Er hat Ministerpräsidenten kommen und gehen sehen, in ihm wurde das Parlament aufgelöst und neu konstituiert. Hier wurde geweint, gemauschelt und gekämpft. Insgesamt 5.500 Stunden sind in dem Düsseldorfer Plenarsaal debattiert worden. Nun ist der Lack ab.
Veraltete Klimatechnik, durchgesessene Sitze, abgenutzte Tische - der seit 1988 genutzte Saal ist renovierungsreif. Nur einen Tag nach der letzten Plenarsitzung vor der Sommerpause - am 6. Juli - begannen die Abbrucharbeiten.
Der 700 Quadratmeter große Plenarsaal wurde dafür völlig zerlegt. Technik, Klimaanlage, Tische und Stühle sollen erneuert werden. Zeit ist dafür nur in der Sommerpause - schon am 12. September soll Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) im renovierten Saal ihre Regierungserklärung abgeben.
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... das war einmal eine Klimaanlage samt ihrem Dämmmaterial. Die komplette Demontage ist nach gut einer Woche erledigt - manch politische Entscheidungsfindung verläuft an dieser Stelle weitaus zäher.
Am 16. Juni startete der Aufbau. 237 Parlamentarier sollen hier bald ihre Plätze einnehmen. Das sind 56 mehr als in der vergangenen Legislaturperiode.
Insgesamt kostet der Umbau 4,5 Millionen Euro. Davon werden laut Landtagssprecher Hans Zinnkann 1,4 Millionen Euro für die Barrierefreiheit ausgegeben. So soll das neue Rednerpult höhenverstellbar und über eine Rampe erreichbar sein.
1,6 Millionen Euro werden für die Klimatisierung des Saals ausgegeben. Die alte Klimaanlage war bislang unter dem Teppich installiert. "Das war damals Stand der Technik, dass Frischluft durch den Teppich in den Plenarsaal gepustet wird", erinnert sich Vize-Landtagspräsident Eckhard Uhlenberg (CDU). Abgeordnete, die Probleme mit den Bronchien haben, hätten das bei langen Sitzungen deutlich gemerkt. Der neue Teppich hat eine ähnliche Farbe wie der Alte - nur ohne Flecken.
In Zukunft soll die frische Luft nicht länger durch den Teppich, sondern direkt durch eine Öffnung in den Tischen der Abgeordneten kommen. Gute Voraussetzung für ein besseres Klima im Landtag.
Zudem bekommt die Mitte des Raumes ein neues Parkettrondell. Die Holzelemente für die rund 50 Quadratmeter große Fläche wurden schon zugeschnitten geliefert. Eine Woche planen die Arbeiter für das reine Verlegen ein.
Dieses Bild erinnert ein wenig an den verhüllten Reichstag, ist aber nur das frisch verlegte Parkettrondell in der Mitte des Plenarsaals. Das Parkett ist unter einem Zelt aus Plastikfolie verschwunden. So konnte das abgeschliffene und lackierte Holz in Ruhe trocknen.
In Zukunft kann der Landtag auch schneller auf wechselnde Mehrheiten reagieren. Die neuen Abgeordnetentische wurden auf ein Schienensystem installiert. Das macht die Montage für eine andere Sitzordnung einfach.
Fehlen nur noch die Stühle. Während der Bundestag mit lila Stühlen modischen Mut beweist, bleiben die Landtagssessel grau - immerhin bald aus Leder statt Stoff. Am Dienstag (11.09.2012) führt Landtagspräsidentin Carina Gödecke (SPD) durch den frisch renovierten Plenarsaal. Am Tag darauf wird Hannelore Kraft hier die erste Post-Renovierungs-Rede halten.
Zu guter letzt stehen auch die neuen Sitzmöbel an Ort und Stelle, Hannelore Kraft kann sich also nach ihrer Rede entspannt in ihren Sessel fallen lassen. Und auch für den Fall völliger Orientierungslosigkeit haben die Landtags-Planer vorgesorgt: Ein kleines Hinweisschild verhindert, dass es zu einer versehentlichen Besetzung des Chefsessels kommt.
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