Die Wolbecker Narren lieben ihren Ziegenbock. Ohne ihn würden sie nicht auf die Straße gehen. Die Idee dazu hatte ein Zahnarzt in den fünziger Jahren. Er erkor "die Kuh des kleinen Mannes" zum Maskottchen des Straßenkarnevals in Münster-Wolbeck. Und der findet hier genau eine Woche vor dem Rosenmontag statt.
Wenn die Wolbecker Narren "Hippe" sagen, dann meinen sie Ziege. So kam ihr Schlachtruf zustande. Wer "hipp hipp" ruft, bekommt "meck meck" zur Antwort. Das nennt man dann wohl "tierischen Humor".
Der Ziegenbock, der den Karnevalsumzug durch Münster-Wolbeck in diesem Jahr anführte, trägt den stolzen Namen "Johannes", hier mit seiner Besitzerin Margarete Peters-Hülsmann aus Telgte und Wilbert I., der so etwas ist wie ein Karnevalsprinz, aber wegen der Ziege "Hippenmajor" genannt wird.
Der "Hippemajor" Wilbert I. – er trägt die Ziege nicht nur im Titel sondern auch in der rechten Hand, ein Ziegenkopf aus Holz zählt zu den Insignien von Wolbecks "oberstem" Karnevalisten.
Münsters Ortsteil Wolbeck zählt rund 9.000 Einwohner. Hier kennt jeder jeden, und jeder meint zu wissen, was der andere treibt, vor allem in der Karnevalszeit. Da durfte beim Umzug die "Gerüchteküche" natürlich nicht fehlen.
Aber wer kontrolliert hier eigentlich wen? – Wolbecks Karnevalisten sehen die Debatte um "Google Street View" mit Humor.
Der "Ziegenbocksmontag" mit fast 70 Wagen, Fußgruppen und Kapellen bot von Allem etwas, auch Exotisches. Hier: Wolbeckerinnen im "Geisha"-Kostüm. Das Publikum war wie verzaubert.
Und auch diese Damen in ihren barocken Kleidern zogen die Blicke auf sich: "Venedig grüßt Wolbeck" hieß das Motto.
Für den guten Ton sorgten unter anderem diese Nachwuchs-Musikerinnen. Dass sie dabei ein Plüsch-Pferd um die Hüften trugen, war möglicherweise dem nasskalten Wetter geschuldet.
Bei Temperaturen um 5 Grad schunkelten und tanzten sich die Zuschauer entlang der 3,5 Kilometer langen Zug-Strecke warm. Mehrere tausend Menschen waren nach Münster-Wolbeck gekommen, um beim traditionellen „Ziegenbocksmontag“ dabei zu sein.
Unter den Zuschauern: Bewohner einer Behinderten-Einrichtung in Münster-Wolbeck in ihren Rollstühlen. Für sie hielten die Veranstalter Logen-Plätze am Straßenrand bereit.
Die Debatte um die Frauenquote hinterließ bei den Narren in Münster-Wolbeck Spuren: "Frauenquote überall – selbst im Knast und Karneval", so die närrische Interpretation dieser Karnevalisten.
Am "Ziegenbocksmontag" machten gleich zwei Wagen den Skandal um Dioxin im Tierfutter zum Thema: "Ist das Ei dick und rund, hat das Huhn Dioxin im Schlund".
Mit dem Wagen "Großbaustelle Münster" dürften die Wolbecker Narren ins Schwarze getroffen haben. Kaum etwas ärgert die Münsteraner so wie die vielen Baustellen in der Innenstadt.
Den kleinen Zuschauern stand nicht der Sinn nach Politik. Sie machten Jagd auf Kamelle: Popcorn, Gummibärchen, Schokolade, Lutscher.
Damit wurde der "Ziegenbocksmontag" für die Kleinen zum perfekten Tag.
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