Hörbuch-Tipp vom 22.06.2012
Rachel Joyce: "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry"
Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry
Harold Fry ist fünfundsechzig, wurde gerade pensioniert und lebt mit seiner Frau Maureen seit fünfundvierzig Jahren in einer englischen Kleinstadt. Beide leben aneinander vorbei, beide sind unglücklich mit ihrem Leben und beide sind schon längst in eine Starre verfallen.
Beitrag:
Andrea Halter
Redaktion:
Anja Schermuly
Alles ändert sich, als Harold eines morgens einen Brief seiner ehemaligen Arbeitskollegin Queenie bekommt. Queenie ist an Krebs erkrankt und liegt im Sterben. Eigentlich will Harold Queenie mit einem knappen Brief antworten, aber stattdessen begibt er sich auf die längste Reise seines Lebens. „Ich bin auf dem Weg. Du musst nur durchhalten“, läßt er Queenie wissen. „Ich werde Dich retten, Du wirst schon sehen. Ich werde laufen, und Du wirst leben.“ Siebenundachtzig Tage lang pilgert Harold, tausend Kilometer, von Südengland bis an die schottische Grenze zu Queenies Hospiz. Zu Fuß, ohne Gepäck, ohne Luxus. Es wird eine Reise, die er jeden Tag neu beginnen muss. Für Queenie. Für seine Frau Maureen. Für seinen Sohn David. Für sich selbst.
„Die unwahrscheinliche Reise des Harold Fry“ ist eine anrührende Geschichte. Sie wühlt auf, macht wütend, nachdenklich, traurig, lässt einen aber auch schmunzeln und manchmal laut lachen. Man begleitet Harold auf seiner langen Reise und es kommt einem vor, als würde er uns Hörer in seine gedanklichen Zwiegespräche mit einbinden. Man wandert so inniglich mit ihm, dass einem manchmal selbst die Blasen an den Füßen schmerzen und sich der scharfe Geruch von ungewaschenen Körpern in die Nase brennt. Und manchmal, wenn Harold der Mut zu verlassen scheint, möchte man ihn von hinten anschieben und rufen: „Harold, Du schaffst das! Du wirst Dein Leben wieder in den Griff bekommen! Alles wird gut!“ Denn schnell merkt man bei dem Roman, dass Harold Fry auch für uns läuft.
Autorin: Rachel Joyce
Argon Verlag
Ca. 430 Minuten
5 CDs, 19,95 €