdünstungen der Käse-Esser fallen negativ auf.
Auch Tiere können beim Menschen Ekel auslösen. Kakerlaken oder Ratten gelten als Indikator für Schmutz und mögliche Infektionen. Doch schon hier erkennt man, dass manche Art von Ekel nicht angeboren, sondern anerzogen ist. So werden Ratten mal als süßes Haustier gehalten und mal mit dem stärksten Gift bekämpft.
Unbegründet kann Ekel sein, wenn eigentlich keine Gefahr besteht. Eine heimische Ringelnatter ist für den Menschen keine Gefahr. Trotzdem gibt es Menschen, die sich vor einer Ringelnatter ekeln.
Aus unbegründetem Ekel können Zwänge oder Phobien entstehen. Spinnenphobien sind in Deutschland weit verbreitet, obwohl die heimischen Spinnen durchweg harmlos sind. Psychiater erforschen die Emotion Ekel verstärkt, weil sie Symptom von ganz unterschiedlichen psychischen Erkrankungen sein kann. Die Bielefelder Ekel-Konferenz dauert bis Samstag (07.01.2012).
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