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Schalke 04 fährt nach Moskau: Kein Ausflug, sondern knallharte Lobbyarbeit - WDR 4. Melodien für ein gutes Gefühl.

Zur Sache vom 24.04.2014

Schalke 04 fährt nach Moskau: Kein Ausflug, sondern knallharte Lobbyarbeit

Die Fußballer von Schalke 04 wollen demnächst nach Moskau fahren. Schalke-Chef Clemens Tönnies hat von Russlands Präsident Putin eine Einladung bekommen – und die wolle man auch annehmen, so Tönnies. Der geplante Besuch bringt den Schalkern schon jetzt viel Kritik aus der Politik ein – im Zeichen der Krise zwischen Russland und der Ukraine sollten die Fußballer nicht einfach so nach Moskau fahren.

„Wir sind Sportsleute und keine Weltpolitiker. Die Politik ist nicht unser Spielfeld.“ – mit diesen Worten hat Schalke-Chef Clemens Tönnies begründet, warum man trotz der Krise die Einladung annehmen will.

Eine ziemlich naive Äußerung, ich kann gar nicht glauben, dass Tönnies das ernst meint. Denn die Schalker machen mit ihrem Besuch natürlich Politik; besser gesagt: Sie wird mit ihnen gemacht. Putin wird die Kicker ja nicht mal eben durch den Hintereingang lotsen und ihnen vom Hausmeister den Kreml zeigen lassen. Nein, Russlands Präsident wird sich öffentlichkeitswirksam mit der Mannschaft ablichten lassen – Motto: „Alle Kritiker mal aufgepasst – ich bin gar nicht so isoliert, wie ihr mich gerne sehen würdet; sogar deutsche Bundesligamannschaften kommen ganz freiwillig zu Besuch.“

Wirklich freiwillig? Nein – auch das kann man kaum glauben; Hauptsponsor von Schalke ist bekanntlich der russische Gaszkonzern „Gazprom“, der beste Beziehungen zum Kreml hat. Und auch Schalke-Chef Clemens Tönnies ist offenbar nicht ganz frei von Interessen; im Hauptberuf leitet Tönnies ein Lebensmittelwerk und dieses Unternehmen ist seit einiger Zeit dabei, in Russland Schweinemastbetriebe aufzubauen. Der CDU-Politiker Gunther Krichbaum bringt es auf den Punkt: Tönnies, so sagt Krichbaum, missbrauche die Mannschaft „wahrscheinlich für seine wirtschaftlichen Interessen“.

Und uns, die Öffentlichkeit, führt Tönnies damit gleichzeitig an der Nase herum. Auch wenn der Schalke-Chef uns das einreden will: Das ist keine Klassenfahrt nach Moskau, die der Fußballclub da plant – es geht hier um knallharte Wirtschaftsinteressen. Dann aber sollte man beim FC Schalke auch dazu stehen. Es ist ja nun mal so, dass im Profi-Fußball nicht nur der Ball, sondern auch der Rubel rollen muss; ohne finanzstarken Sponsor kommen die Vereine nicht mehr über die Runden. Und wenn man sich schon den Namen eines russischen Gaskonzerns auf die Brust schreibt, dann bitte nicht so tun, als sei das alles Zufall oder durch pure Freundschaft entstanden. „Wir besuchen unseren Sponsor, weil der sich das so wünscht. Und wir machen das trotz der Krise.“ – Das wäre eine klare Aussage und das wäre auch die Wahrheit. Aber zu sagen: „Die Mannschaft würde gerne einmal den Kreml sehen und interessiert sich für Moskau“, das ist eine Untertreibung, die ich einfach nur lächerlich finde. Also, liebe Schalker – steht zu eurem Sponsor und seinen wirtschaftlichen und politischen Interessen – oder sucht euch einen neuen Geldgeber! Dieses gespielt naive Rumgeeiere ist einfach nur albern.

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