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Maßnahmen gegen Übergewicht - sonst kommt's dicke! - WDR 4. Melodien für ein gutes Gefühl.

Zur Sache vom 22.07.2014

Maßnahmen gegen Übergewicht - sonst kommt's dicke!

Wissenschaftler des Rostocker Max-Planck-Instituts zur Erforschung des demographischen Wandels rechnen in einer neuen Studie vor, dass die Zahl der Übergewichtigen in Deutschland in den kommenden 15 Jahren um 80 Prozent wachsen könnte. Damit wären die Deutschen dann die dicksten Menschen in Europa.

Den Chef einer Fluggesellschaft hat’s erstmal umgehauen: „Niemand will neben einem Fetten an Bord sitzen. Wir waren überrascht, wie viele Kunden Dicke nicht nur besteuern, sondern sogar foltern möchten.“ Soweit kommt es in der Realität dann zum Glück doch nicht, aber den übergewichtigen Menschen ist schmerzhaft bewusst, dass sie wegen ihrer Körperfülle stigmatisiert werden. Und damit in eine fatale Spirale geraten, denn die negative öffentliche Wahrnehmung bringt ihnen noch mehr gesundheitliche Probleme. Neben Diabetes und Bluthochdruck leiden sie wegen der mangelnden Selbstachtung und dem fehlenden Selbstbewusstsein auch noch unter Depressionen und Ängsten.


Und sie machen zunehmend die Erfahrung der Ausgrenzung. Die dicke Frau zum Beispiel, der der Friseur nicht mehr die Haare schneiden wollte, weil er Sorge um seinen schönen Stuhl hatte oder die Angestellte, die wegen ihres Übergewichts und dem damit verbundenen Gesundheitsrisiko nicht ins Beamtenverhältnis übernommen worden ist. Interessanterweise ist Ähnliches von Rauchern nicht bekannt. Und zeigt, dass die Gesellschaft gerade mal ein dickes grundsätzliches Problem zu lösen hat.


Auch das, ob Fettleibigkeit als Behinderung gelten soll, denn dann wäre jede Kündigung oder Abweisung eine Diskriminierung und würde gegen europäisches Recht verstoßen. Und genau das wird zurzeit vor dem Europäischen Gerichtshof geprüft.


Untersuchungen zeigen, dass sich adipöse Menschen für faul, undiszipliniert und selbst schuld an ihrem Übergewicht halten. Für viele Erwachsene mag das auch zutreffen. Für die immer mehr dicken Kinder sicher nicht. Hier hat die Fürsorgepflicht der Gesellschaft und der Eltern versagt. Wenn man zulässt, dass Jungs und Mädchen vier Stunden täglich vor Computern, Fernsehern und Spielkonsolen sitzen, dass zu oft der Sportunterricht ausfällt oder nach wie vor Werbung für Süßes und Dickmachendes geschaltet werden darf, dann züchtet man geradezu Menschen heran, die später dann ein so gelerntes Verhalten nicht mehr oder nur sehr mühsam verändern können.


Hier sollte man von den Mexikanern lernen. Weil auch dort die Menschen immer dicker werden, gibt es seit diesem Monat ein Werbeverbot für kalorienreiche Erfrischungsgetränke zu den Tageszeiten, wenn besonders viele Kinder vor dem Fernseher sitzen. Zu viel Reglementierung in einer freien Gesellschaft? Vielleicht. Aber offenbar geht’s nicht anders, sonst wird es nicht nur in Flugzeugen abstoßend und zu eng, sondern im ganzen deutschen Land.

 

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