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„Über den Feldern“ - der Erste Weltkrieg in großen Erzählungen der Weltliteratur - WDR 4. Melodien für ein gutes Gefühl.

"Bücher" vom 15.04.2014

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„Über den Feldern“ von Horst Lauinger (Hrsg.)

„Über den Feldern“ - der Erste Weltkrieg in großen Erzählungen der Weltliteratur

Vor hundert Jahren brach der erste Weltkrieg aus. Eine Menge neue Sachbücher und Romane beschäftigen sich mit dem Thema. Eine der interessantesten Neuerscheinungen ist die Sammlung großer Erzählungen der Weltliteratur unter dem Titel „Über den Feldern“.

Beitrag: Stefan Keim

Der Alltag des Krieges

70 kurze Texte auf fast 800 Seiten – das ist natürlich ein dicker Buchbrocken.
Aber auch sehr unterhaltsam zu lesen, denn jeder Autor hat seinen eigenen Stil. Und es gibt keinesfalls nur Soldatengeschichten von der Front, im Gegenteil. Es dauert sogar ziemlich lange, bis zum ersten Mal geschossen wird.

Der Krieg fängt schon beim Spielzeug an

Manchmal kommt der Krieg nur ganz im Hintergrund vor. Zum Beispiel erzählt der aus Burma stammende Schriftsteller Saki vom Versuch, Kindern kein Kriegsspielzeug zu schenken. Sondern Püppchen von Menschen, die zum Beispiel etwas Wichtiges erfunden haben. Der Versuch misslingt, die Kinder machen einfach Soldaten draus und spielen wieder Schlacht.

Ein Flüchtling auf dem Genfer See

Stefan Zweig beschreibt die Geschichte eines russischen Flüchtlings, der eines Tages auf dem Genfer See auftaucht. Es ist ein einfacher Mann, der von seiner Familie fort gerissen wurde, in einen Krieg, den er nicht versteht. Der Russe will nur nach Hause.
Viele dieser Erzählungen wirken realistisch, und oft spiegeln sie auch wirkliche Ereignisse.

Die bösen Seiten der Menschen

Manchmal kommt auch ein grimmiger Humor ins Spiel. Zum Beispiel bei Bertolt Brecht, der in knappen Sätzen beschriebt, wie sich zwei Soldaten im Schützengraben durch den Krieg saufen. Aber der Tod erwischt sie doch.
Viele Autoren zeigen, wie unter dem Druck des Überlebenskampfes Freundschaften zerbrechen und die bösen Seiten der Menschen zu Tage treten.
Heinrich Mann erzählt in „Der Mörder“ von zwei Männern, die der Armee Getreide zu Wucherpreisen verkaufen wollen und sich zerstreiten.

Gnadenlos und gefühlvoll

Es gibt auch Einblicke in Geschehnisse außerhalb Europas. Tania Blixen, die Autorin des Romans „Jenseits von Afrika“, beschreibt eine Safari im Auftrag der Armee. Pathetische Klagen über die Grausamkeit des Krieges finden sich kaum. Dafür präzise Erzählungen, mal gnadenlos, mal gefühlvoll.

Unser Fazit

Eine grandiose Sammlung mit einem packend geschriebenen Nachwort des Herausgebers. Das sollte man gleich am Anfang lesen, um einen Überblick über den ersten Weltkrieg und die Literatur zu bekommen.

Über den Feldern - der Erste Weltkrieg in großen Erzählungen der Weltliteratur

Autoren: Bertolt Brecht, Stefan Zweig, Heinrich Mann, Tania Blixen und viele andere
784 Seiten
29,95 Euro

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