Zur Sache vom 17.05.2013
Tödliche Klamotten sind out
Noch immer werden in Bangladesch Trümmer der eingestürzten Textilfabrik weggeräumt. 1.127 Leichen wurden bis jetzt gezählt. Schuld an den katastrophalen Arbeitsbedingungen tragen auch die großen Textilkonzerne, die in Asien billig produzieren lassen.
Jetzt haben sie ihre Verantwortung wohl begriffen: Denn 31 westliche Handelsunternehmen wie H&M, C&A, Esprit, Aldi und Primark haben ein Abkommen für mehr Sicherheit in Bangladeschs Kleiderfabriken unterzeichnet.
Das wurde aber auch höchste Zeit, und man fragt sich, warum erst so viele Menschen sterben mussten, bis große Textilkonzerne ihre Verantwortung für Zustände in Billigfabriken einsahen. Seit Jahren weiß man, wie nicht nur in Bangladesch Textilien produziert werden, nämlich mit einer Ausbeutung wie zu Zeiten von Karl Marx und Friedrich Engels, mit Arbeitsbedingungen, die man keinem Menschen zumuten darf.
Die Arbeiterinnen und Arbeiter an den Nähmaschinen spielten keine Rolle bei dem großen Geschäft. Wie im kommunistischen Lehrbuch von Anno Tobak zählte nur der Profit. Schmiere dabei haben die Konsumenten im Westen gestanden, auch wir hierzulande im Konsumparadies. Dass sich vor allem junge Leute alle paar Wochen neue modische Fummel leisten können, das wird möglich gemacht auch durch ihre Altersgenossen in Bangladesch, die keine Jugend haben dürfen, sondern in menschenunwürdige Maloche gesteckt werden. Eine Schande, für die also nicht nur die Unternehmen verantwortlich sind, sondern auch wir, die „Geiz-ist-geil-Kunden“.
Jetzt haben die verantwortlichen westlichen Unternehmen also reagiert. Vielleicht noch nicht mal aus moralischen Gründen, sondern vor allem, weil sie die nachhaltige Rufschädigung fürchten: Die schöne bunte Modewelt bricht ja zusammen, wenn man hinterm Billig-T-Shirt die Leichentücher sieht. Aber Hauptsache es geschieht etwas. Das jetzt mit Hilfe der Internationalen Arbeitsorganisation geschlossene Abkommen für mehr Sicherheit in den Fabriken Bangladeschs ist ein wichtiger Fortschritt und darf nicht nur ein weiteres Stück Papier zur Beruhigung des schlechten Gewissens sein.
Die Vereinbarungen müssen also von neutralen Prüfern kontrolliert werden. Es müssen sich alle Partner-Fabriken in Bangladesch anschließen, nicht nur das knappe Fünftel, das sich jetzt schon verpflichtet hat. Neue Standards dürfen nicht nur für Bangladesch gelten, sondern an allen einschlägigen Produktionsstandorten, gestern ist ja das Dach einer solchen Fabrik in Kambodscha eingestürzt. Und es darf nicht nur um Sicherheit gehen, es müssen auch die sozialen Verhältnisse entscheidend verbessert werden. Hungerlöhne sind nicht akzeptabel, und billige Klamotten sind doch das Letzte: Sie sind out.