Sie befinden sich hier: >WDR.de >Radio > WDR4.de > Panorama > Zur Sache

Bei Entführung Lösegeld - wie erpressbar sind Staaten? - WDR 4. Melodien für ein gutes Gefühl.

Zur Sache vom 22.08.2014

Bei Entführung Lösegeld - wie erpressbar sind Staaten?

Die grausame Hinrichtung des US-Journalisten James Foley durch die Terrorgruppe Islamischer Staat wird in den USA und in Europa diskutiert. Die USA erwägen jetzt auch Luftschläge in Syrien gegen die Dschihadisten. Offenbar hatte die IS vor der Ermordung des US-Amerikaners ein horrendes Lösegeld gefordert. Aber: Die USA gingen auf diese Forderung nicht ein. Europa dagegen hätte wohl gezahlt.

von: Anna Osius

Die Entführer des US-Journalisten James Foley wollten Geld. Unvorstellbar viel Geld. 130 Millionen Dollar verlangte die Terrorgruppe IS für das Leben des Journalisten. Die USA zahlten nicht, sie zahlen prinzipiell nicht bei Entführungen. Der Staat ist nicht erpressbar ist die Grundregel. Stattdessen versuchen die Amerikaner und auch die Briten, Geiseln mit gezielten Militärmanövern zu befreien – was im Fall Foley allerdings misslang. Damit war der Tod des Journalisten nahezu vorprogrammiert.

"Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit gehabt", waren seine letzten Worte auf dem grausigen Hinrichtungsvideo. Verzweifelt hatte sein Vater noch versucht, selbst die Lösegeldsumme aufzubringen. Wie muss es sich anfühlen für den Entführten und seine Angehörigen, wenn man weiß: Mein Land gibt mich auf? Für alles ist in dieser Welt Geld da – nicht aber für mein Leben.

James Foley war einer von uns. Ein Journalist, der sich in Krisengebiete gewagt hat, damit die Welt erfährt, was dort passiert. Natürlich immer mit dem Risiko, dabei zu sterben. Das kennt jeder Kriegsreporter. Aber das Gefühl, von seiner Nation im Stich gelassen zu werden, ist grausam. Europäische Länder wie Deutschland oder Frankreich gehen anders mit Entführungen um. Hier wird gezahlt, ohne groß darüber zu reden – auch, weil Europa nicht die militärischen Mittel hat, Geiseln einfach zu befreien. Mindestens 125 Millionen Dollar flossen so nach Berechnungen der New York Times in den letzten fünf Jahren an AlKaida.

Europa wird dafür scharf kritisiert: Die Lösegelder finanzierten die Terror-Organisationen und machten Europäer als Entführungsopfer attraktiv. Weitere Geiselnahmen werden folgen. Die Internationale Gemeinschaft muss dringend eine einheitliche Lösung finden, mit Entführungen umzugehen. Sonst spielen Terrorgruppen die Staaten gegeneinander aus und gehen selbst gestärkt hervor. Warum wird nicht erst Lösegeld gezahlt, und dann – wenn die Geisel aus der Schusslinie ist - die Terrororganisationen mit Militärschlägen bekämpft?

Es ist ein Dilemma, in dem wir uns befinden, wenn sich – nicht erst seit RAF-Opfer Hanns Martin Schleyer – die Frage stellt: Sind Staaten erpressbar? Mir sind alle Gegenargumente bewusst, wenn ich sage: Der Mensch geht vor Prinzip. James Foley hätte gerettet werden sollen. Er war ein Kollege.

WDR 4 Für ein gutes Gefühle wdr

WDR 4 hören

Jetzt im Programm

  • Webcam
  • Playlist
    • 06.00 Uhr
      Nachrichten, Wetter
    • 06.05 Uhr
      Guten Morgen!
      Mit Stefan Verhasselt
      Darin:
      06.30, 07.30 Kurznachrichten, Wetter
      07.00 Nachrichten, Wetter
      07.20 Viel Spaß! Es lebe die Liebe
      07.40 NRW-Wetter
  • Podcast

Zur Sache

Der tägliche Kommentar zur Mittagszeit! Die Themen sind breit gefächert aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport.
Montag - Freitag um 13.20 Uhr