Das WDR Funkhaus am Wallrafplatz wird 60! Eingeweiht am 21. Juni 1952, galt es mit zunächst 16.000 Quadratmetern Nutzfläche als das modernste Funkhaus Europas. Zunächst noch für den NWDR geplant - den Nordwestdeutschen Rundfunk - spaltete sich der WDR 1956 vom NDR ab. Fortan hieß die Sendezentrale im Herzen Kölns nur noch das "Funkhaus am Wallrafplatz".
Die südliche Funkhaus-Fassade 1953, gesehen vom heutigen Museum für angewandte Kunst, wo damals noch Kriegsschutt lagerte. In seiner klaren Gliederung und glatten Oberfläche setzt sich der Entwurf deutlich von den vielen zur Nachkriegszeit schnell errichteten, oft beliebig wirkenden Fünfziger Jahre-Bauten ab.
So sah das nagelneue Funkhaus 1953 aus, gesehen vom Dach des des Kölner Doms. Im Hintergrund die Kriegsruine der Minoritenkirche. Der Wallrafplatz war damals noch offen für den - spärlichen - Verkehr.
Der große Sendesaal. Bei seiner Eröffnung im Jahr 1952 galt er als akustische Sensation. 650 Besucher finden darin Platz, bis heute eine der bedeutendsten Musikstätten Kölns. Hier werdem Radio- und Fernsehaufnahmen oder auch CD-Produktionen in höchster Klangqualität aufgenommen.
Reges Treiben herrschte im Großen Sendesaal am Tag der Eröffnung, zu dem sogar der damalige Bundespräsident Theodor Heuss (m.) erschienen war. "Der Schall und sein Gesetz" seien die eigentlichen Bauherren des nagelneuen Funkhauses gewesen, sagte Heuss in seiner Einweihungsrede.
Nur einen Steinwurf vom Kölner Dom entfernt, galt es für den Kölner Architekten Peter Friedrich Schneider, die acht Sendesäle und zahlreichen Hörfunkstudios so schalldicht zu konstruieren, dass das Glockengeläut des Doms nicht bei den Aufzeichnungen, Sendungen oder Konzerten stören würde. Deshalb wurden die Wände dieser Räume bis zu 50 Zentimeter dick.
Hochmodern und mit der leichten Eleganz der 1950er Jahre präsentierte sich das Foyer dem Besucher.
Abgehängte Reliefdecken, feine Holzrippen als Wandverkleidung und eine geschwungene Freitreppe ins Obergeschoss - die kunstvolle Seite der 1950er-Jahre-Architektur in Reinkultur. Die Wellenform der Garderobentheke (links im Bild) erinnert an die akustischen Wellen, die hier erzeugt werden.
Zum Vergleich: Bis auf die Möblierung hat sich bis heute im Foyer des Funkhauses nicht viel verändert. Den Charme der 1950er Jahre weiß man längst zu schätzen - und zu bewahren: Das Foyer steht heute unter Denkmalschutz.
Kunstvoll auch die Ausstattung der damaligen "Teestube" im Erdgeschoss, mit Zugang vom Wallrafplatz: Luftige Raumteilung durch eine Wand aus Metallstäben, diagonal verlaufendes Holz im Boden und unter der Decke. Und - typisch für die Zeit, als Baukosten nicht unbedingt dem Zwang zu sparen unterlagen: Kunst am Bau. Die Rückwand des heutigen Restaurants wurde vom Kölner Künstler Anton Wolff gestaltet.
Sehr modern damals - schließlich gab es nicht allzuviele davon in Deutschland - und edelst verkleidet: Der Paternoster im Eingangsbereich des Funkhauses. Seit 1974 dürfen in Westdeutschland keine neuen Paternosteraufzüge mehr in Betrieb genommen werden. Für den WDR-Paternoster gilt heute: Fahrverbot für Kinder.
Und so sieht der Eingangsbereich des Funkhauses heute aus, wenn mal wieder eine der zahlreichen Besuchergruppen das Gebäude besichtigt. Oder wenn das Programm in einem der Sendesäle lockt: mit Konzerten, Lesungen oder Diskussionsveranstaltungen.
Einmal im Jahr verbringen Menschen sogar die Nacht auf dem schönen Diagonalparkett des Foyers, in Decken oder Schläfsäcke gehüllt und mit Frühstücksproviant ausgestattet. Dann nämlich, wenn im Rahmen der Literaturmesse Lit.Cologne wieder die lange Nacht der Bücher ruft, die inzwischen traditionell hier stattfindet: im WDR Funkhaus am Wallrafplatz.
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