Claes Oldenburg, 83 Jahre alt, freute sich am Donnerstag (21.06.2012) über die "frische" Präsentation seiner alten Werke, die ab Samstag in der Ausstellung "The Sixties" im Kölner Museum Ludwig zu sehen sind. Die Schau, die noch in Bilbao und im New Yorker MoMa Station macht, ist die bisher größte seiner 60er Jahre Pop Art-Skulpturen.
Oldenburgs umgestürzte Eistüte auf der Neumarkt-Galerie in Köln ist ein Klassiker der Kunstgeschichte. Der US-Amerikaner, der als Diplomatensohn in Schweden geboren wurde, sagte bei der Pressevorführung im Museum, dass er am liebsten ganz Köln mit Eistüten überziehen würde.
Seinen Humor, seine Ironie und seine Lust am Verfremden der Dinge hat der Künstler auch als "Großpapa der Pop Art" - so lässt er sich nennen - nicht verloren. Er lasse Eistüten noch heute gerne fallen, um zu sehen, wie sich deren Form verändert. Deshalb freute er sich auch sichtlich über das dicke Eis, das in der Ausstellung "wie ein Wal" liege.
Groß und weich wie ein Bett erscheint in der Kölner Ausstellung das Tortenstück "Floor Cake". Geht man näher heran...
...ist statt Sahne und Schokolade die Latex-Farbe auf dem Leinwand-Stoff zu erkennen. Gestopft wurde das fette Kunstwerk mit Schaumstoff, wie viele der Oldenburgischen Skulpturen.
So auch die "French fries and ketchup". Claes Oldenburg, der Meister des gigantischen Fast Food, stellte allerdings in Köln klar, dass er solches Essen gar nicht mag. "Lieber Knäckebrot und so", wusste Kasper König, Kölner Museumsdirektor und langjähriger Weggefährte des Künstlers, zu berichten.
An anderer Stelle der Ausstellung purzeln die sonst so fettigen Kartoffel-Stäbchen weich und schön von der Decke.
Selbst diese ausgedrückten Zigaretten im Aschenbecher sind ästhetisch schön. Wie andere Pop Art-Künstler richtete sich Oldenburg mit seiner Kunst in den 60er Jahren gegen den aufkommenden Massenkonsum. Kunst und Alltag sollten eins sein. Alltagsgegenständen wurden so Denkmäler gesetzt.
Wie zum Beispiel diesem Gebrauchsgegenstand: Verknautscht und glänzend wie frisch gestrichen sackt die Toilette in sich zusammen. Sie stammt aus der Serie "The Home".
Das eine wird weich, das andere groß: ein gigantischer Teebeutel, augenscheinlich triefend nass.
Unbrauchbar! Schlapp von der Decke hängt ein Mixer. Das Objekt ist eines von mehr als 200 Arbeiten des Künstlers, die in Köln zu sehen sind. Sie wurden von Oldenburg zwischen den späten 50ern und frühen 70er Jahren geschaffen. Größter Leihgeber der aktuellen Ausstellung ist das Museum Ludwig selbst.
Die Bestandteile von Oldenburgs Installation "The Street" - Pappkarton, Sackleinen und geknülltes Zeitungspapier - stammen von New Yorker Happenings der Pop-Art-Szene. Die Installation zeigt die Schattenseiten Manhattans. Die Happenings, die in der Kölner Schau auch durch Videos dokumentiert sind, sollten Kunst, das Leben und den Alltag miteinander verbinden.
Die "Ray Gun", die Strahlenpistole, gehört zu Oldenburgs Lieblingsthemen. Glaubt man dem Künstler, hat eine Strahlenpistole eine unsichtbare Energie, die alles durchdringen und neu beleben kann.
Oldenburg sammelte nicht nur Strahlenpistolen aus Plastik, sondern alles, was ihn an diese Form erinnert.
Am Ende der Ausstellung stehen die Entwürfe für die Riesen-Skulpturen des Künstlers, wie zum Beispiel die der Kölner Eistüte. Höhepunkt ist das berühmte "Maus Museum" (Foto) mit allerlei bunten, kuriosen Fundstücken des Künstlers, wie ein Stift in Form eines Damenbeines. Für Oldenburg ist das Maus Museum ein "Bild der Zivilisation". Es passe zu Köln, weil sich hier die Wege kreuzten und jeder etwas hinterlasse. "The Sixties" ist bis zum 30. September im Kölner Museum Ludwig zu sehen.
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