Auf den ersten Blick ist die Herz-Jesu-Kirche in Mönchengladbach-Pesch ein katholisches Gotteshaus wie jedes andere. Doch in der 2009 entwidmeten Kirche sind 23 barrierefreie Sozialwohnungen entstanden.
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Vier Etagen wurden in dem hohen Kirchenraum geschaffen, in seiner Mitte fährt ein gläserner Aufzug. Neugierige können am Freitag (16.09.11) an einem Tag der offenen Tür die Räume besichtigen, bevor dann Anfang Oktober die Mieter einziehen.
Es war ein längerer Prozess, bis die Projektpartner den "Mut zur Farbe" entwickelten, erzählt Georg Wilms. Er ist Geschäftsführer der "Schleiff Denkmalentwicklung GmbH". Gemeinsam mit dem Mönchengladbacher Architekturbüro "B15" machte seine Firma aus dem Gotteshaus ein Mietshaus.
"Genau da, wo die farbliche Trennung ist, fängt eine neue Wohnung an", erklärt Wilms. Das ist praktisch für die künftigen Besucher der Mieter, denn die Erklärung "ganz oben, blaue Tür" reicht dann aus.
Wo heute Wohnungen sind, konnte sich früher der Weihrauch im riesigen Kirchenraum ausbreiten. Die Grundsteinlegung der neogotischen, dreischiffigen Herz-Jesu-Kirche war 1901.
"Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche bis auf die Grundmauern zerstört, 1956 erfolgte dann der Wiederaufbau", sagt Georg Wilms. Die Projektpartner waren beim Umbau bemüht, möglichst viel von der alten Substanz dieses Neubaus zu erhalten.
Für die Altarstufen fand man auf der Terrasse einer Parterre-Wohnung Verwendung. Sie führen in einen Garten mit altem Baumbestand, den sich die Mieter teilen.
Zwischen 48 und 82 Quadratmeter groß sind die 23 Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen. Für eine Kaltmiete von 4,85 Euro pro Quadratmeter bekommen die Mieter jeweils eine individuell geschnittene Wohnung.
"Das ist schon eine Herausforderung für die Möblierung", sagt Hildegard Hoffmann. Die 66-Jährige ist dennoch begeistert von ihrer neuen Wohnung: "Es war Liebe auf den ersten Blick. Nach der Besichtigung hatte ich einen echten Kloß im Hals und hätte am liebsten geweint."
"Ich habe keine Probleme damit, in einer Kirche zu wohnen", sagt die gläubige Christin. "Es ist ein Gotteshaus, aber für Menschen geschaffen. Für mich liegt ein besonderer Segen auf dem Haus, immer noch. Ich fühle mich beschützt."
"Handläufe an beiden Seiten und breite Treppenstufen mit dem richtigen Abstand, das ist hier wirklich alles barrierefrei", stellt die Lehrerin im Ruhestand erfreut fest.
Hildegard Hoffmann freut sich auch auf die gemischte Altersstruktur der Mieter: Studenten, Familien und Rentner werden einziehen. Einige von ihnen können, nachdem sie die Haustür hinter sich geschlossen haben, glatt vergessen, dass sie in einer Kirche wohnen.
Wer jedoch unter einem Kreuzrippengewölbe wohnt und sieht, wie die Morgensonne durch das Kirchenfenster fällt, hat den sakralen Bezug stets vor Augen.
Weil die Rosette nur einfach verglast ist, wurde aus klimatischen Gründen ein Fenster davor gesetzt.
Viel zu schade für Gerümpel: Weil die Kirche nicht unterkellert ist, gibt es unterm Dach des Seitenschiffes Abstellflächen für die Mieter.
Alte Formen und neue Materialien: Stahlfensterrahmen und Doppelverglasung fügen sich harmonisch in das alte Gebäude ein.
Der Umbau wurde so vorgenommen, dass er jederzeit rückgängig gemacht werden könnte. In Russland, so erzählt Georg Wilms, werden zur Zeit entwidmete Kirchen wieder in Sakralräume umgewandelt. Doch das, so glaubt er, werden weder er noch seine Kinder in Deutschland erleben. "Aber danach, wer weiß ..."
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