Kämpferisch, leidenschaftlich, eloquent und durchsetzungsfähig – so kennt die Öffentlichkeit Alice Schwarzer seit vielen Jahrzehnten. Am Montag (03.12.2012) wird die "Emma"-Herausgeberin 70 Jahre alt.
Schwarzer ist eine Frau, die polarisiert: Für die einen ist sie die ungekrönte Königin des Feminismus, für die anderen eine Frau, die "das öffentliche Bild der Frauenbewegung nach Gutsherrinnenart" bestimmt, wie die Historikerin Miriam Gebhardt in ihrem Buch "Alice im Niemandsland" schreibt. Doch selbst Schwarzers Kritikerinnen bescheinigen ihr, eine charismatische Persönlichkeit zu sein. Und Humor hat sie auch, wie das Spiel mit einer Gegenlichtblende für Fotoobjektive zeigt.
Geboren wurde Alice Schwarzer am 3. Dezember 1942 in Wuppertal. In Frankreich wird sie Ende der 1960er Jahre Teil der Frauenbewegung und bringt bei ihrer Rückkehr nach Deutschland deren rebellischen Geist mit: Eine Selbstbezichtigungskampagne von Frauen, die in der Wochenzeitung "Nouvel Observateur" bekennen, abgetrieben zu haben, wird für sie zum Vorbild.
Mit anderen Frauen organisiert Schwarzer eine ähnliche Aktion in Deutschland: 1971 sind auf dem Titel des "Stern" unter der Überschrift "Wir haben abgetrieben" die Fotos prominenter Frauen wie Senta Berger und Romy Schneider zu sehen. Sie alle haben gegen den Paragrafen 218 verstoßen.
Sieben Jahre später ziehen Schwarzer, die Schauspielerin Inge Meysel und weitere Frauen gegen den "Stern" vor Gericht: Sie verklagen ihn wegen seiner Titelblätter mit nackten Frauen, die die Würde der Frau verletzten. Den "Sexismus-Prozess" vor dem Landgericht Hamburg haben die Klägerinnen verloren, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit hingegen gewonnen.
Alice Schwarzer hat die Zeitschrift Emma, die seit 1977 erscheint, nicht nur gegründet, sondern sie prägt das Blatt als Herausgeberin, Chefredakteurin und Autorin bis heute. Der Versuch, die Verantwortung in jüngere Hände zu übergeben, scheiterte 2008: Lisa Ortgies ging als Chefredakteurin nach nur wenigen Wochen im Streit.
Zwei Frauen, zwei Welten – sie prallten 2001 aufeinander in der ZDF-Talkshow von Johannes B. Kerner. Verona Feldbusch (heute verheiratete Pooth) und Alice Schwarzer lieferten sich einen munteren Schlagabtausch. Den Sieg in diesem Duell reklamierten am Ende beide Frauen für sich.
Alice Schwarzer erhielt zahlreiche Auszeichnungen; darunter auch das Bundesverdienstkreuz. 2004 bekam sie gleich drei Preise: Einen Bambi, den NRW-Staatspreis und sie wurde "Ritter der französischen Ehrenlegion".
Und 2008 wurde sie mit dem Ludwig-Börne-Preis geehrt. Die Laudatio hielt TV-Entertainer Harald Schmidt, der Schwarzer als Einzeljuror auch für den Preis vorgeschlagen hatte. Er sagte: "Alice Schwarzer hat als Autorin die Fähigkeit, die Fakten als Startrampe zu benutzen und sich dann hinauftragen zu lassen zum großen Flug um der gerechten Sache willen. Manchmal ist man als Leser nicht ganz sicher, wo sie landet, aber der Hitzeschild hält, auch wenn sich beim Wiedereintritt in die Welt der Erniedrigten und Beleidigten die eine oder andere Kachel löst."
Den Vergewaltigungsprozess gegen den Meteorologen und TV-Moderator Jörg Kachelmann begleitete Schwarzer für die "Bild"-Zeitung. Ihr wurde vorgeworfen, einseitig Partei für die Klägerin ergriffen und das Gebot der Nichteinmischung in einen laufenden Prozess missachtet zu haben.
Anlässlich von 90 Jahren Frauenwahlrecht in Deutschland feierte Alice Schwarzer 2009 mit Ursula von der Leyen (CDU) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Letztere hatte sie in deren Wahlkampf 2005 unterstützt. Merkel war damals die erste Frau, die das wichtigste Regierungsamt in Deutschland übernahm.
Dokumente zum Frauenwahlrecht finden sich auch im Frauenmediaturm. Das von Alice Schwarzer gegründete Archiv zur Geschichte der deutschen Frauenbewegungen in Köln kann nach Voranmeldung und gegen Gebühr genutzt werden. Als Anfang 2012 zwei NRW-Ministerien ihre Unterstützung kürzten, sprang Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) in die Bresche. Sie sagte Förderungen in Höhe von 150.000 Euro jährlich für vier Jahre zu.
Links zum Bild
Auf den Punkt formulieren, das kann Alice Schwarzer nicht nur als Journalistin, sondern auch als Buchautorin: "Der kleine Unterschied" (1975) wurde zum geflügelten Wort, Biografien über Marion Dönhoff (1996) und Romy Schneider (2000) folgten neben zahlreichen weiteren Büchern. 2012 veröffentlichte sie mit der Fotografin Bettina Flitner den Essay- und Foto-Band "Reisen in Burma". Er wurde im August von Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) in Berlin vorgestellt.
Links zum Bild
Zu Zukunftsplänen anlässlich ihres 70. Geburtstags befragt, sagte Alice Schwarzer, dass sie weiter an ihrer Autobiografie schreiben will. Deren erster Teil "Lebenslauf" war 2011 erschienen. Darin bekannte sie erstmals öffentlich, lesbisch zu sein.
In ihrem Blog schreibt Alice Schwarzer, dass sie kurz vor ihrem runden Geburtstag erstmals über ihr Alter nachdenke. Am Tag selbst will sie feiern. "Aber so richtig! Bis mindestens zwei, drei Uhr nachts wird getanzt. Rock ’n’ Roll, was sonst. Denn was mich angeht, ganz ehrlich: Ich fühle mich alterslos."
Seite teilen