Eine unübersehbare Einladung: "Offen" steht in riesigen Buchstaben über dem Eingang der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf am Grabbeplatz. Nach zwei Jahren Umbau und Renovierung ist das Gebäude am Samstag (10.07.10) feierlich wiedereröffnet worden.
"K20" nennen die Düsseldorfer das Haupthaus der Sammlung mit seiner geschwungenen schwarzen Granitfassade. Besucher haben hier jetzt mehr Platz für den Blick auf Meisterwerke: Die Ausstellungsfläche wurde auf 5.000 Quadratmeter vergrößert.
Licht, Sicherheit und Klimatechnik wurden auf den modernsten Stand gebracht. Die Baukosten beliefen sich auf knapp 40 Millionen Euro, die überwiegend vom Land getragen wurden.
In der Sammlung sind Werke großer Meister des vergangenen Jahrhunderts zu sehen - unter anderem von Pablo Picasso, Max Ernst, Francis Bacon und Joseph Beuys.
Gegründet wurde die landeseigene Kunstkollektion 1961 mit dem Erwerb von 88 Werken Paul Klees. Klee hatte bis zum Machtantritt der Nazis 1933 als Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie gelehrt und war aus dem Amt gedrängt worden.
Seit September 2009 ist Marion Ackermann (45) Direktorin der Kunstsammlung. Sie hatte zuvor das Kunstmuseum Stuttgart geleitet. Ackermann verspricht, in der Kunstsammlung werde auch künftig das Motto "Qualität statt Quantität" gelten.
"Es gibt Inseln der Ruhe, man soll nicht nur immer in Bewegung sein", so Ackermann. Der Besucher könne innehalten, sich hinsetzen und schon mal einen Blick auf den nächsten Raum werfen.
Die Sammlung hat unter der neuen Direktorin auch ein neues Ausstellungskonzept bekommen. Ackermann setzt die puristische Präsentation vertrauter Werke in Kontrast mit Installationen zeitgenössischer Künstler.
Im Erdgeschoss simulieren rund 900 hängende Lkw-Schläuche schwarze Wolken. Das Kunstwerk von Michael Sailstorfer ist zwar imposant, riecht aber ein wenig nach Gummi.
Mit Wasser und Licht beschäftigt sich der dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson im Foyer und am Eingang des Hauses.
Unter Verwendung von Monofrequenzlicht und Nebel hat Eliasson diese Arbeit für die Kunstsammlung entwickelt. Die Installation "Your natural yellow daylight" lässt farbigen Dampf durch den Lichtschacht in den Himmel aufsteigen. "Man sieht es je nach Wetter und Helligkeit mal mehr oder weniger stark. Wenn es dunkel wird, dringt eidottergelbes Licht ins Museum", sagt die Direktorin.
Das neue Kunstlabor macht seinem Namen alle Ehre: Es brummt, staubt und knattert. Karin Sander arbeitet an ihrem Projekt "3D Bodyscans". Die Künstlerin formt kleine Skulpturen mit Hightech-Geräten: "Ich scanne Museumsbesucher, die sich dann im Museum selber sehen können als Figuren."
Der Betrachter wird zum Betrachteten. Die Bodyscan-Skulpturen werden im Labor produziert und ausgestellt. "Ich finde interessant, welche Haltung die Personen einnehmen und wie sie sich als Skulptur sehen wollen", sagt Karin Sander.
Kunst macht durstig, und so kann der Besucher sich bei einer Tasse Kaffee mit Blick auf die Altstadt in dem neu gestalteten Café ausruhen. Das Atelier van Lieshout entwickelte den Raum im zweiten Obergeschoss.
Das erste Konzept des Künstlers Joep van Lieshout hatte der Museumsleitung nicht zugesagt, sagt Direktorin Ackermann. "Das hatte nichts mit uns zu tun. Dann haben wir ihm die dicken Sammlungskataloge hingelegt. Er hat sich dann sehr mit der Frage des heutigen Kubismus auseinander gesetzt. Diese menschlichen Figuren an der Wand wollte er unbedingt mit einführen."
Bis zum 25. Juli ist der Eintritt sowohl ins wiedereröffnete K20 als auch in den zweiten Teil der Kunstsammlung, das K21, für alle Besucher frei. Ab September dann wird es eine große Joseph-Beuys-Ausstellung geben.