Man Ray (1890 - 1976) wollte nie nur Fotograf sein, sondern verstand sich stets als Künstler, der auch mit den Mitteln der Fotografie arbeitet. Eine Ausstellung im Museum Ludwig zeigt seit Donnerstag (31.01.2013), wie früh der Amerikaner die Grenzen dieses Mediums weitete.
"Das besondere Archiv einer außergewöhnlichen Beziehung" ist die Schau untertitelt, denn sie zeigt die Man Ray Sammlung von L. Fritz Gruber. Das Museum Ludwig hatte sie im September 2012 erworben, unterstützt von der Kulturstiftung der Länder und der Kunststiftung NRW. Der Photokina-Gründer Fritz Gruber und seine Frau Renate waren über Jahrzehnte mit Man Ray befreundet.
In einem Brief an Fritz und Renate Gruber erklärt Man Ray, wie er sein Werk "Le Violon d’Ingres" schuf, bei dem der Rücken einer Frau zum Resonanzkörper einer Violine wird: Er legte in der Dunkelkammer Schablonen auf das Bild. Die "Violinenfrau" ist zu einer Bildikone geworden und gehört zu den bekanntesten Werken des Künstlers.
Der 1890 in den USA geborene Man Ray ging Anfang der 1920er Jahre nach Paris und porträtierte dort die künstlerische und literarische Avantgarde. Eine eindrucksvolle Sammlung dieser Porträts ist in Köln zu sehen.
Man Ray machte sich einen besonderen Spaß daraus, die Porträts zu bewerten. Seine Noten reichten von 0 bis 20, wobei die 20 für die "volle Bejahung" vergeben wurde, wie der Kurator der Ausstellung, Bodo von Dewitz, erläutert.
Auf den Porträts der Sammlung Gruber finden sich auf der Rückseite jeweils zwei Noten. Mit der ersten bewertete Man Ray die Persönlichkeit der Abgebildeten, mit der zweiten Note deren Interesse an seiner Fotografie. Kein Wunder, dass die zweite Note immer eine 20 ist, denn es gehörte zum guten Ton, von Man Ray fotografiert worden zu sein. Die Persönlichkeiten von Ernest Hemingway und Gertrude Stein benotete der Fotograf jedoch nur mit 10.
Immerhin erreichte Picasso eine 17 auf dieser Bewertungsskala. Die volle Punktzahl gab es übrigens nur für eine, nämlich für Juliet, die Ehefrau des Künstlers.
Weitaus mehr als die dokumentarische Porträtarbeit reizte den Maler und Fotografen jedoch das Experimentieren in der Dunkelkammer. So verfremdete er Max Ernst so, dass ein Lichtkranz um den geschätzten Kollegen entstand. Die Bewertung auf der Rückseite lautet: "18/20".
Auch dieses Selbstporträt verfremdete Man Ray in der Dunkelkammer.
Den künstlichen Effekt der Tränen erzielte Man Ray mithilfe von Glasobjekten. "Glastränen" heißt denn auch das Werk, das um 1930 in Paris entstand.
Oder er verzichtete ganz auf die Kamera und legte unterschiedliche Objekte direkt auf lichtempfindliches Papier. Diese Kunstwerke nannte er "Rayographien". Einige davon waren bereits im Besitz des Museums Ludwig.
Zahlreiche weitere sind durch die Sammlung Gruber neu hinzugekommen.
Aber auch Gemälde und Farblithografien von Man Ray sind in Köln zu sehen. Sie runden das Bild des vielseitigen Künstlers ab, der in engem Kontakt mit den Dadaisten und Surrealisten stand, sich jedoch keiner der beiden Gruppen zugehörig fühlte.
L. Fritz Gruber lud Man Ray 1960 zur Photokina ein, wo es eine Einzelausstellung des Künstlers gab. Geworben wurde dafür mit einem Ausschnitt aus einem Selbstporträt von Man Ray aus dem Jahr 1947.
In diesem Bild, wie in vielen anderen Selbstporträts, inszenierte sich Man Ray als ernster, finster dreinblickender Künstler.
Doch vor der Kamera seines Freundes L. Fritz Gruber konnte er auch ausgelassen rumalbern. Hier ist er mit Renate Gruber zu sehen, deren Hut er trägt.
Die bemerkenswerte Man-Ray-Sammlung des Ehepaars Gruber ist noch bis zum 05.05.2013 im Museum Ludwig in Köln zu sehen.
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