Welche Ausstattungsmerkmale gibt es bei Navis? - WDR 4. Melodien für ein gutes Gefühl.
Ich will Ihnen im Folgenden einmal einen Überblick geben über die wichtigsten Ausstattungsmerkmale moderner Navis und was sie in der konkreten Funktion bedeuten. Auch daraus können sie wiederum Kriterien ableiten, welche dieser Komponenten für sie beim Kauf eines Navigationsgerätes wichtig sind und ggf. den Händler gezielt danach fragen:
Verkehrslage
Eine der wichtigen und viel gefragten Funktionen moderner Navis ist es, die jeweils aktuelle Verkehrslage in die Routenführung einzuarbeiten und diese dann auch entsprechend zu ändern (ob mit oder ohne Nachfrage kann in den Einstellungen des Gerätes festgelegt werden).
Verkehrsinfos erhält das Gerät über TMC (Traffic Message Channel). Dabei werden Verkehrsdaten digital und nicht hörbar über UKW vom Navi empfangen und entsprechend verarbeitet.
-> Die meisten aktuellen Navis haben die Möglichkeit, diesen TMC zu empfangen. Das Gerät verfügt dabei über eine eingebaute Antenne oder über eine (meist mitgelieferte) anzuschließende Wurfantenne.
VORTEIL von TMC: Es ist kostenlos!
Ein zweiter Weg, auf dem die Navis Verkehrsinformationen bekommen können, ist das Mobilfunketz. Immer mehr Hersteller bauen in das Gerät ein Mobilfunkempfangsteil ein, mit dem der Kontakt zum Verkehrsrechner des Herstellers aufgebaut werden kann. Sie brauchen dazu keinen Mobilfunkvertrag abzuschließen. Das macht in der Regel der Hersteller des Navis mit einem der großen Netzbetreiber in Deutschland (immer öfter auch im europäischen Ausland!)
-> Solche Verkehrsinformationen übers Mobilfunknetz funktionieren häufig in zwei Richtungen. Das heißt: Sie liefern dem Hersteller (etwa TomTom oder Garmin) per Mobilfunk ihre Standortdaten (kann man auch ablehnen in den Einstellungen des Navis). Vorteil ist hierbei, dass die Verkehrsrechner der Navihersteller somit in Echtzeit Verkehrsinformationen erstellen können. Wenn ihr Auto etwa (wegen eines Staus) nicht mehr fährt, übermittelt das Navi die entsprechende Information sofort an den Verkehrsrechner. Wenn das Dutzende andere Benutzer des gleichen Navis in dem Moment auch tun, wird der Stau quasi unmittelbar bei Entstehen in die aktuelle Verkehrslage eingearbeitet. Sie fungieren auf dieses Weise sozusagen als „stiller Staumelder“.
VORTEIL von Verkehrslage über Mobilfunk: Es ist in der Regel sehr schnell, sehr aktuell und sehr zuverlässig.
NACHTEIL: Es kostet meistens etwas (Jahres- oder Monatsabo)
Datenaustausch
Das Kartenmaterial unterliegt einem permanenten Wandel, der dadurch entsteht, dass etwa neue Straßen entstehen, Kreisverkehre eingerichtet oder Einbahnstraßen „umgedreht“ werden können. Deswegen wird das Kartenmaterial ständig erweitert und auf den neuesten Stand gebracht.
-> Die Hersteller bieten in diesem Zusammenhang regelmäßig Updates der auf dem Gerät gespeicherten Karten an. Man kann diese Updates meist einmalig kaufen oder abonnieren. In beiden Fällen erhält man (zum Beispiel per Mail) eine Info des Herstellers, dass neues Kartenmaterial vorliegt. Der Abonnent kann einfach die neuen Karten aus dem Internet herunterladen und auf das Navi übertragen. Dies geschieht per Datenkabel und eine beim Kauf des Navis mitgelieferte Computersoftware. Das Datenkabel ist übrigens auch häufig bei der Grundausstattung des Navis dabei. Wenn man kein Abonnent ist, muß man die neue Karten eben direkt (etwa per Kreditkarte) bezahlen und kann dann das Update vornehmen.
HINWEIS: Verfügt ihr Navigationsgerät über eine integrierte Mobilfunkverbindung, kann das Update auch „On Air“ erfolgen.
TIPP: Die Kartenupdates sind eine wilkommene Einnahmequelle für die Navihersteller. Ich würde daher kein Abo abschließen und Updates nur dann vornehmen, wenn sie feststellen, dass doch einige Neuerungen hinzugekommen sind, die in ihrem Kartenmaterial noch nicht erfaßt sind.
Bluetooth
Viele Navis verfügen über eine Bluetooth-Funktion. Damit können sie (falls ihr Autoradio das auch kann) eine Funkverbindung zwischen dem Navi und dem Autoradio aufbauen und etwa die Navigationsansagen über das Autoradio wiedergeben. Laufende Radioprogramme werden dabei oft kurz leiser oder stumm geschaltet. Außerdem kann, wenn sie Musik auf dem Navi gespeichert haben, auch diese über ihr Autoradio abgespielt werden.
Hinzu kommt, daß Navis, die über eine Bluetooth-Funktion verfügen, mit dem Handy bzw. Smartphone gekoppelt werden können. Auf diese Weise kann das Navi auch als Freisprecheinrichtung fürs Auto verwendet werden, weil die Telefonate über den Lautsprecher des Navis wiedergegeben werden können.
Fahrspurassistent und Reality View
Fast jedes morderne Navi verfügt über die Funktionen „Fahrspurassistent“ und „Reality View“. Beide sind sehr nützliche Erweiterungen der herkömmlichen Navigation.
Fahrspursassistent: Wenn sie etwa auf einer sechsspurigen Autobahn unterwegs sind, dann zeigt das Navi im Display alle sechs Fahrstreifen an und markiert deutlich den- oder diejenigen, die sie nehmen können, wenn sich zum Beispiel Ihre Fahrtrichtung ändern sollte (Bild 3). Man hat dann rechtzeitig die Gelegenheit, bevor die nächste Richtungsanweisung realisiert werden muss, die Fahrspur zu wechseln und sich auf eine der vom Navi angezeigten Spuren zu begeben. In dem kleinen Beispielfilm können sie erkennen, dass sie von den drei Fahrstreifen die beiden äußeren linken nehmen müssten. Der dritte, rechte Pfeil ist in der Grafik erkennbar transparenter dargestellt und und darf nicht genommen werden.
Reality View: Als „Ergänzung“ zum Fahrspurassistenten geht der Reality View noch einen Schritt weiter. Hierbei blendet das Navi für kurze Zeit ein Bild ein, auf dem „reale Elemente“ dargestellt werden, wie zum Beispiel Häuser, Bäume, Schilder etc. Die haben zwar in der Regel nichts mit den tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort zu tun, sollen ihnen aber eine optisch anschauliche Unterstützung bieten und ihnen noch plakativer anzeigen, welche Navigationsaktion nun erfolgen muss.
-> Ich finde diese Reality View-Bilder nicht immer hilfreich, weil sie die „normale“ Navigationsgrafik kurzzeitig überlagern und so der weitere Fahrverlauf, ebenfalls kurzzeitig, nicht erkennbar ist. Praktisch allerdings sind die im Reality View abgebildeten Straßenschilder (etwa ein blaues Autobahnschild mit dem Aufdruck „A1, Dortmund, Köln-Zentrum“. Das kann eine visuell sehr anschauliche Orientierungshilfe sein.
Ansagesprache
Das Navigationsgerät läßt, in der Regel, in Sachen Ansagesprache und deren Vielfalt keine Wünsche offen. Sie können sich vom Boris aus Rußland, vom Karl aus Deutschland oder von Jorge aus Spanien durch die Gegend navigieren lassen - die Auswahl an verfügbaren Stimmen ist meist sehr üppig.
-> Ein wichtiger Unterschied besteht jedoch zwischen der herkömmlichen Ansage und der „TTS“-Ansage. TTS steht für Text-To-Speech = Text zu Sprache (umwandeln). Die Standardansage bei Navis nennt ihnen die nächste Aktion ohne genauere Angaben.
Etwa:
„Biegen sie in 100 Metern rechts ab, dann fahren sie auf die Autobahn“.
Bei der TTS-Ansage, die aus hunderten einzelner Wörter einen „individuellen“ Navigationsbefehl zusammenstellt, würde die oben aufgeführte Ansage folgendermaßen lauten:
„Biegen sie in 100 Metern rechts ab in die Saarstrasse, dann fahren sie auf die Autobahn A1 in Richtung Dortmund. "
Wärend also bei der Standardsprache die Ansagen „allgemeiner“ gehalten sind, beinhalten sie bei der Text-To-Speech-Ansage mehr Details, die einer besseren Orientierung dienen können. Allerdings klingen diese Stimmen immer noch etwas künstlich und „nach Computer“…



