"Arsch huh, Zäng ussenander" – unter diesem Motto (Übersetzt: "Arsch hoch, Zähne auseinander") versammelten sich am 09.11.1992 in der Kölner Südstadt rund 100.000 Menschen um gegen Rassismus und Neonazis zu demonstrieren. Es war der Jahrestag der Novemberpogrome von 1938, der sogenannten Reichskristallnacht.
Auf der Bühne vereint waren damals so unterschiedliche Künstler wie BAP und die Höhner, Brings und Willy Millowitsch, die 4 Reeves, Jürgen Zeltinger und Redner wie Klaus Bednarz, Viktor Böll, Jürgen Becker und Elke Heidenreich.
Auslöser der Aktion war die zunehmende Gewalt gegen Ausländer in Deutschland. Ein trauriger Höhepunkt waren Ende August 1992 die Krawalle in Rostock-Lichtenhagen: Ein Heim für Asylsuchende brannte, Jugendliche randalierten auf der Straße, zündeten Autos an.
Schnell wurde in Köln gehandelt: Zwischen dem ersten Treffen der beteiligten Künstler und der Kundgebung lagen nur 19 Tage.
Der Kölschrocker Jürgen Zeltinger beschrieb nach dem Konzert den Stress: "Im Studio singen, Video drehen, diverse Interviews, und und und." Denn bereits während der Veranstaltung wurde das fertig produzierte Album "Arsch huh – Zäng ussenander" verkauft, als CD und Musikkasette.
BAP spielten auf der Bühne drei Songs: "Denn mir sinn widder wer", "Jupp" und "Kristallnaach".
Die Bläck Fööss wählten aus ihrem Repertoire unter anderem "Morje, Morje" aus. Es ist ein deutsch-türkisches Lied, in dem es um die gemeinsamen Zukunftssorgen eines Migranten und eines Kölners geht.
Den Auftritt von Willy Millowitsch begleiteten langer Beifall und begeisterte "Willy"-Rufe. Der Schauspieler trug einen Auszug aus Carl Zuckmayers Stück "Des Teufels General" vor, "in dem er den Melting Pot Rheinland beschreibt", wie Millowitsch es damals ankündigte.
Auch im Publikum wurden Statements gesetzt: Ein Bibel-Zitat aus dem Matthäus-Evangelium machte die "Evangelische Jugend" zum Protestplakat.
Mit Kind und Kegel und Transparenten reisten die Demonstranten an. Sie waren zahlreich erschienen. Mit 20.000 oder 30.000 hatten die Veranstalter gerechnet.
Stattdessen kamen 100.000 Menschen, die nicht nur den Chlodwigplatz, sondern auch die angrenzenden Straßen bevölkerten. Die ganze Südstadt wurde beschallt.
Der Schriftsteller Dieter Wellershoff, der wegen einer Leistenbruch-OP nicht teilnehmen konnte, hörte es bis ins Krankenhaus. "Das Konzert", so erinnert sich Wellershoff, "kam zu mir als ein gewaltiger Energieausbruch in einer Luftlinie von mehreren hundert Metern über die Dächer des Viertels hinweg."
Zum Abschluss sangen alle gemeinsam den Titelsong "Arsch huh". Die Musik schrieb Nik Nikitakis, den kölschen Text Wolfgang Niedecken. Im Refrain heißt es übersetzt: "Wie wär’s, wenn man selbst mal was tun würde, wenn man die Zähne mal auseinanderkriegen würde? Wenn wir den Arsch nicht hochkriegen, ist es eines Tages zu spät."
Auf den Tag genau 20 Jahre nach dem legendären "Arsch huh, Zäng ussenander"-Konzert gibt es am Freitag (09.11.2012) in Köln-Deutz am Rheinufer eine Neuauflage. Unter dem gleichen Motto treten unter anderem BAP, Bläck Fööss, Brings, Wilfried Schmickler und die Zeltinger Band auf. Der Eintritt ist frei.