Wie leben schwarze Menschen in Deutschland? Wie begegnen sie alltäglichem Rassismus, und wie schaffen sie es, sich trotz aller Schwierigkeiten und Vorurteile hier ein selbstbestimmtes und selbstbewusstes Leben aufzubauen? Diese Fragen will die Ausstellung "Homestory Deutschland. Schwarze Biografien in Geschichte und Gegenwart" beantworten, die am Samstag (03.11.2012) in Köln eröffnet wurde.
Zentrales Element der Ausstellung in der Alten Feuerwache in der Kölner Innenstadt sind die Porträts von 27 Schwarzen, die in den letzten drei Jahrhunderten in Deutschland leben oder gelebt haben. Zu den Bildern werden die höchst unterschiedlichen Lebenswege der Porträtierten erzählt. Von der Rechtsanwältin bis zum ersten promovierten Afrikaner an einer europäischen Universität, von der Dichterin bis zum Sonderschullehrer.
Einer von ihnen ist Theodor Wonja Michael. 1925 in Berlin geboren, sah er sich aus finanziellen Gründen gezwungen, als Teenager in Völkerschauen und Kolonialfilmen aufzutreten. Nach dem Krieg, den er im Arbeitsdienst einer Rüstungsfabrik erlebte, studierte er Wirtschaftswissenschaften und arbeitete als Berater und Journalist. Parallel blieb er dem Schauspiel treu: 1999 feierte er sein 50. Bühnenjubiläum. Seine Auftritte als Statist in NS-Machwerken wie "Carl Peters" zählte er dabei bewusst nicht dazu.
Ekpenyong Ani wuchs in der DDR und BRD sowie in Nigeria und Jamaika auf. Auf ihre Heimat Deutschland hatte sie aus der Ferne ein "recht naives Bild", das sich schnell relativierte, als sie zum Studieren zurückkehrte. Doch Ani wollte sich nicht zur Außenseiterin abstempeln lassen. Sie engagierte sich für die schwarze Frauenbewegung Adefra und wurde Lektorin und Geschäftsführerin bei Orlanda, einem Verlag für Frauenthemen.
Neben der reinen Ausstellung gibt es auch ein vielseitiges Rahmenprogramm: Spoken-Word-Performances, Podiumsdiskussionen, Konzerte, Lesungen und Kurzfilme. Wie zum Beispiel "Beento". Der 2008 gedrehte Film erzählt die Geschichte eines ghanaischen Austauschstudenten in der DDR der 1960er Jahre, der sich in eine Deutsche verliebt.
"Wie tadellos Sie Deutsch sprechen – weiter so! Ach, Sie sind Deutsche! Afro-Deutsche? Also eine farbige Deutsche, sozusagen? Also farbig und deutsch, beides zur gleichen Zeit? Und Sie studieren Operngesang? Toll! Obwohl Ihnen ja wahrscheinlich der Jazz mehr im Blut liegt..." Das Theaterstück "Heimat, bittersüße Heimat" blickt in Szenen wie diesen mit Ironie und bitterem Ernst auf den alltäglichen Rassismus, dem Schwarze in Deutschland immer noch viel zu oft begegnen.
Der Dokumentarfilm "Real Life: Deutschland" zeigt die Erfahrungen einer afrodeutschen Theatergruppe, die ihr eigenes Stück schreibt. In sehr persönlichen Interviews berichten die jugendlichen Darsteller davon, wie es ist, als "anders" wahrgenommen zu werden.
"Homestory Deutschland" ist als Wanderausstellung konzipiert und war in den vergangenen Jahren unter anderem in Münster, Bielefeld und Oberhausen zu sehen. Außerdem wurde sie in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut in verschiedenen afrikanischen Ländern gezeigt. In Köln läuft die Ausstellung, die von der "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland" konzipiert und durchgeführt wird, bis zum 25. November 2012. Der Eintritt ist frei.
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