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Orchester und Chor
Sinfonieorchester
Musik der Zeit
Das sinfonische Potential ist längst nicht ausgereizt. Selbst ungewöhnliche Klangerzeuger und architektonische Räume lassen sich mit den Mitteln des Orchesters simulieren. Die Konzertreihe »Musik der Zeit« widmet sich den Spielarten der Mimesis.
Der junge Komponist und Organist Francesco Filidei simuliert mit dem WDR Sinfonieorchester Köln den Klang von fünf Kirchenorgeln aus Rom und Paris: von der Disposition der Orgelpfeifen bis hin zur jeweiligen Raumakustik und den Nebengeräuschen der Registerzüge und Blasebälge. Auch Luigi Nono nutzte das Potential des Orchesters, um bewegte Topographien zu entwerfen. Vor Ohren hatte er den labyrinthischen Echoraum seiner Heimatstadt Venedig, wo sich die Geräusche von Glocken, Stimmen und Schritten bis ins Unendliche spiegeln. Bei Jonathan Harvey und Leoš Janáček steht der Alltag Modell. Während Janáček aus dem Reichtum der Sprache, ihrer Melodien, Rhythmen und Farben schöpft, bringt Harvey den Instrumenten das Sprechen bei.
Vielleicht ist das Orchester tatsächlich »der beste Synthesizer «, wie der französische Komponist Hugues Dufourt behauptet, der an einem neuen Klavierkonzert arbeitet. Die Herausforderungen des Solokonzertes suchen auch Pascal Dusapin, Dieter Ammann und Vykintas Baltakas, die neue Werke für Solisten wie Renaud Capuçon, Carolin Widmann, Marcus Weiss, Teodoro Anzellotti und Nicolas Hodges komponieren. Neben Emilio Pomàrico, Peter Rundel und Ilan Volkov wird in dieser Spielzeit auch der Chefdirigent des WDR Sinfonieorchesters, Jukka-Pekka Saraste, ein Konzert der traditionsreichen Gegenwartsreihe dirigieren. Spannend wird es nicht zuletzt, wenn das Orchester Unterstützung vom SWR Experimentalstudio und dem Pariser IRCAM erfährt, wenn es Newcomer zu Werkstatt-Proben bittet, oder wenn es in Sinfonietta-Stärke die Wittener Tage für neue Kammermusik besucht: »Musik der Zeit« stehen alle Wege offen.
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