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TATORT NRW
Mord am Hellweg
Informationen aus einem Beitrag von Antje Deistler"Tatort NRW" - dieses Motto gilt derzeit für viele berühmte Schriftsteller aus dem europäischen Ausland. Sie sind derzeit im Ruhrgebiet unterwegs, um - relativ unbemerkt von den braven Bürgern - auf die Suche nach Tatorten und nach Themen für Mordgeschichten zu gehen, über die sie dann schreiben werden. Das Ganze ist ein Projekt des Krimifestivals "Mord am Hellweg". Die Organisatoren haben zum Beispiel dem Dänen Jussi Adler-Olsen aufgetragen, über Lünen zu schreiben, oder die berühmte schwedische Autorin Helene Tursten nach Unna geschickt.


Kein verschlafenes Städtchen
"Ich dachte, es sei viel kleiner, aber hier wohnen 68.000 Menschen." Helene Tursten ist angenehm überrascht. "Da kann doch eine Menge passieren!" Die schwedische Bestsellerautorin aus Göteborg war bisher nur einmal im Ruhrgebiet. Zu einer Lesung in Kamen - bei einem schwedischen Möbelhaus. Jetzt soll sie für die Geschichtensammlung "Mord am Hellweg" ausserhalb schwedischen Hoheitsgebiets literarisch töten - in Unna.
Drei Tage Unna
Die Autorin des Kriminalromans "Das Brandhaus" hat sich bei ihrem dreitägigen Aufenthalt inspirieren lassen: "Das Interessante ist, um 1600 herum hat ein Feuer alle Häuser zerstört, aber die Keller wurden erhalten, die sind viel älter, die stammen aus dem 13. Jahrhundert oder so. Und das ist wirklich interessant, wenn man eine Kriminalgeschichte schreiben soll, die hier spielt. Also bin ich in diesen Katakomben herumgekrochen." Jetzt will Helene Tursten erstmal zurück nach Schweden und alles sacken lassen, was sie hier gesehen und erfahren hat. Im Februar allerdings muss sie zwölf bis 15 Seiten über mindestens einen Mord in Unna abgegeben haben.
Das Besondere entdecken
Sigrun Krauss von den Kulturbetrieben Unna ist als Mitorganisatorin von "Mord am Hellweg" dafür zuständig, dass die Autoren aus dem Ausland alle Informationen bekommen, die sie brauchen: "Oft passiert dann das Verrückte, was wir uns wünschen, dass innerhalb einer Stadtführung Lücken entstehen. Wo jemand sagt: 'Aaach, da gab es Keller? Die Keller möchte ich aber auch sehen.' Es geht nicht darum, die Städte zu präsentieren in ihrer Schönheit, in ihrer Feinheit, sondern es geht darum, das Besondere zu entdecken."
Schauplatz Lünen
Das hat auch Jussi Adler-Olsen getan. Den perfekten Schauplatz für seine Mordgeschichte hat Jussi Adler-Olsen, der zur Zeit mit seinem Krimi "Erbarmen" auf der "Spiegel"-Bestsellerliste steht, in dem ehemaligen Sparkassengebäude mitten in der Lünener Innenstadt gefunden. Ein massiver Bau aus dem Jahr 1908. "Dieses Haus ist nie verändert worden, kein Dachziegel wurde je bewegt. Vielleicht gab es ja jemanden, der dort oben gelebt hat, ohne je herauszukönnen - warum sage ich nicht - aber er hat nur durch eine kleine Spalte sehen können. Durch seine Augen erfahren wir, was sich in den vergangenen 65 Jahren in Deutschland abgespielt hat."
Zielgerichtete Suche nach Tatorten
Anders als seine schwedische Kollegin Helene Tursten hat Jussi Adler-Olsen sich sehr zielgerichtet auf die Suche nach Tatorten begeben. Denn der Däne hatte von Anfang an eine Idee für seine Lünen-Story: "Die hatte ich, schon als ich am Flughafen Düsseldorf ankam. Ich musste nur noch herausfinden, ob es funktionieren würde. Jetzt weiss ich: Es geht. Innerhalb von zwei Tagen habe ich alles gefunden, was ich brauchte. Es war, als hätte mich die Stadt gerufen: 'Hallo, wir machen das für dich!'"
Anthologie "Mord am Hellweg"
Was bei den Besuchen der Kriminalschriftsteller im Ruhrgebiet herausgekommt, ist ab August 2010 in der Anthologie "Mord am Hellweg" nachzulesen.
Tatorte: Lünen und Unna
Skandinavische Bestsellerautoren auf Tatortsuche im Ruhrgebiet. WDR 2 Buchexpertin Antje Deistler hat sie begleitet. (Moderation: Matthias Bongard)



