Buchtipp vom 09.02.2010
Es geht um die Wurst - Was hinter unseren Wörtern steckt
Woher stammt der Ausdruck „jemanden in die Zange nehmen“? Wie sieht es aus, wenn jemand „einen Eiertanz“ aufführt? Eine vergnügliche Spurensuche im Reich der Wörter.
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Es geht um die Wurst - Was hinter unseren Wörtern steckt
Woher stammt der Ausdruck „jemanden in die Zange nehmen“? Wie sieht es aus, wenn jemand „einen Eiertanz“ aufführt? Eine vergnügliche Spurensuche im Reich der Wörter.
Rezension:
Sibylle Haseke
Redaktion:
Doro Vogel
Wenn wir jemandem „einen Vogel zeigen“, glauben wir sicher nicht
– wie die Leute früher – dass im Kopf der geistig Verwirrten ein
echter Vogel haust. Und wenn wir „herumflachsen“ heißt das nicht
zugleich, dass wir in einer Gruppe von Frauen bei der
Flachsverarbeitung albern sind. Doch der Ursprung dieser beiden
Ausdrücke ist unbestritten.
Es geht um die Wurst
Bevor ich das Buch „Es geht um die Wurst“ von Wolfgang Seidel
gelesen habe, sind mir so manche Wörter über die Lippen gekommen,
über deren wahre oder ursprüngliche Bedeutung ich mir keinerlei
Gedanken gemacht habe. Oder wussten Sie, dass etwas „Hand und Fuß“
hat, weil ehemals die rechte Hand zum Führen des Schwertes und der
linke Fuß zum Aufsteigen in den Sattel für den mittelalterlichen
Ritter unverzichtbar waren? Oder dass uns „etwas durch die Lappen
geht“, wenn wir uns genauso ungeschickt anstellen wie die Jäger,
denen trotz aufgehängter Stoffstreifen das Wild bei der Treibjagd
einfach abhaut? Befindet sich übrigens jemand „in der Bredouille“,
so ist er wortgeschichtlich eigentlich gleichzusetzen mit einem
stotternden Bretonen. Wegen ihrer als miserabel empfundenen
französischen Aussprache galten diese nämlich in ihrem Heimatland
stets als gehandicapt, und aus dem Begriff für ihr Missgeschick
entwickelte sich schließlich auch bei uns der Ausdruck „in der
Bredouille sein“.
Von Primel zu Frisbee
Doch nicht nur Redewendungen finden in diesem aufschlussreichen
Buch ihren Platz. Es sind auch einzelne Bezeichnungen, deren Spuren
Wolfgang Seidel zurückverfolgt hat und die uns nun um einiges
klarer sind. So heißt die Primel etwa Primel, weil ihr lateinischer
Name „primula veris“ lautet; das bedeutet „der kleine Erstling des
Frühlings“. Besonders spannend und witzig fand ich die Erklärung
für den Begriff „Frisbee“: In den 50er Jahren entdeckten die
amerikanischen Studenten der Yale-Universität runde, flache
Blechkuchenformen, in denen eine nahe gelegene Bäckerei namens
„Frisbie“ ihre preiswerten Kuchen verkaufte, als Wurfscheibe.
Später von der Sportartikelindustrie als Zeitvertreib entdeckt,
wurde die Frisbee-Scheibe ihren Namen, trotz der tollsten
Alternativvorschläge, nie wieder los.
Ich wollt' ich wär' ein Huhn
Wenn Sie wissen wollen, warum das Wort „Banause“ eigentlich
„Handwerker“ heißt, wieso man „Oberwasser“ haben kann, wer wem und
wo eine „Gardinenpredigt“ gehalten hat oder auf welch’ schmerzhafte
Vergangenheit der Ausdruck „Schlitzohr“ zurückgeht, dann werden Sie
in diesem Buch fündig. Nett ist auch die Liste der Schlagertitel,
die bei uns inzwischen zu allseits bekannten Sprüchen geworden
sind. Von wem stammt eigentlich „See you later alligator“ oder „Das
kann doch einen Seemann nicht erschüttern“ oder „There’s no
business like showbusiness“? Nach der Lektüre dieses
unterhaltsam-lehrreichen Buches werden Sie es wissen.
Es geht um die Wurst. Was hinter unseren Wörtern steckt
Jack Sheffield
Taschenbuch, Bastei Lübbe Verlag
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16.03.2010
Grafeneck
