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Dienstag, 09.02.2010

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Paolo Giordano: Die Einsamkeit der Primzahlen

Rezension von Christine Westermann

Die Handlung
Zwei Kinder, Junge und Mädchen, die völlig unterschiedlich sind und doch eines gemeinsam haben. Ein dramatisches Kindheitserlebnis hat sie zu Außenseitern gemacht. Alice ist sechs Jahre alt, hasst das Skifahren, wird aber von ihrem herrischen Vater in den Ferien dazu gezwungen. Sie verunglückt schwer und ist fortan behindert.
Mattia hat eine behinderte Zwillingsschwester, auf die er ständig aufpassen muss, für die er sich schämt. Er hat keine Freunde und als er überraschend doch zu einer Geburtsagfeier eingeladen wird, will er unter keinen Umständen seine Schwester mitnehmen. Er lässt sie allein im Park zurück. Als er Stunden später wiederkommt, ist sie verschwunden. Für immer. Ein paar Jahre später begegnen sich Alice und Mattia auf dem Gymnasium, fühlen sich sofort zueinander hingezogen - und bleiben doch getrennt. Wie Primzahlen, allein, aber sich doch nahe. Aber nicht nahe genug, um sich wirklich berühren zu können. Und das soll sich ihr ganzes Leben lang nicht ändern...

 
Ausschnitt aus des Buchumschlags "Die Einsamkeit der Primzahlen" von Paolo Giordano; Rechte: Karl Blessing Verlag
 

Der Autor
Paolo Giordano, in Turin geboren, hat Physik studiert. "Die Einsamkeit der Primzahlen" ist sein erster Roman und war 2008 das meistverkaufte Buch in Italien. Er bekam den wichtigsten italienischen Literaturpreis, ist mit 27 Jahren der jüngste Preisträger. Der Roman wurde in zwei Dutzend Länder verkauft.

Die Bewertung
Um mal gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: dieses Buch ist starker Tobak und zwar von Seite eins an, wenn sich die kleine Alice vor Angst in die Hose macht, weil sie gleich mit ihren Skiern den Berg hinunterfahren muss. Es ist eine Liebesgeschichte und doch auch wieder keine. Es sind zwei Königskinder, die zusammen nicht kommen können und man schwankt ständig, ob man es ihnen wünschen soll oder nicht.

Erzählt wird die Geschichte über einen Zeitraum von 25 Jahren. An ihrem Ende ahnt man, dass die beiden ihr Kindheitstrauma wohl nicht mehr loswerden, aber vielleicht lernen, damit zu leben.

Den Titel finde ich grandios gewählt. "Die Einsamkeit der Primzahlen": die fünf und die sieben zum Beispiel, ganz dicht beieinander und doch getrennt. Und dieses anders sein als die anderen, das beschreibt der junge Autor perfekt. Das legt sich auf einen wie ein Grauschleier. Ich habe das Buch im Sommer auf dem Balkon gelesen und das war gut so. Weil man schnell bereit ist, sich diese stete Melancholie überzustülpen und fortan reichlich bedröppelt durchs Leben zu laufen. Aber immer bleibt dieser Roman spannend, gibt es unerwartete Wendungen, man hofft und bangt. Bis zur letzten Seite. Die italienischen Buchkritiker haben sich überschlagen in ihren Kritiken, ich würde gerne auf dem Teppich bleiben. Ich weiß nicht, ob es ein "einzigartiger Bildungsroman" und ob es sich um ein "literarisches Phänomen" handelt. Aber ich weiß, dass es ein gutes Buch ist, das ich gern weiterempfehle. Und dass es meinen Blick auf die Mathematik und die Primzahlen ein wenig verändert hat. Im positiven Sinne.

Paolo Giordano
Die Einsamkeit der Primzahlen
Verlag: Karl Blessing Verlag
ISBN: 978-3896673978
Preis: 19,95 Euro

Als Hörbuch bei Random House Audio

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WDR 2 Bücher: Die Einsamkeit der Primzahlen von Paolo Giordano (06.09.09)

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Ein Beitrag in WDR 2 am Sonntag - Stand: 06.09.09
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