Im Interview mit Gerd Depenbrock und Lioba Werrelmann für die WDR-5-Sendung "Platz der Republik" äußerte sich der SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier unter anderem zu Fragen der Energiepolitik: Er verteidigt den Atomausstieg und fordert eine Sockelförderung für den Steinkohlebergbau in Deutschland.
Bevor Steinmeier am Freitag (14.08.09) ins WDR-Hörfunkstudio nach Dortmund kam, hatte er das Bergwerk Prosper Haniel in Bottrop besucht. Er zollte den Bergleuten seinen Respekt und forderte im WDR-Interview, die Gespräche über die Zukunft der Steinkohle möglichst frühzeitig aufzunehmen.
Das Bruttoinlandsprodukt ist gestiegen – zwar nur um 0,3 Prozent, aber für Steinmeier mehren sich damit "die positiven Signale". Er warnt jedoch davor, zu glauben, dass die Krise bereits bewältigt sei.
Vier Millionen neue Arbeitsplätze will Frank Walter Steinmeier schaffen – darauf hat er sich in seinem "Deutschlandplan" festgelegt. Ein ambitioniertes Ziel, das er auch im Gespräch mit WDR 5 verteidigt.
Der Abbau der Staatsverschuldung sei wichtig, aber der Sozialdemokrat warnt davor, bei der Bildung zu sparen. Dafür nehme er auch eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes um zwei Prozent in Kauf. Das sei aber die einzige Steuererhöhung, die er plane.
Der Vize-Kanzler bezeichnet die Abwrackprämie selbst als "sehr umstrittene Maßnahme", verteidigt sie aber, da die Automobilwirtschaft "das Rückgrat der deutschen Industrie" ist.
Die jüngsten Zahlen des ARD-Deutschlandtrends sind alles andere als aufbauend für Frank-Walter Steinmeier: Lediglich 22 Prozent würden die SPD wählen. Der Kandidat gesteht, dass ihn die Umfragen "nicht jeden Tag fröhlich machen", sieht sie aber dennoch in Summe gelassen.
Auch der Abstand zwischen der Amtsinhaberin und dem Herausforderer ist gewachsen: 63 Prozent der Wähler sprachen sich für Merkel aus, nur 23 für Steinmeier. Der Sozialdemokrat erklärt es sich mit seinem Rollenwechsel vom Außenminister zum Kanzlerkandidaten.
Bemerkenswert ist, dass Frank-Walter Steinmeier einer Koalition mit der Linkspartei keine explizite Absage erteilt. Er benennt lediglich die Grünen als seinen Wunschkoalitionspartner, alles weitere werde das Wahlergebnis zeigen. Vielleicht wird der Wahlabend am 27. September doch noch spannend.