An Aschermittwoch ist alles vorbei? Von wegen. Für manche Menschen fängt die Arbeit dann erst richtig an. Zum Beispiel für Psychotherapeuten.
Bei denen herrscht in den Tagen nach den tollen Tagen nämlich Hochbetrieb. Behauptet zumindest ein Kölner Diplom-Psychologe mit dem schönen Namen Manuel Tusch. Kein Wunder also, dass er sich einer karnevalistischen Klientel verschrieben hat. Die zumeist im Doppelpack zur Therapie kommt.
Grund für die Zerwürfnisse, die für einen Kundenanstieg von 150 Prozent in Tuschs Praxis sorgen: Eifersucht. "Viele folgen ihren unbewussten Impulsen und leben ihre verborgenen Sehnsüchte aus, die häufig auf der sexuellen Ebene angesiedelt sind." Es ist aber auch schwierig, dem Partner treu zu bleiben, wenn sich überall solche Schönheiten wie diese beiden tummeln.
Tusch empfiehlt Paaren, vorher klare Absprachen zu treffen, was erlaubt ist und was nicht. Etwa: Küssen ist gerade noch okay, alles weitere nicht: "Wer sich Offenheit und gleichzeitig Vertrauen zusagt, hat gute Chancen, seine Beziehung ohne Turbulenzen durch diese Tage zu bringen."
Allerdings gibt es in der Psychologe so wie in allen Wissenschaften immer jemanden, der das genaue Gegenteil behauptet. So wie Tuschs Kölner Kollegin Gerhild von Müller. Sie hält die Vereinbarung von Regeln für relativ sinnlos. Das sei "langweilig" und widerspreche dem eigentlichen Sinn des Festes, nämlich einmal nicht diszipliniert zu sein und sich an Regeln halten zu müssen: "Sicherheit ist der Gegenpol zur Erotik."
"Karneval ist im Kern anarchistisch und muss es auch bleiben, sonst erfüllt er die seelische Ventilfunktion nicht", ist sich die Psychologin sicher.
Wenn es zu "Zwietracht und Schieflagen" in der Partnerschaft komme, sei nicht der Karneval Schuld, sondern ein länger angelegtes, unter der Oberfläche brodelndes Problem, so die Psychologin. Der Karneval diene dabei als "Stunde der Wahrheit".
Ausgelassen zu feiern ist notwendig für Seele und das innere Gleichgewicht, glaubt Müller. "Unsere Psyche funktioniert nur zwischen beiden Polen: Alltag und Feiertag, Selbstdisziplin und Freizügigkeit."
Doch selbst wenn man dann tatsächlich mit dem einen oder anderen Polen zu weit gegangen ist, muss das nicht das Ende der Beziehung bedeuten, meint Psychologe Tusch. Eine aufrichtige und gewachsene Beziehung vertrage auch mal einen kleinen Fehltritt: "In der heutigen Zeit ist es kaum realistisch, 60 Jahre lang monogam zu leben. Dazu sind die Verlockungen zu groß."
Zum Schluss hat Tusch noch einen simplen Tipp, um Beziehungsstress vorzubeugen: Gemeinsam losziehen. Da kann man genau im Blick behalten, was der Partner so treibt. Und im Notfall wird er eben einen Kopf kürzer gemacht...
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