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Dienstag, 09.02.2010

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REISEREPORTAGE
Die Flosse eines Buckelwals ragt aus dem Wasser; Rechte: pa/dpa

Whale Watching

Autor: Guido Meyer

Der Mai ist gekommen, die Wale schlagen aus: Alle Jahre wieder, wenn es bei uns wärmer und es auf der südlichen Erdhalbkugel Herbst wird, beginnt vor der Ostküste Australiens eine ganz besondere Reisesaison - die der Buckelwale nämlich. Von Mai bis November, den ganzen australischen Winter hindurch, ziehen sie auf dem Weg in wärmere Gewässer nahe der Küstenlandschaft Queenslands vorbei und bevorzugen dabei die Hervey Bay. Und dort kann man ganz nah an sie heran.

In the Middle of Nowhere
Ausgangspunkt der Reise ist Hervey Bay, eine kleine Bucht an Australiens Pazifik-Küste. Hervey Bay liegt in der Nähe von Maryborough, Tin Can Bay und Bundaberg - ein Ort so klein und unbekannt wie der andere, vielleicht abgesehen von letzterem, der seine Bekanntheit dem Bundaberg Whiskey verdankt. Alle sind sie verbunden durch den Highway No. 1, den Bruce Highway. Die nächste größere Stadt, Brisbane, die Metropole Queenslands, liegt schon gut 250 Kilometer weiter südlich. Das Besondere an Hervey Bay ist nicht der Ort selbst, denn der ist noch jung und entstanden aus vier Fischerdörfern. Es gibt kein Stadtzentrum, und die 50 000 Einwohner sind zahlenmäßig den Touristen unterlegen. Und was eben diese Touristen sehen wollen, ist die Bucht, die dem Ort seinen Namen verlieh: Hervey Bay. Die wird nämlich alljährlich im Frühjahr von Buckelwalen durchquert.

Ein Wal springt aus dem Wasser; Rechte: pa/dpa

Auf der Straße nach Norden
Die Humpbacks sind mitsamt ihren Jungtieren auf dem Weg von der Antarktis Richtung Norden. Alljährlich bewältigen sie während dieser fünfmonatigen Wanderung in wärmere, tropische Gefilde und wieder zurück etwa 10 000 Kilometer. Nachdem der Bestand an Buckelwalen in den 60er Jahren mit nur etwa 400 Tieren seinen Tiefpunkt erreicht hatte, gibt es heute wieder schätzungsweise 2000 Exemplare. Dennoch gilt ihr Bestand weltweit nach wie vor als gefährdet. Sie werden im Roten Buch der World Conservation Union (IUCN) geführt. Warum die Humpback-Whales auf ihrem Seeweg in der Hervey Bay Station machen, wissen Meeresbiologen nicht so genau. Eine Theorie sagt, die ruhige und warme Bucht diene den Wanderern schlicht als Rastplatz. Die Touristen jedenfalls freut's. Sich einmal fühlen wie Käpt'n Ahab, der Moby Dick, den Weißen Wal, erspähte ...

Wale sehen ist Glückssache
Wer Glück hat, bekommt für umgerechnet ungefähr 30 Euro wirklich aus den Fluten springende Buckelwale zu Gesicht; wer Pecht hat, sieht nur deren Rücken mit Schwanzflosse. Die "Whale Watcher" können auch in die unterirdischen bzw. unterseeischen Räumlichkeiten der Spirit of Hervey Bay absteigen und einen akkustischen Eindruck der Unterwasser-Welt bekommen und damit auch von den Konversationsformen von Humpbackwhales, dem Gesang der Wale.

Buckelwale unter Wasser; Rechte: dpa

Mit der "Undersea Explorer" Richtung Riff
Doch die Buckelwale sind nicht die einzigen Meeressäuger, denen es down under gefällt. Vom fast 2000 km nördlich gelegenen Port Douglas aus bricht jede Woche die Undersea Explorer auf, ebenfalls Richtung Great Barrier Reef. Die Meeresbiologen an Bord erforschen die Wanderwege von Zwergwalen, die sich zwischen März und November am Riff aufhalten. Auf der Undersea Explorer treffen sich Urlauber und Wissenschaftler, um gemeinsam die Besonderheiten des australischen Great Barrier Reefs - und seiner Bewohner - zu erkunden. 18 Tauchtouristen sind bei jeder Fahrt dabei und bis zu vier Meeresbiologen. Die Fahrtroute ähnelt denen anderer Tauchkreuzfahrtschiffe, jedoch werden an Bord der Undersea Explorer zusätzlich meersbiologische Forschungsprojekte durchgeführt - zum Teil in eigener Regie, zum größeren Teil in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern von Universitäten weltweit.
Da gibt es zum Beispiel eine pazifikübergreifende Kooperation zwischen australischen Hochschulen und der Universität von Santa Cruz in Kalifornien.

Dem Tauchverhalten der Tiere auf der Spur
Beide sind dem Tauchverhalten verschiedener Tierarten auf der Spur, wie dem der Weißspitzenriffhaie, die die Forscher einfangen und mit Radiosendern und Tauchcomputern ausrüsten. So wollen sie die Wanderwege der Haie aufzeichnen. Auch das Wachstum von Plankton untersuchen die Meeresbiologen, sie registrieren kranke Korallenriffen und suchen nach Mantarochen und Kraken, nach Schiffwracks und Höhlen.

WDR 2 Beitrag
Wale in Australien
Reporter Guido Meyer hat die Hervey Bay besucht und die Säugetiere beobachtet:

 
AudioReisereportage: Wale in Hervey Bay (06.05.07; Länge: 3'25")

Weitere Informationen:

Ein Beitrag in WDR 2 Der Sonntag - Stand: 06.05.07
Alle Reisereportagen bei wdr2.de
 

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