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DEUTSCHE BAHN
Erneut Riss in ICE-Rad
Die Bahn hat erneut in der Radsatzwelle eines ICE-Hochgeschwindigkeitszuges einen Riss gefunden - erstmals seit dem Kölner ICE-Unfall im Juli 2008. Das Unternehmen reagierte darauf am Donnerstag (16.10.08) mit weiteren Sonderkontrollen der fraglichen Achsen. Ein Riss könnte nach Ansicht von Experten Ursache für die Entgleisung in Köln gewesen sein. Auch für das schwere ICE-Unglück in Eschede im Juni 1998, bei dem 101 Menschen getötet wurden, war ein Radschaden verantwortlich.


Engpässe bei Fahrzeugen
Die Überprüfungen führten zu einem Engpass bei den Fahrzeugen, wie die Bahn am Donnerstag mitteilte. Bis Ende kommender Woche (25./26.10.08) sind viele der sonst zweiteiligen ICE nur mit einer Einheit unterwegs. Zu Spitzenzeiten müssten Fahrgäste deshalb in den Wagen stehen, räumte Personenverkehrs-Vorstand Karl-Friedrich Rausch am Donnerstag in einer Videokonferenz in Frankfurt ein. Platzreservierungen könnten verfallen; das Geld dafür werde erstattet. Der Bahnmanager bat die Kunden um Verständnis; man wolle jedes Risiko ausschließen.
130 Züge betroffen
Von den Einschränkungen betroffen sind die 130 Züge der Baureihen ICE-3 und ICE-T (mit Neigetechnik), die vor allem auf der Rheinschiene und der Strecke Hamburg-Berlin-Leipzig-München fahren. Zwischen Leipzig und Dresden wurden am Donnerstag ersatzweise Intercitys eingesetzt.
Mehr Prüfungen geplant
Bei einer routinemäßigen Ultraschall-Untersuchung sei in der vorigen Woche in der Achse eines ICE-T ein zwei Millimeter tiefer Riss entdeckt worden, berichtete Rausch. Seit Montag (13.10.08) gelten deshalb für bestimmte Achsen verkürzte Wartungsintervalle. Achsen aus bestimmten Stahl-Legierungen müssten jetzt alle 30.000 Kilometer per Ultraschall überprüft werden. Zuletzt wurden sie alle 60.000 Kilometer getestet, der Hersteller schreibt ein Intervall von 480.000 Kilometern vor.
Fahrgäste müssen etwas Geduld haben
WDR 2 Reporter Jochen Hilgers testete für das WDR 2 Morgenmagazin die klassische Pendlerfahrt im ICE von Köln nach Frankfurt. Zur Zeit sind die Züge verkürzt, da die Bahn verstärkt Sicherheitsüberprüfungen durchführt. Deswegen ist es voller als üblich, was den Fahrgästen Geduld abfordert.
Gewerkschafter: Sicherheit nicht mehr erstrangig?
Frank Schmidt (Gewerkschaft der Lokomotivführer) hat gegenüber WDR 2 Reporter Jochen Hilgers eine "Arbeitsverdichtung von über 150 Prozent" beklagt. Sicherheits-Reserven seien "mit aller Gewalt" abgebaut worden. Schmidt bezweifelt, ob die Bahn "den Punkt 'Sicherheit' immer noch an erster Stelle sieht". Das Gespräch mit Hilgers führte Moderator Michael Brocker:



