Die Zeremonie beginnt mit dem Sonnenaufgang und dauert bis zum Abend. Dabei findet am Sonntag (27.01.2013) nur ein kleiner - aber bedeutender - Teil der Einweihungsfeierlichkeiten statt. Die Götter ziehen ein.
Der Gott Murugan hat dem Tempel den Namen gegeben. Murugan ist ein Sohn Shivas, einem der drei Hauptgötter der Hindus. Insbesondere die Tamilen verehren Murugan. Grundsätzlich spielt er im Hinduismus aber nur eine untergeordnete Rolle.
In dem Tempel ist es heiß und laut. Der Musiker mit der Mukhavina wird von Trommeln begeleitet, dazu ist der Gesang der Priester zu hören. Außerdem verbreiten Räucherstäbchen einen herben, süßlichen Geruch.
In dem Rund 240 Quadratmeter großen Tempel stehen mehrere Schreine. Die Hindus verehren viele Götter. "Vielleicht ist da auch Platz für Jesus", meint Sivasothy Varatharajah vom Tamilischen Kultur- und Bildungsverein. Der größte Schrein gehört aber dem Namensgeber Murugan.
Die Steinfiguren sind in Indien angefertigt worden. Während der Zeremonie werden sie von den Priestern geschmückt.
Den Göttern werden auch Speisen geopfert. Sie sind von den tamilischen Familien gespendet worden.
Die Priester erwecken die Figuren zum Leben.
Insgesamt neun Priester nehmen an der Zeremonie teil. Dafür sind Oberpriester aus Kanada eingeflogen, andere kommen aus Hannover. Bisher sind die Bielefelder Hindus zu den Tempeln in der niedersächsische Hauptstadt oder in Hamm gefahren.
Wasser spielt im Hinduismus eine große Rolle. Es gehört neben Himmel, Erde, Luft und Feuer zu den fünf bedeutendsten Erscheinungen. Wasser reinigt die Seele, und es transportiert die Seelen zum ewigen Leben, so der Glaube.
Es sieht aus wie eine Baustelle, aber es ist der Bereich, den nur die Priester betreten dürfen. Hier bereiten sie ihre rituellen Handlungen vor, hier wird zum Beispiel auch das Wasser geweiht.
Eins der bekanntesten heiligen Symbole des Hinduismus ist die Kuh. Und die darf auch bei der Einweihung des Bielefelder Tempels nicht fehlen. Das Tier stammt von einem Bauernhof aus dem Ort.
Sivasothy Varatharajah ist der Vorsitzende des Tamilischen Kultur- und Bildungsvereins Bielefeld. 1984 kam er als Kriegsflüchtling nach Deutschland, vor 20 Jahren gründete er den Verein. Das Gebäude für den Tempel hat der Verein bereits vor mehr als zehn Jahren gekauft. Zur Einweihung besuchte auch der Leiter des Integrationsamts Bielefeld, Karl-Heinz Voßhans, den Tempel.
Fertig ist der Tempel noch nicht, und ein Ende der Bauarbeiten ist nicht absehbar. Von außen erkennt man, dass der Bau eine ehemalige Lagerhalle ist. Der Tempel liegt in einem Gewerbegebiet eines Bielefelder Vororts.
Der Bielefelder Tempel ist der zweite Hindu-Tempel in NRW. Der Tempel in Hamm (Foto) ist allerdings reich verziert und deutlich größer als der in Bielefeld.
Die Feiern zur Eröffnung dauern noch 48 Tage. Danach ist er für die rund 2.500 Tamilen in Ostwestfalen nicht nur eine religiöse Stätte, sondern auch ein Ort der Zusammenkunft.
Seite teilen