Über ein Jahrhundert schlummerte ein wahrer Schatz auf dem Dachboden dieses Hauses in Wipperfürth, das inmitten des Bergischen Landes liegt. Die Nachfahren des Fotografen Emil Hardt (1877 - 1945) wussten zwar, dass es auf dem Dachboden noch einige Dinge aus dem Fotografen-Atelier gab, aber niemand schaute nach. Bis zum Tag, als das Haus verkauft wurde und der Speicher geräumt werden musste.
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40.000 Glasplatten mit Foto-Negativen – so lautete die grobe Schätzung, als die Kartons mit den Platten und Plättchen nach und nach von hier weggeräumt wurden.
Mittlerweile lagern sie wieder auf einem Dachboden, diesmal im Wipperfürther Rathaus. Denn der Enkel des Fotografen schenkte alles der Stadt.
Ein Großteil der Glasplatten-Negative zeigt Personen: Wipperfürther und Menschen aus der Umgebung, die sich zu den verschiedenen Anlässen haben fotografieren lassen, wie dieses Kind.
Ehrenamtler Jochen Höfer hat nun begonnen, die Glasplatten digital wieder sichtbar zu machen. Tag für Tag scannt er und scannt und präsentiert immer wieder eine Auswahl auf der Homepage des Heimat- und Geschichtsvereins Wipperfürth e.V.
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Seit 1869 gab es einen festen Fotografen in Wipperfürth. Theodor Meuwsen hatte sich selbstständig gemacht und in Zeitungsanzeigen inseriert. Mit den nun entdeckten Glasplatten gibt es Stadtansichten von Wipperfürth sowie Landschaftsaufnahmen des Bergischen Landes, die Historiker so nie gesehen haben.
Wie beispielsweise der Wiederaufbau der Kirche St. Nikolaus im Stadtzentrum. Es war nicht bekannt, dass der Kirchturm von Grund auf erneuert werden musste. Die vorherige Kirche war beim Stadtbrand von 1795 zerstört worden. Seit 1870 wurde wieder aufgebaut.
Die Arbeiter waren wahrscheinlich Gastarbeiter aus Italien. In großer Höhe gingen sie ihrem Tagewerk nach.
Ob Kommunion,
Hochzeit,
Theatergruppe oder
Kinder-Portrait, die Fotos sind gestochen scharf. Interessant ist, dass es nur wenige Fotos aus der Arbeitswelt gibt.
Das Schlachtfest ist eine Ausnahme. In naher Zukunft möchte der Geschichtsverein betagte Bürger der Stadt einladen, sich die uralten Fotos anzuschauen. Denn es gibt nur drei Auftragsbücher, aus denen hervorgeht, wer zu sehen ist. Der weitaus größte Teil der Menschen ist bislang unbekannt. Vielleicht finden sich Familien, die die ein oder andere Aufnahme wieder erkennen und so bei der Identifizierung der Porträtierten helfen können.
Fotos von Bauwerken interessieren die Historiker letztlich am meisten. Eine Ortsansicht von Wipperfürth im 19. Jahrhundert.
Und so sah der Marktplatz im Jahr 1871 aus - auf dem Foto ...
... und hier auf der Glasplatte.
Erst diese Woche wurden dieses ungewöhnliche Schienenauto und
ein Portrait des Milzbrand-Entdeckers, dem Arzt Aloys Pollender (1799 – 1879), aus dem Jahr 1869 entdeckt.
Der Glasplattenschatz wäre übrigens ohne ihn, Hans-Udo Wiegardt, nie geborgen worden. Der Enkel des Fotografen Emil Hardt, der von 1900 bis 1945 wirkte, war Initiator der großzügigen und historisch bedeutsamen Schenkung.
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