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Das Betreuungsgeld ist noch schlechter als sein Ruf - WDR 4. Melodien für ein gutes Gefühl.

Zur Sache vom 28.07.2014

Das Betreuungsgeld ist noch schlechter als sein Ruf

Seit einem Jahr gibt es das Betreuungsgeld. Eltern, die ihre unter dreijährigen Kinder nicht in eine staatlich geförderte Kita schicken, bekommen hundert Euro im Monat, ab 1. August sind es 150. Kritiker nennen das Betreuungsgeld schon lange eine „Bildungsfernhalteprämie“. Nun scheint ihnen eine große Studie Recht zu geben.

von: Lioba Werrelmann

Das Geschrei ist groß. Ein Jahr nach Einführung des Betreuungsgeldes wird eine Studie in die Öffentlichkeit lanciert, die angeblich zu dem Schluss kommt, das Betreuungsgeld schade vor allem Kindern aus bildungsfernen und armen Elternhäusern. Was keiner dazu sagt: Die Studie wurde VOR Einführung des Betreuungsgeldes durchgeführt. Die 120.000 Eltern, die die Forscher befragt haben, wurden also nicht gefragt, warum sie sich für das Betreuungsgeld entschieden haben, sondern, warum sie sich dafür entscheiden würden.

Die Ergebnisse sind trotzdem alarmierend: Vor allem die Kinder, die besonders davon profitieren würden, schon früh in die Kita zu gehen, müssen womöglich zuhause bleiben. Denn das Betreuungsgeld ist vor allem für die Eltern attraktiv, die arm sind, die keine Arbeit haben, die selber wenig Bildung genossen haben, oder deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Und dieses niederschmetternde Ergebnis wird nun von der SPD, den Linken und den Grünen genutzt, um wieder einmal Front gegen das Betreuungsgeld zu machen. Dass die Studie älter ist als das Betreuungsgeld, das sagt keiner.

Mit diesem ganzen Bohei muss endlich Schluss sein. Das ideologische Gezeter um das Betreuungsgeld kann bitte sofort aufhören. Es ist Zeit für Fakten.

Selbstverständlich sind Kleinkinder zuhause bei Mama und Papa fast immer gut aufgehoben. Und genauso selbstverständlich sind Eltern, die ihre Kinder früh in die Kita schicken, keine Rabeneltern.

Man braucht aber überhaupt keine Studie, um zu wissen, dass Kinder nichts lieber tun als lernen. Je mehr man ihnen zutraut, desto mehr lernen sie. Sie sind ganz wild drauf. Eine gute Kita mit gut ausgebildeten Erzieherinnen ist deswegen für viele Kinder das Beste, was Ihnen passieren kann.

Das Schlechteste, was ihnen passieren kann, ist, dass sie diese Chance auf frühes Lernen verpassen – wegen eines eigentlich lächerlich geringen Geldbetrages. Hundert Euro Betreuungsgeld im Monat gibt es, ab 1. August sind es hundertfünfzig Euro.

In Bayern übrigens verschickt die CSU an alle Eltern fertig ausgefüllte Anträge auf Betreuungsgeld, Unterschrift genügt, und das Geld fließt.

Das ist wirtschaftlich dumm, denn frühkindliche Bildung zahlt sich später doppelt und dreifach aus. Und wenn diese Republik etwas braucht, dann sind das helle Köpfe.

Und es ist schlicht gemein, denn die Kinder, die wegen des Betreuungsgeldes zuhause bleiben müssen, zahlen dafür womöglich später die Zeche: Weil sie weniger können als andere Kinder, weil sie es schwerer haben werden.

Schafft das Betreuungsgeld ab. Kinder sind mehr wert.

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