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Organspende: Eine Frage des Gewissens - WDR4. Schönes bleibt.

Zur Sache vom 25.05.2012

Organspende: Eine Frage des Gewissens

Organspende: Vielen Menschen ist die Vorstellung unheimlich, dass ihnen auf dem Totenbett Organe entfernt werden, damit die Ärzte an Ersatzteile für lebensgefährlich erkrankte Patienten kommen. Andererseits kann dadurch ein Toter Leben retten, was natürlich wunderbar ist..

Entscheiden soll man sich – so oder so. Per Gesetz wird jeder Krankenversicherte zukünftig dazu aufgefordert. Das hat der Bundestag heute beschlossen.

Wie der Bundestag sich heute entscheiden würde, das war nach jahrelanger quälender Diskussion gar keine Frage mehr. Dem von den Parteien ausgehandelten Kompromiss zur Organspende war eine große Mehrheit der Abgeordneten völlig sicher, und das Gesetz hat auch den Beifall des Landes verdient: Damit können wir alle leben – um es mal so zu sagen.

Denn jetzt ist alles vom Tisch, was jemals an Zwangsbeglückungen erwogen wurde. Es gab ja tatsächlich die auch verfassungsrechtlich abwegige Ansicht, man solle Menschen Organe entnehmen dürfen, wenn sie dem nicht zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen hätten und den Ärzten das auch zur Kenntnis gelange. Furchtbar. Ärzte als Leichenfledderer von Menschen, die sich nicht mehr wehren können – kein Wunder, dass so viele Bürger bei Transplantation immer noch an Dr. Frankenstein und sein zusammengestoppeltes Monster denken.

Der Mensch ist kein Ersatzteillager, auch nicht als Sterbender, seine Menschenwürde gilt in alle Ewigkeit, also über den Tod hinaus. Die Selbstbestimmung ist Menschenrecht und kann nicht durch eine Wohltätigkeits-Diktatur wegoperiert werden. Die Mehrheit im Parlament hat das eingesehen. Sie hat beschlossen, dass die Krankenversicherten von ihren Kassen regelmäßig daran erinnert werden, sich doch bitte zu entscheiden. Freiwillig, für oder gegen Organspende. So ist das gut. Wir werden jeden lieben Tag zigfach aufgefordert, uns für irgendeinen Blödsinn zu entscheiden: Hol dir den neuen Joghurt, sichere dir die Flatrate, mache eine Probefahrt, buche jetzt den Urlaub, gönne dir was Besonders und so weiter und sofort. Was soll man dann dagegen sagen, wenn man in gesitteten Abständen gebeten wird,  sich Gedanken über die eigene Organspende zu machen. So oder so. Man kann sich entscheiden, man muss es nicht.

12.000 Menschen warten derzeit bei uns auf ein Spenderorgan, aber nur gut tausend Menschen haben letztes Jahr gespendet. Damit das mehr werden, muss viel besser informiert werden. Die Menschen müssen erfahren und sicher sein, dass keine Gefahr besteht, für ein Organ von den Ärzten geopfert zu werden. Nachhilfe in Menschlichkeit brauchen wir nicht, Aufklärung über letzte Dinge aber wohl.

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