"Schneewittchen und die sieben Zwerge" gehören wohl zum Inventar jeder Kindheit. Die Brüder Grimm sammelten dieses und weitere "Kinder- und Hausmärchen", erstmals erschienen vor 200 Jahren am 20.12.1812.
Im Märchenwald in Altenberg in der Nähe von Köln sitzen die Zwerge mit ihren roten Nasen und Zauselbärten seit Jahrzehnten an gleicher Stelle in einem Häuslein.
Das Schild zum Märchen ist so alt, dass die Buche, an der es hängt, bereits um es herumgewachsen ist. Seit 1931 gibt es den Märchenwald in Altenberg, er gehört zu den ältesten in Deutschland.
Ein Parcours führt durch den Wald vorbei am Knusperhäuschen ...
... in dem die böse Hexe Hänsel und Gretel gefangen hält. Hakennase, Warze, Zahnlücke, - alle vertrauten Klischees, die wir mit den Figuren verbinden, sind hier zu finden.
Von außen können die Besucher durch die Fenster auf die Szenen schauen, die in den Häusern dargestellt sind. Wie hier die "Sieben Raben".
Ein Knopfdruck schaltet an jedem der Häuser das Licht an und setzt eine Märchenstimme in Gang, die per Lautsprecher durch den Wald schallt.
Die Erzählstimmen werden nur durch die Besucher übertönt, die rufen: "Rapunzel lass dein Haar herunter!" Dadurch wird ein Motor in Gang gesetzt, der Zopf surrt runter.
An mehreren Stationen findet sich diese Zuruf-Funktion. Textvarianten toleriert die Automatik großzügig. Auch wer "Knüppel auf den Sack" ruft, löst einen Mechanismus aus, der den Stock immer wieder auf das Hinterteil der Figur niedersausen lässt.
"Tischlein deck dich" – und schon seilen sich an Nylonfäden Brathähnchen, Teller, Krug und Schüssel von der Decke ab.
Dieser Esel gehorcht jedoch nicht wie bei den Brüdern Grimm auf den Befehl "Bricklebrit". Er spuckt seine "Goldtaler" nur gegen Bares: Für 50 Cent gibt es drei Schokostücke. Die sind ebenso ein Klassiker geworden wie die Märchen.
Aber kann ein Zicklein im Ofen die jungen Menschen heute noch hinter Selbigem hervorlocken?
Ist nicht jedes Computerspiel aufregender als die Geschichte von dem ollen Wolf, der die Geißlein frisst? Zugegebenermaßen hat die Fotografin das dramatische Licht in die Hütte der Ziegen geschmuggelt, um den Wolf bedrohlicher erscheinen zu lassen.
Wie reizvoll sind diese XXL-Puppenstuben mit Bauernmalerei heute? Kurzum, wer kommt in den Märchenwald?
Es sind Alex, Till, Sascha, Noemi und Papa, Eveline und Amelie, Eric und Henry aus Dresden – sie alle haben sich im Birkenholz der Schneewittchenhütte verewigt. Jedes Jahr kommen zwischen 50.000 und 70.000 Besucher, sagt Märchenwald-Geschäftsführer Detlev Kreber.
"Das sind teilweise Eltern oder auch Großeltern, die schon als Kinder hier waren", so Kreber. Und die wollen keine Experimente, sondern dass alles ist wie bei ihrem ersten Besuch.
Die erwachsenen Besucher finden hier einen Teil ihrer Kindheit wieder. So gibt es im Märchenwald noch den Vorläufer des digitalen Bilderrahmens zu kaufen. Er stammt aus einer Zeit, als die Fernseher noch dicke Kästen ohne Fernbedienung waren.
"Die Zeit ist hier stehen geblieben", sagt Kreber. Genau diese Patina von mehreren Jahrzehnten, die über dem Märchenwald liegt, macht ihn zu einem verwunschenen Ort.
Und auch das gehört zu den Kindheitserinnerungen: Einkehr im Restaurant und bei Bergischen Waffeln den "Tanzenden Fontänen" im Brüder-Grimm-Saal zuschauen. Vielleicht werden die kleinen Besucher von heute später mit ihren eigenen Kindern wiederkommen. Auf der Suche nach einer vergangenen Zeit.