Abgang eines SPD-Urgesteins: Franz Müntefering kündigte am Samstag (22.09.2012) an, er wolle bei der nächsten Bundestagswahl nicht mehr kandidieren. Der 72-Jährige gehörte dem Bundestag seit 1975 an - mit einer Unterbrechung von 1992 bis 1998.
Mitglied der SPD ist Müntefering seit 1966. Zum ersten Mal lässt er sich bei der Kommunalwahl im Sauerland 1969 zur Wahl aufstellen. Seitdem ist "Münte" fast ununterbrochen für die SPD aktiv. 1975 zieht er als Nachrücker erstmals in den Deutschen Bundestag ein.
Ab 1992 widmet er sich dann wieder der Landespolitik. Bis 1995 ist er Arbeits- und Sozialminister unter NRW-Ministerpräsident Johannes Rau.
Münteferings ständiger Weggefährte in der NRW-SPD ist Friedhelm Farthmann. Heute bezeichnet Farthmann Müntefering rückblickend als "eher farblosen Minister".
Unter SPD-Parteichef Rudolf Scharping wird Müntefering 1995 SPD-Bundesgeschäftsführer, was er fast vier Jahre lang bleibt.
Nach dem Wahlsieg 1998 macht Bundeskanzler Gerhard Schröder seinen Parteifreund Müntefering zum Bau- und Wohnungsminister. Ein Amt, das er nur ein Jahr bekleidet. 1999 wird er zunächst erneut kommissarischer SPD-Bundesgeschäftsführer, später Generalsekretär der Partei.
Von 1998 bis 2001 ist "Münte" zudem noch NRW-Parteivorsitzender. In dieser Funktion macht er auch Wahlkampf für den Spitzenkandidaten Wolfgang Clement. Nach Clements Austritt aus der SPD im Jahr 2008 zeigte sich Müntefering tief enttäuscht über seinen früheren Weggefährten.
2004 tritt Müntefering das nach eigenen Angaben "schönste Amt nach dem Papst an": Er wird Bundesvorsitzender der SPD und somit Nachfolger von Kanzler Schröder. Müntefering erhält 95,1 Prozent der Stimmen der Teilnehmer des Parteitags. Sein Weg zum Erfolg: Er könne nur kurze Sätze, sagte Münte über Münte.
Doch auch der neue Mann an der Parteispitze kann das Ruder nicht mehr herumreißen. Nach acht Jahren endet die rot-grüne Koalition im Herbst 2005, die SPD liegt bei der Bundestagswahl knapp hinter der CDU.
CDU und SPD bilden darauf eine große Koalition. Unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) übernimmt Müntefering die Funktionen des Vizekanzlers und des Bundesarbeitsministers.
Aufstand in der eigenen Partei: Die Linke Andrea Nahles setzt sich im Oktober 2005 bei der Wahl zur Generalsekretärin gegen Münteferings Kandidaten Kajo Wasserhövel durch.
Müntefering kündigt daraufhin an, nicht mehr für den Posten als Parteivorsitzender zu kandidieren.
Im November 2007 tritt Müntefering als Arbeitsminister und Vizekanzler zurück. Eine Entscheidung, die auch Polit-Insider überrascht.
Der Rücktritt geschieht laut Müntefering aus persönlichen Gründen. Er wolle sich um seine Frau Ankepetra kümmern, die an einer schweren Krebserkrankung leidet.
Kurz nach dem Tod seiner Frau kehrt Müntefering im September 2008 als einfacher Bundestagsabgeordneter auf die politische Bühne zurück.
Doch dabei bleibt es nicht lange: Nach Kurt Becks Rücktritt übernimmt er im Oktober 2008 zum zweiten Mal den Parteivorsitz der SPD. Diesen Posten behält er aber nur ein knappes Jahr. Nach der verlorenen Bundestagswahl im September 2009 tritt er zurück, bleibt aber Bundestagsabgeordneter.
Vier Jahre später will er dann tatsächlich Schluss machen mit der aktiven Politik: Bei der Bundestagswahl 2013 wird er nicht mehr antreten, kündigte er jetzt an. Von der Politik lassen kann man im Hause Müntefering aber nicht: Seine Frau Michelle, die er 2009 heiratete, bewirbt sich im Wahlkreis Bochum/Herne II um ein Direktmandat.