Ein Oldtimer ist mehr als nur ein Fahrzeug. Es ist die große Liebe und eine Leidenschaft, für die der Besitzer Zeit und Geld investiert. Das erzählen Teilnehmer der Classic Days auf dem Gelände von Schloss Dyck in Jüchen. Hier werden bis Sonntag (05.08.2012) 6.000 Oldtimer und 40.000 Besucher erwartet. Kleine technische Macken verzeiht der Oldie-Liebhaber seinem Schatz. So muss Albert Keicher den NSU Prinz zwischendurch reparieren. Nach ein paar Handgriffen läuft der kleine Prinz wieder rund. "Der ist sportlich, sparsam, hat einen tollen Sound", schwärmt Keicher.
"Unser Herz schlägt für diese Big Saloons", sagt Ralf Hunke. Diese Jaguars seien schnell, wahnsinnig komfortabel und sehr spritzig, so Hunke. Er versichert: "Es ist ein echter Hochgenuss, mit so einem Auto durch die Gegend zu fahren".
Es gibt unzählige verschiedene Automodelle: Youngtimer und 100-Jährige, riesige Schlitten oder lustige Kleinwagen, auf Hochglanz poliert oder mit rostiger Patina. Für welches Modell das Herz schlägt, liege an der eigenen Geschichte, sagt Daniel Liedtke, der mit der gesamten Golf-Familie, von 1974 bis heute, zu den Classic Days gekommen ist: "Der Opa hatte eins oder man wollte immer einen GTI haben. Ganz selten, dass das durch die Medien kommt", so der Oldtimer-Experte.
Eine wichtige Rolle beim "Verlieben" in einen Oldtimer würde der Geruchssinn spielen, sagt Liedtke: "Wenn man als kleiner Junge oder kleines Mädchen im Auto mitgefahren ist, können Sie sich blind in so ein Auto reinsetzen und Sie würden es wiedererkennen."
Bei seinem ersten Chef hat der Fernsehkoch Horst Lichter einen Jaguar Mark II zum ersten Mal gesehen. "Dieses Auto war so schön. Dann habe ich mich nicht nur in dieses Auto verliebt, sondern in Autos und Motorräder insgesamt", erzählt der begeisterte Oldtimerfahrer. Die Autos von damals seien mehr als nur ein Gebrauchsgegenstand. Das sei Ingenieurskunst, Design und es wurden wertige Materialien verbaut.
"Für mich ist sogar ein Auto im Prinzip nichts anderes, als ein nach dem menschlichen Vorbild nachgebautes Fahrzeug", sagt Lichter. Die Reifen sind Arme und Beine, der Motor das Herz, die elektrischen Leitungen die Nerven, die Lampen zum besseren Sehen, genau wie unsere Augen. "Eigentlich haben wir etwas nachgebaut, was mit uns zu tun hat", so der Koch.
Daniel Pfeiffer aus Düsseldorf handelt mit hochklassigen Oldtimern. Nach Jüchen ist er mit einem Alvis TD 21 Drophead Coupé gekommen. Dieses Modell sei etwa 108 Mal gebaut worden, so Pfeiffer. "Seltenheit macht Begehrlichkeit", weiß der Unternehmer.
"Dieses Auto ist ein Traum von jedem, der in den 60er Jahren geboren wurde. Es ist das Jerry-Cotton-Auto. Britischer geht’s nicht", so Thomas Gerwers über seinen Jaguar E-Type, natürlich in klassischem British Racing Green.
Hubert Heggen aus Jüchen hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Er ist Kfz-Meister, war lange selbständig und hat früh sein Herz an Citroën verloren: "Zwischendurch habe ich mal englische Sportwagen gehabt, Austin Healey und Jaguar. Irgendwie bin immer wieder auf Citroën zurück gekommen. Das ist mein Leben, das ist meine Leidenschaft." Zum Oldtimertreffen hat er La Déesse, die "Göttin" unter den Autos, mitgenommen.
Peter Wieden aus Gudensberg bei Kassel kann mehrere Oldtimer sein Eigen nennen. Die neueste Eroberung, vor fünf Monaten gekauft, ist ein Fiat Simca Huit Deho von 1938 – ein Auto, das seiner Zeit in Form und Technik weit voraus war. "Er hat sehr runde Formen, ist windschnittig und sieht eigentlich schick aus - nicht nur brachial", sagt der Oldtimerfan. Der Fiat Simca ist ein Rennauto und dank Peter Wieden und seiner Frau wieder auf der Rennstrecke.
Lange stand der Oldtimer in einem Museum an der Nordsee. Als der Vorbesitzer "zu üppig" geworden war für das kleine Auto, hat er es an Wieden verkauft. Wie in einer echten Beziehung: Manchmal passt man nicht mehr zusammen und dann freut sich der Nächste.
Der Unternehmer Michael Stoschek aus Coburg hatte die Idee, einen Lancia Stratos nach dem Vorbild aus dem Jahr 1976 aufzubauen. Mechaniker Guido Brasch hat das Projekt mit durchgeführt und dabei herausgekommen ist ein beeindruckendes Einzelstück, in das sich nicht nur der Mechaniker und der Unternehmer verliebt haben. "Damals wollte den keiner haben", erzählt Brasch.
Willi ist Praktikant bei einem exklusiven Motorsportunternehmen. Den schicken Bizzarini P578 darf er sich für eine Spritztour nicht ausleihen und ein solches Gefährt selber zu besitzen, bleibt erst mal ein Traum. "Als Praktikant verdient man ja nichts, und da müsste ich ungefähr 300.000 bis 400.000 Mal nichts verdienen, bis ich mir den kaufen könnte", sagt er lachend.
Der Faszination für die alten Schmuckstücke ist Willi bereits erlegen. Mit der Geschichte und den technischen Daten des Bizzarini kennt er sich bestens aus: Baujahr 1976, der einzige Bizzarini mit De Tomaso Pantera-Motor und das Auto wurde für einen italienischen Industriellen gebaut.
"Den hätte ich gern", sagt Werner Degener spontan, als er den Ford Eifel Cabrio entdeckt und bewundert die aufwendige Restaurierung des Sammlerstücks. Aus den 50er Jahren schätzt Degener von weitem. Doch der schöne Ford ist noch älter: Baujahr 1936.
"Da ist ein bisschen Erotik drin", sagt der Belgier Mike Tempels über den Porsche und seine Frau lächelt. Mit dieser Konkurrenz kann sie gut leben, sie teilt die Liebe zu den Oldtimern. Tempels hat den Porsche und den sehr seltenen Renndienstwagen selber restauriert. Im kommenden Jahr wird er wieder zu den Classic Days kommen, dann vielleicht mit einem anderen Auto, aber mit derselben Frau.
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