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Sehr geehrter Herr Restle,
nach dem Suizid Al Bakrs hatte ich mich damals näher mit diesem Vorfall befasst. Mich beschäftigte dabei die Frage, wie es in Deutschland um institutionellen Rassismus bestellt sei. Anstoß gaben die unbeholfenen Aussagen von Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow in der >Bild-am-Sonntag<: "Wir alle müssen im Umgang mit islamischen Strafgefangenen dazulernen." Was hat denn der Islam mit der Tatsache, dass eine offensichtliche Suizidalität eines Insassen verkannt wurde, zu tun?
Seit Jahren werde ich (nahezu wöchentlich) beruflich in verschiedenen Institutionen mit der Frage, ob eine Suizidalität vorliegt, konfrontiert, deshalb zwangsläufig bisweilen auch mit einem vollzogenen Selbstmord. Es gibt dann - selten einmal - Suizide, bei denen man sich fragen muss, wie es kommen konnte, dass die beteiligten Betreuer oder Therapeuten die Suizidalität ihres Klienten so grob unterschätzen konnten, obwohl es doch so viele Anhaltspunkte für eine tatsächliche Gefährdung gab. Sicherlich spielt hier meist mangelnde Kompetenz eine Rolle. Aber ich kenne auch den einen oder anderen Fall, in denen untergründige Ressentiments dem Klienten gegenüber dazu führten, dass man die notwendige Vorsicht nicht walten ließ. Diese Form einer unterlassenen Hilfeleistung kann man mit einiger Wahrscheinlichkeit plausibel darstellen, wenn der genaue Zeitablauf der Ereignisse und die jeweils damit verbundenen Mitteilungen (Pflegeberichte etc.) rekonstruiert werden. Typisch sind krasse Fehlinterpretationen (bei Al Bakr wurden die Manipulationen an Lampe und Steckdose als "Vandalismus" festgehalten). Wendet man diese Lesart auf die Vorgänge um Al Bakr an, dann führt mich das zur Annahme eines institutionellen Rassismus. Der Sachverhalt, dass die juristische Aufarbeitung eingestellt wurde, stellt nur eine Variante dieser Gegebenheiten dar, weil die Ressentiments in einem solchen Falle natürlich nicht auf den Tatort beschränkt sind.
Mit freundlichen Grüßen und Dank für die Sendung
CM
Sehr geehrter Herr Restle,
nach dem Suizid Al-Bakrs hatte ich mich damals näher mit diesem Vorfall befasst. Mich beschäftigte dabei die Frage, wie es in Deutschland um institutionellen Rassismus bestellt sei. Anstoß gaben die unbeholfenen Aussagen von Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow in der >Bild-am-Sonntag<: "Wir alle müssen im Umgang mit islamischen Strafgefangenen dazulernen." Was hatte denn der Islam mit der Tatsache, dass die offensichtliche Suizidalität eines Insassen verkannt wurde, zu tun?
Seit Jahren werde ich beruflich in verschiedenen Institutionen mit der Frage, ob eine Suizidalität vorliegt, konfrontiert, deshalb zwangsläufig bisweilen auch mit einem vollzogenen Selbstmord. Es gibt dann - vergleichsweise selten - Suizide, bei denen man sich fragen muss, wie es kommen konnte, dass die beteiligten Betreuer oder Therapeuten die Suizidalität ihres Klienten so grob unterschätzten, obwohl es doch so viele Anhaltspunkte für eine tatsächliche Gefährdung gegeben hatte. Sicherlich spielt hier meist mangelnde Kompetenz eine Rolle. Aber ich kenne auch den einen oder anderen Fall, in denen untergründige Ressentiments dem Klienten gegenüber dazu führten, dass man die notwendige Vorsicht nicht walten ließ. Diese Form einer Vernachlässigung der Fürsorge, letztlich eine Form von (zumindest unbewusst) unterlassener Hilfeleistung, kann man mit einiger Wahrscheinlichkeit plausibel darstellen, wenn der genaue Zeitablauf der Ereignisse und die jeweils damit verbundenen Mitteilungen (Pflegeberichte etc.) rekonstruiert werden. Typisch sind krasse Fehlinterpretationen (bei Al-Bakr wurden die Manipulationen an Lampe und Steckdose als "Vandalismus" festgehalten). Wendet man diese Lesart auf die Vorgänge um Al-Bakr an, dann führt mich das zur Annahme eines institutionellen Rassismus, was bedeutet, dass eine kollektive Ideologie am Wirken war. Der Sachverhalt, dass die juristische Aufarbeitung eingestellt wurde, stellt nur eine Variante dieser Gegebenheiten dar, weil die Ressentiments in einem solchen Falle natürlich nicht auf den Tatort beschränkt sind.
Mit freundlichen Grüßen
CM
@Dirac,
stimme Ihnen zu
Was sich hier an Menschenverachtung deutlich zeigt, ist zum Fürchten...

mir fiel i.ü. auf, dass meistens die Jagd nach dem Tätern mit dem Finalschuß endet; ist ja nicht gut, wenn man erfährt, wer er war oder wie man ihn rekrutiert hat...( so etwas können natürlich NUR Russen !) und ob er überhaupt etwas mit der Tat zu tun hat...
Es ist einfach traurig, dass sich der Arme umgebracht hat, ehe er zum Märtyrer werden konnte. Und nicht etliche Ungläubige mit in den Tod nehmen konnte, um ins Paradies zu gelangen. Damit sind ihm die Jungfrauen für ewig verwehrt... Vielleicht sollten Sie, werte Redaktion, bald auch darüber nachgrübeln, wie ähnlich schlimm der Verlust des Paradieses für andere Terroristen sein muss, also für die jetzt in Spanien erschossenen, die ebenfalls ohne Helden geworden zu sein, bei einer Kontrolle so sinnlos ihr Leben ließen...
TV von der Rest(l)erampe.
CM, es gibt dazu einen neuen Fall. Im Norden, nicht in Dunkeldeutschland. Also besteht die Möglichkeit, dass die bösen Sachsen doch schuldlos am frühen Ableben diesen armen Erdenbürgers waren und er sich doch selbst umgebracht hat. Sie können sich also einem neuen Fall zuwenden. Wenn Sie beschäftigt, wie Sie anmerken, inwiefern der Islam eine Rolle dabei spielte, würde ich Ihnen eher raten, sich danach zu erkundigen, wie viele andere Selbstmorde es jährlich in Gefängnissen gibt. Also von Nichtmuslimen, konkretisiert. Da gibt es sicherlich bedeutend mehr davon...
"mir fiel i.ü. auf, dass meistens die Jagd nach dem Tätern mit dem Finalschuß endet; ist ja nicht gut, wenn man erfährt, wer er war oder wie man ihn rekrutiert hat...( so etwas können natürlich NUR Russen !) und ob er überhaupt etwas mit der Tat zu tun hat..."


das war auch einmal der Stand der Dinge bei Amri....und schon damals gab es warnende Stimmen, von wegen Vorverurteilung; aktuell hört man staunend , dass ein Verfassungsschützer als V-Mann damals Anstifter war.... Der Finalschuss der Italiener war also auch eine abgekartete Sache
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