Eingerahmt von stattlichen Fachwerkhäusern drehen sich auf dem Soester Marktplatz Klassiker wie der Musik Express oder Nessy. Auf insgesamt 50.000 Quadratmetern stehen etliche Hightech-Karussells.
Nach und nach verändert die Stadt ihr Gesicht: Vor Kirchen, Fachwerkhäusern und Geschäften drängen sich immer mehr fliegende Bauten. Das eifrige Werkeln der Schausteller wird von Hunderten Soestern bereits am Wochenende vor der Kirmes beobachtet. Markus Albrecht (links) und Torsten Schepelmann sind schon Tage vor Kirmesbeginn in der Stadt. Der Aufbau des Fahrgeschäfts "High Impress" braucht Zeit.
Am ersten Kirmestag wollen viele Kirmesfans hoch hinaus. Eine Attraktion für alle, die keine Höhenangst kennen und die Geschwindigkeit lieben, ist "Alex Airport", ein Kettenflieger mit 80 Stundenkilometern. Kirchlichen Beistand leisten Patrokli-Dom und Petrikirche. Weil die Petrikirche seit kurzem Risse in der Decke hat, dürfen in diesem Jahr hier nur Karussells mit minimalen Schwingungen stehen. Der Kettenflieger gehört dazu.
Das Riesenrad ist ein Klassiker auf der Soester Allerheiligenkirmes. In ihm kann in diesem Jahr erstmals geheiratet werden. Zwei Brautpaare haben sich bereits angemeldet. Sie wollen sich 55 Meter über der Soester Altstadt das Ja-Wort geben.
Zur Familientradition der Familie Hinzmann gehört der Besuch am Bullenaugen-Stand. Bullenauge, ein Mokka-Likör mit Sahne ist das "Nationalgetränk" der Allerheiligenkirmes. Ratsmitglieder haben es um 1950 erfunden. Als man nach einer Ausschusssitzung noch etwas trinken wollte, war nur noch wenig Likör da. Kurzerhand verlängerten die Stadtväter das Getränk mit Sahne und staunten über das Aussehen: "Sieht aus wie ein richtiges Bullenauge, sollen sie gerufen haben."
Tim Reismann ist in diesem Jahr das "Jägerken von Soest". Zusammen mit Bördekönigin Annika Maria Riediger wirbt er das ganze Jahr über für die Allerheiligenkirmes. Das Jägerken stammt als Romanfigur aus der Feder von Hans Jakob Christoph von Grimmelshausen und ist auch unter dem Namen Simplicius Simplicissimus bekannt.
Der 13-jährige Daniel und seine Mutter Claudia kommen aus Werl und wollen gemeinsam die Kirmes genießen. Daniel möchte vor allem Karussell fahren. Auf dem Kirmesplan suchen sie das "Big Monster".
Ricardo Arens gehört zu einer Mandelbäcker-Familie in sechster Generation. Auf der Allerheiligenkirmes produziert die Familie seit 30 Jahren Mandeln in der Kupferpfanne. Für viele Kirmesbesucher in Soest ist die Tüte Mandeln absolute Pflicht.
Günter Wirges ist in Soest stadtbekannt und heißt dort nur "Kirmesgünter". Auch mit 51 Jahren freut er sich auf den Rummel immer noch wie ein Kind. In den fünf Kirmestagen hat er es nie weit, denn er wohnt fast direkt neben dem Big Monster in einem typischen Soester Fachwerkhaus. Vor kurzem erreichte ihn aus London eine Postkarte mit folgender Adresse: Kirmesgünter, Big-Monster-Allee, Soest.
Die Soester Allerheiligenkirmes ist die größte Altstadtkirmes Europas; jedes Jahr kommen eine Million Besucher. Für die Schausteller geht hier die Saison zu Ende. Bevor es am Sonntag ins Winterquartier geht, können sie noch mal ordentlich Umsatz machen.
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