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Gartenträume - Menschen und ihre Gärten im Dreiländereck
Samstag, 28.04.2012, 09:00 - 09:35 Uhr
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Autor: Marc Hohgardt
Sendetermin:
Samstag, 28.04.2012, 9.00 Uhr
WDR Fernsehen
Ein Abend in Olef bei Schleiden. Die Sonne steht schon tief und taucht Terrasse und Garten in ein gelb-goldenes Licht. Die ganze Familie Lanta ist Zuhause. Und wie so oft, hat sich jeder in seine Lieblingsecke zurück gezogen. Laurentius Lanta trinkt seinen Feierabend-Kaffee auf der Terrasse, seine Frau Sabine und Tochter Caro liegen in den Hollywoodschaukeln am Eingang des Gartens und lesen einen Buch, Stefan kümmert sich um seine Bienen, denn er ist begeisterter Hobby-Imker. Caros und Stefans Großmutter liegt in der Abendsonne auf der Liege und liest Goethe. So hat jeder seine Freude an dem Garten, den die Lantas komplett selber angelegt haben. Und auch Gäste sind begeistert über so viele besondere Ecken – ob es der Teich ist mit dem hochgewachsenen Schilf, der antik anmutende Brunnen, der von Weinreben "überdachte" Durchgang oder die Sitzgruppe unter dem gusseisernen Pavillon – es gibt viele Wohlfühlplätze. Ein ganz besonderer ist unter dem Walnussbaum. Hier haben die Lantas einen großen Tisch gedeckt und Stühle aufgestellt. Denn hier wird gegrillt – dazu gibt es einen bunten Salat mit selbst gepflückten Kräutern und Blüten sowie Fleisch mit Stefans besonderer Honig-Marinade. Unter dem Walnussbaum kommt dann die ganze Familie zusammen und sitzt noch bis spät am Abend bei Kerzenschein in ihrem Garten.
Privatgarten Laurentius und Sabine Lanta, Amselweg 25, Schleiden-Olef
(Besuche nur nach Voranmeldung)
Auch ein Garten, in dem man die Augen offen halten sollte – der Garten von Gereon und Karin Blum in Kreuzau-Untermaubach. Die Augen offen halten, nicht nur wegen der wilden Erdbeeren – zuckersüß - die hier wie Unkraut wuchern. In Familie Blums grünem Reich lohnt es sich, genau hinzuschauen. So entdecken wir zum Beispiel überall handgeschriebene Schiefertäfelchen. Mit den lateinischen Namen der Pflanzen, die in dem Beet wachsen und blühen. Eine kleine Liebhaberei – sagt Karin Blum-Hergeth. Und ein Stück Ordnung in ihrem Garten. Wie überhaupt alles recht ordentlich, aber doch natürlich ist bei den Blums. Die Blumen sind nach Farben geordnet angepflanzt. Dazu klare Formen und Linien, nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten – das Auge soll zur Ruhe kommen. Kleine Details fangen den Blick. Gestaltungsideen, mitgebracht von unzähligen Reisen, auf denen Gartenbesuche ganz selbstverständlich auf dem Programm stehen. Der Garten der Familie Blum – ein Wohlfühlgarten in Untermaubach.
Privatgarten Dr. Gereon Blum, Brigidastr. 13, Kreuzau-Untermaubach
(Besuche nur nach Voranmeldung)
Ein Lebensraum für die Langsamen und für die Flotten, ein Lebensraum für die, die schnattern, gackern oder zwitschern. Dass es auch allen gut geht in seinem Garten – dafür sorgt Jean-Michel Lex. Im belgischen Montzen hat er ein natürliches Paradies für Tiere und Pflanzen geschaffen. Er ist das, was viele einen Ökofreak nennen würden. Und er kann damit gut leben. Denn der Religions-Lehrer ist überzeugt: Jeder einzelne trägt Verantwortung und kann das Seine tun, die Umwelt zu schützen. Was bei Familie Lex Grünes auf Herd und Tisch kommt, stammt zu 80 Prozent aus dem eigenen Garten. Und natürlich kommt hier kein Gift in die Beete, um Schädlinge zu bekämpfen. Die Arbeit übernehmen Vögel, Igel, Frösche. Eine natürliche Balance, in die Jean Michel Lex nur wenig eingreift. Er hat sich nur vorher genau überlegt, wo er welche Sträucher und Beete anpflanzt. Nämlich so, dass Nützlinge und Schädlinge sich die Waage halten.
Der Ökogärtner hat einen Trick, wie das Gemüse lange frisch bleibt. Eine ausrangierte Kühltruhe, eingegraben in der Erde. Hier ist immer das richtige Klima - ganz ohne Strom. Auch um immer genügend Wasser zum Gießen zu haben, hat sich der Belgier etwas einfallen lassen: In einer Ecke seines Gartens hat er eine Kläranlage angelegt. Hier wird das verbrauchte Wasser aus seinem Haus aufgefangen und in mehreren Becken auf natürliche Weise gereinigt.
Privatgarten Jean-Michel Lex (Ökogarten), 9-rue-de-la-gare, Montzen/Belgien
(Besuche nur nach Voranmeldung)
Eine ganz andere Gartenwelt in Eupen. Hier lebt Martin Humperdinck mit seiner Familie. In einem Haus und einem Garten, die der Eupener Architekt Yves Delhez entworfen hat. Das Grundstück hält viele Überraschungen bereit. Die hölzerne Brücke über den Teich ist eine davon, eine andere erwartet uns im oberen Teil. Hier haben Martin Humperdinck und seine Frau Nadja eine ganz persönliche Note in ihren Garten gebracht: Ihr Faible für Kunst und die Leidenschaft für den spanischen Künstler und Architekten Antoni Gaudí. Eine Sitzgruppe aus farbigen Mosaiksteinen, nachempfunden den Sitzbänken im Parc Guell in Barcelona.
Angenehme Plätzchen gibt es hier viele – das finden auch Freunde und Bekannte, die immer wieder gerne zu Besuch kommen. Die Humperdincks sind nämlich nicht nur Kunstliebhaber, sondern auch begeisterte Gastgeber. So teilen sie etwas von dem Lebensgefühl, das ihnen ihr ausgefallenes Zuhause bietet.
Privatgarten Martin Humperdinck, Selterschlag 49, Eupen / Belgien
(Besuche nur nach Voranmeldung)
Es ist frühmorgens, vereinzelt zwitschern ein paar Vögel, am Himmel viele Wolken. Nur ab und zu kommt die Sonne heraus und wirft ein paar Strahlen durch die hohen Tannen, die diesen besonderen Garten umsäumen. In der Mitte plätschert friedlich ein Brunnen, die letzten Blüten der Rhododendronsträucher bringen ein paar Farbtupfer in das Grün der Umgebung. Pater Pankratius geht – wie jeden Morgen – seine Runde durch den Klostergarten, setzt sich auf seine Lieblingsbank und lehnt sich zurück. Das ist so etwas wie "sein Reich". Er war es, der diesen Teil des Gartens vor 20 Jahren vom Gestrüpp befreit und hier den Rhododendron gepflanzt hat.
Und so ist der Garten des Klosters Steinfeld wieder das, was er vor seiner Verwilderung war. Ein Ort der Erholung für die Ordensbrüder, aber auch für Besucher. Denn so wie das Kloster selbst, steht auch der Garten allen offen. Es ist die meditative Ruhe und die Kraft der Natur, die Pater Pankratius hier erfährt. Eine Besuchergruppe aus Münster – so erzählt er uns – hat diesen Garten staunend "Eine Naturkathedrale" genannt. Und das trifft es genau: Meterhohe Bäume ringsherum, die wie Säulen emporragen, eine rechteckige Fläche von der Größe eines Kirchenschiffs. Ein Kreuzweg, alte Steintafeln und Heiligenfiguren. Es ist wirklich so etwas wie eine "Naturkathedrale".
Kloster Steinfeld, Hermann-Josef-Straße 4, Kall-Steinfeld
www.kloster-steinfeld.de
Fühlen, Riechen, Schmecken – in diesem kleinen Garten werden alle Sinne angesprochen. Und hier ist gegen (fast) alles ein Kraut gewachsen. Im Schatten der Wildenburg bei Hellenthal führt Naturpädagogin Marietta Schmitz ihre Gäste zurück ins Mittelalter – in einem Kräutergarten, der – klein, aber fein – nach einem mittelalterlichen Gedicht angelegt ist. "Hortulus" heißt das Werk, geschrieben von Walahfrid Strabo in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts. Der junge Abt des Klosters Reichenau am Bodensee hat seinen eigenen Garten beschrieben und in Hellenthal ist dieser Garten "nachgebaut" – wenn auch nicht alle Pflanzen aus dem Gedicht im rauen Eifelklima wachsen. So sucht man Melonen hier vergebens. Heute sind es Kinder, die Marietta Schmitz die Kräuter pflücken und probieren lässt. Dabei wird es auch schon mal ganz schön bitter, wenn der Wermut an der Reihe ist. Die Pädagogin erklärt, dass die Menschen Wermut schon im Mittelalter gegen Bauchschmerzen genommen haben. Oder sie zeigt die Weinraute, die zunächst ziemlich seifig schmeckt. Wenn man sie aber in einer Kräuterbutter oder Soße rührt, gibt sie eine extra Note und sorgt dafür, dass fettiges Essen besser verdaut wird. Zu den Führung, die Marietta Schmitz anbietet, gehört auch ein kurzer Spaziergang rund um die Burg. Es geht den Berg hoch, von wo man einen schönen Blick auf die Wildenburg hat. Und auf den Wiesen und im Wald finden sich viele wilde Kräuter. Man muss nur genau hinschauen. Die Kinder sammeln fleißig die Kräuter vom Wegesrand – Vorsicht vor den giftigen! Denn der Ausflug ins Mittelalter endet an der Wildenburg, wie es sich gehört – mit einem knisternden Lagerfeuer. Dazu gibt’s Stockbrot und Kräuterbutter, natürlich mit den gesammelten Kräutern.
Kräutergarten, Wildenburg 10, 53940 Hellenthal
Seminare und Führungen:
Marietta Schmitz
www.naturpfade.com
Tel. 02482 / 17 65
Um den Ausblick beim Frühstück wird sie mancher beneiden: Hilde und Willi Körner sitzen – wie an jedem Morgen, an dem das Eifelwetter sie lässt – auf ihrer Terrasse und blicken in die Weite. Hinter ihrem renovierten Bauernhaus haben sie einen Garten, der sich den Hang hinunter auf sage und schreibe 10.000 Quadratmetern erstreckt. Und – mancher glaubt es kaum – sie bewirtschaften dieses riesige Grundstück alleine. Sie sind beide über 80 Jahre alt! Früher hatte sie einen Dachdeckerbetrieb in Bonn, und kamen nach Udenbreth zum Skifahren, wollten in der Eifel aber nicht wohnen. 1984 dann kauften sie ein altes Bauernhaus und machten es in zehn Jahren zurecht. Auf dem Grundstück gab es nur eine Weide mit Kühen. Die Körners haben alles neu angelegt, Bäume gepflanzt. Sie wollte Bäuerin sein, hat Kartoffeln gepflanzt, aber die Ernte war zu dürftig. Dann haben sie einen Teich angelegt und viele Blumenbeete. Trotz der Größe des Gartens: Das Gießen passiert noch per Hand: da ist Willi Körner mit einem Mini-Trekker unterwegs, auch um Kompost wegzubringen. Hilfe bekommen sie nur einmal im Jahr: Da mäht ein Bauer die Wiese nach der Blüte der Wildkräuter. Hier hat sich das gefleckte Knabenkraut, eine Wildorchidee, angesiedelt. Der Garten liegt am Südhang und wirkt sehr natürlich. Im Sommer blüht der Wiesenwurz, auch Schlangen-Wiesenknöterich, und lässt die Wiese rosa schimmern. Da dürfen sich wilde und gepflanzte Stauden frei entwickeln. Hilde und Willi Körner "wohnen" im Sommer draußen – so erzählen sie uns. Sie essen hier, sitzen am Teich oder auf einer der vielen Bänke und sehen nur grün. "Die Eifel-Luft tut uns gut", sagt Hilde Körner. "Wir denken nicht an Krankheit." Der Garten hat sie jung gehalten.
Stand: 23.03.2012