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Schottlands "No" zur Spaltung - WDR 4. Melodien für ein gutes Gefühl.

Zur Sache vom 19.09.2014

Schottlands "No" zur Spaltung

Jetzt also ist es amtlich: Schottland bleibt Teil von Großbritannien. Bei der Abstimmung gestern haben sich die meisten Menschen in Schottland dagegen ausgesprochen, einen eigenen Staat auf die Beine zu stellen. Das ist auch gut so. Hätte Schottland sich für unabhängig erklärt, hätte das unabsehbare Folgen für ganz Europa gehabt.

Puh, gerade noch mal gut gegangen. Wären die Schotten jetzt auf dem Weg zum eigenen Staat, dann würde das in Europa eine Menge durcheinanderwirbeln.

Regionen, in denen es Menschen gibt, die sich gerne vom Hauptland unabhängig erklären würden, gibt es nämlich viele in der EU. Geht schon los bei unseren Nachbarn, den Belgiern - dort ist es die Region Flandern. In Spanien Katalonien und das Baskenland, in Italien unter anderem Korsika, Sardinien und Südtirol.

Würde es überall nach den Separatisten gehen, dann hätten wir bald wieder ein Europa der kleinen Staaten. Mitte des 19. Jahrhunderts war das noch die Realität, auch in Deutschland. Aber kann man sich das heute vorstellen? Wer von München nach Hamburg fahren wollte, müsste durch das Königreich Bayern, das Kurfürstentum Hessen, die Königreiche Preußen und Hannover bis in die Hansestadt Hamburg. Womöglich mit Pass- und Zollkontrollen an jeder Grenze, und wahrscheinlich würde es in jedem dieser Staaten auch eine eigene Währung geben. Nein, diese Kleinstaaterei passt so gar nicht mehr in unsere Zeit, sie wäre in jeder Beziehung ein Rückschritt.

Dass trotzdem viele Menschen, so wie jetzt immerhin fast 45 Prozent der Schotten, glauben, dass es ihnen mit einem eigenen Staat gesellschaftlich und wirtschaftlich besser gehen würde, das stimmt nachdenklich. Es ist - besonders mit Blick auf andere Regionen in Europa - eine Mahnung in Richtung Brüssel. Was ist eigentlich aus dem "Europa der Regionen" geworden? In den 90er Jahren war das das Stichwort, um klar zu machen, dass man beim Aufbau der großen Gemeinschaft nicht vergessen darf: Das große Ganze besteht aus vielen kleinen Teilen. Und die haben alle ihre Eigenheiten, die man ihnen auch lassen sollte.

Wer dagegen das Gefühl hat, "die da oben" - egal ob damit London oder Brüssel gemeint ist - nehmen mehr an Freiheit als sie geben, der wird dafür kämpfen, diese verloren geglaubte Freiheit zurückzubekommen.

Großbritanniens Regierung in London hat versprochen, den Schotten jetzt mehr Autonomie zu geben. Die Abstimmung war also offenbar ein echter Denkzettel. Einer, den man sich in anderen Ländern ersparen sollte. Vor allem bei der EU in Brüssel sollte man die Stimmung in den Regionen ernst nehmen und die Stimmen von dort hören. Nicht dass am Ende alles - so wie in Schottland - auf ein "Yes" oder "No" hinausläuft, auf eine Entscheidung, bei der es keine Alternativen, keine Zwischentöne mehr gibt. "Gemeinsam sind wir stark" - das war schließlich der Grundgedanke, als die EU ins Leben gerufen wurde. Ein Gedanke, der auch heute noch Gültigkeit hat.

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