Ganz Europa war am 18. und 19. Januar 2007 vom Orkan Kyrill betroffen, der mit Geschwindigkeiten von bis zu 225 km/h über den Kontinent fegte. In NRW wurden bis zu 145 km/h gemessen. 47 Menschen starben, darunter sechs in NRW. Es gab zahlreiche Verletzte.
Quer liegende Bäume, beschädigte Dächer, zerschmetterte Autos – die Einsatzkräfte waren extrem gefordert: Allein in NRW kam es zu 13.500 Einsätzen der Polizei, 41.000 Mal musste die Feuerwehr eingreifen. Die Kreise Olpe und Siegen-Wittgenstein sowie die Stadt Dortmund riefen den Katastrophenalarm aus.
Am 18. Januar 2007 musste zunächst in NRW und dann in ganz Deutschland der Zugverkehr eingestellt werden. Reisende übernachteten in Zügen oder Notunterkünften. Wegen beschädigter Oberleitungen und quer liegender Bäume über den Gleisen war das Bahnnetz gestört.
Das mittlere Ruhrgebiet war sogar über 48 Stunden vom Bahnverkehr abgeschnitten.
Deutschlandweit entstand ein Schaden von 2,4 Milliarden, europaweit waren es 5,8 Milliarden Euro - für die Versicherungswirtschaft "die teuerste Naturkatastrophe in Europa".
Die größten Verwüstungen entstanden in den Wäldern von NRW: die Hälfte des deutschen und ein Drittel des europäischen Schadens. Neben der Nordeifel war vor allen Dingen Südwestfalen betroffen.
Meist waren es Fichten-Monokulturen, die vom Orkan zerstört wurden. Die Nadelbäume wurden entweder umgeknickt oder mitsamt ihren flachen, breiten Wurzeltellern aus dem Boden gerissen. Ein intensiver Dauerregen unmittelbar vor dem Orkan hatte den Waldboden aufgeweicht.
Die Aufräumarbeiten in den Wäldern waren besonders gefährlich, da die Bäume teilweise ineinander verkeilt waren. Dadurch waren die Spannungsverhältnisse der einzelnen Stammabschnitte nur schwer einzuschätzen. Laut NRW-Umweltministerium starben sieben Arbeiter, 750 wurden verletzt.
Rund 15 Prozent des gesamten Fichtenvorrats in Nordrhein-Westfalen wurden in einer Sturmnacht flach gelegt. In NRW fielen 15,7 Millionen Festmeter Holz an, davon 12 Millionen im Privatwald.
Das bedeutet: Im Schnitt wurde aus dem Revier eines Försters in Südwestfalen nach der Naturkatastrophe so viel Holz abtransportiert, wie sonst in seinem gesamten Berufsleben anfällt.
Die Holzpreise waren nach dem Orkan eingebrochen, konnten sich jedoch wieder erholen. 2012 liegen sie sogar höher als vor der Katastrophe, so der Landesbetrieb Wald und Holz.
Auch der Tourismus in Südwestfalen war betroffen: Wanderwege waren lange Zeit gesperrt und mussten neu ausgezeichnet werden. Als "Landschaftsgestalter" hat Kyrill für Naturfreunde ganz neue Aus- und Fernblicke geschaffen ...
... und dafür bereits bestehende zeitweise versperrt.
Rund zwei Jahre hat es gedauert, bis das meiste Wurfholz abtransportiert und die Wege wieder frei waren. Auf einigen Waldstücken hingegen wurde das Sturmchaos bewusst erhalten. Die "Kyrill-Pfade" in Willingen, am Sorpesee in Sundern und in Schmallenberg-Schanze vermitteln auch fünf Jahre später einen lebendigen Eindruck von der Wucht des Orkans.
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