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Immer weniger Vergewaltiger werden verurteilt - WDR 4. Melodien für ein gutes Gefühl.

Zur Sache vom 17.04.2014

Immer weniger Vergewaltiger werden verurteilt

Frauen, die eine Vergewaltigung anzeigen, erreichen immer seltener, dass der Täter bestraft wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Das sei für die Betroffenen nicht akzeptabel und problematisch für einen Rechtsstaat, sagen die Wissenschaftler. Vor 20 Jahren hat noch gut jede fünfte Frau, die wegen einer Vergewaltigung zur Polizei gegangen ist, ein Urteil gegen den Täter erwirkt. Im Jahr 2012 war es nur noch jede zwölfte.

Mit einem verhängnisvollen Vorurteil muss man aufräumen, wenn von Vergewaltigungen, von Anzeigen, Gerichtsverfahren und Urteilen, gesprochen wird. Es stimmt keineswegs, dass Frauen oft oder in zunehmendem Maße ihren Ex-Partner der Vergewaltigung bezichtigen, um sich an ihm zu rächen, oder der Polizei aus irgendwelchen anderen Gründen erfundene Vergewaltigungsgeschichten auftischen. Christian Pfeiffer, der Direktor des Kriminologischen Instituts, beziffert den Anteil solcher Fälle auf zehn Prozent. Mit anderen Worten: 90 Prozent aller Frauen, die eine Vergewaltigung anzeigen, haben erlebt, wie sich Männer roh und gewissenlos über ihren Willen hinwegsetzen. Die Scham nach einer solchen Demütigung ist bei vielen Betroffenen auch heute noch groß, deshalb muss man im Gegenteil von einer hohen Dunkelziffer ausgehen. Eine Vergewaltigung öffentlich zu machen und bei Polizei und Gericht darüber zu sprechen, ist ein schwerer Schritt. Frauen, die sich das im Vertrauen auf unseren Rechtsstaat zumuten, verdienen Respekt.


Dass sich mittlerweile mehr Vergewaltigungsopfer trauen, ihren Peiniger anzuzeigen, dass Frauen selbstbewusster auftreten als früher und nicht in der Opferrolle erstarren, lässt hoffen. Umso erschreckender die Erkenntnisse der Kriminologen. Wie kann es sein, dass immer mehr Täter ohne Strafe davonkommen? Als Grund wird die Arbeitsüberlastung bei Polizei und Justiz genannt. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Bundesländern. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Vergewaltigung geahndet wird, hängt entscheidend davon ab, wo in Deutschland Opfer und Täter leben – das darf ja wohl nicht wahr sein! Zudem ist die Beweislage schwieriger geworden, seit Ende der 90er Jahre auch die Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt wurde. Wenn der Täter kein unheimlicher Fremder ist, sondern aus dem sozialen Nahbereich stammt, nützen auch DNA-Spuren nichts. Da muss die Frau schon grün und blau geschlagen sein, damit ihre Aussage glaubwürdig erscheint. Hat sich ein Vergewaltigungsopfer aus Selbstschutz und Angst nicht mehr körperlich gewehrt, sieht es ganz schlecht aus. Hier sind Korrekturen im Strafrecht überfällig. In einer zivilisierten Gesellschaft muss ein entschiedenes Nein reichen.

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