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"Rotzverdammi" und "Die Faxen dicke“ von Reiner Hänsch - WDR 4. Melodien für ein gutes Gefühl.

"Bücher" vom 16.09.2014

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"Rotzverdammi" von Reiner Hänsch

"Rotzverdammi" und "Die Faxen dicke“ von Reiner Hänsch

„Dat hat ja chrad nomma chut chechangen.“ Wer den Satz zweimal lesen muss, ist kein Sauerländer. Selbstbewusst erhebt eine Volksgruppe das Haupt, die oft zu Unrecht vernachlässigt wird. Der Autor und Musiker Reiner Hänsch setzt in zwei Romanen seiner Heimat und ihren Menschen ein verdientes Denkmal.

Beitrag: Stefan Keim

Rotzverdammi!

„Rotzverdammi!“ heißt der erste Streich. Es ist die Geschichte eines Sauerländers, der als Werbedesigner in Düsseldorf sein Unglück gefunden hat. Das muss er allerdings erst erkennen.

Als seine Mutter stirbt, kommt Heinz-Norbert Flottmann zurück – und bleibt hängen. Er trifft die Mitglieder seiner alten Band, fährt seinen Porsche zu Schrott, säuft sich richtig „inne Wicken“ – und erkennt ganz langsam, wie wohl er sich dabei fühlt. Dann planen die Jungs ihr Comeback, die Jugendliebe von einst ist plötzlich wieder interessant und das gut gefüllte Düsseldorfer Bankkonto schnell leer.

Aber ein Sauerländer muss manchmal tun, was ein Sauerländer tun muss. „Rotzverdammi!“ ist ein herzblutvolles, derbes, witziges Buch über die Heimat, die Rückkehr und die bekloppte Musikindustrie. Mit vielen autobiographischen Anspielungen, denn Hänsch ist wahrhaftig Mitglied der Band „Zoff“. Ihr größter Hit: „Sauerland“. Die schönste Zeile: „Wo die Misthaufen qualmen, da gibt´s keine Palmen.“

Rotzverdammi

Autor: Reiner Hänsch
352 Seiten
14,90 Euro (auch als sehr witziges Hörbuch für 17,90 Euro)

Die Faxen dicke

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"Die Faxen dicke" von Reiner Hänsch

„Die Faxen dicke“ heißt nun das zweite Werk des Reiner Hänsch. Diesmal gibt´s Palmen. Weil sein Held Alex Knipschildt – Redakteur eines Anzeigenblättchens in Leckede-Hintersten (kennense nich, woll?) – mit seiner Familie Urlaub macht.

Ko Samui wurde als Paradies beschrieben und entpuppt sich als Hölle. Schon nach einem Tag ist Mutter von der Sonne verbrutzelt, Vati von Mücken zerstochen und der Sohn ein bleicher Zombie, der sich nur für seinen neuen Gameboy interessiert.

Doch die Knipschildts beißen sich hinein in den Urlaub, kämpfen um eine Liege am Strand, mieten sich ein Auto und entdecken einen „Pimmelfelsen“.

Comedy über missglückte Urlaubsreisen gibt es schon zuhauf, aber noch nicht auf sauerländisch. Reiner Hänsch nimmt die Eigenarten seines Volksstamms, aber auch die Kölner, Leipziger und Wittener liebevoll auf die Schippe. Nur die Russen kommen nicht so toll weg. Aber das hat vielleicht auch seinen Grund.

Unser Fazit

Der Woll-Verlag in Schmallenberg – das es im Gegensatz zu Leckede-Hintersten wirklich gibt – hat sich auf heitere Bücher aus dem und über das Sauerland spezialisiert. Die Romane von Reiner Hänsch sind keine große Literatur. Dafür lässt er seiner Lust an der Übertreibung zu ungehemmt Platz. Aber die Bücher bieten hurtig zu lesende, leichte, warmherzige Unterhaltung mit viel Bodenhaftung.

Die Faxen dicke

Autor: Reiner Hänsch
352 Seiten, 14,90 Euro

 

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