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Studio Bielefeld
Der WDR in der Region
Zwei Mio. Menschen in Ostwestfalen-Lippe und im angrenzenden Sauer- und Münsterland hatten tagelang ausnahmsweise keinen Empfang auf den gewohnten Wellen. Am Dienstag, dem 15. Januar, stürzte der 298 Meter hohe Mast des Senders Teutoburger Wald in sich zusammen. Auf der Kuppe des Bielsteins nahe dem Hermannsdenkmal bei Detmold lagen 230 Tonnen Stahl. Der Rohrmast lag, in fünf große Teile geborsten, zwischen den Bäumen.
Der Sendemast war als vierter an dieser Stelle 1970 errichtet worden. In seinem Innern gab es einen Fahrstuhl bis auf 200 Meter Höhe. Mit 100 Kilowatt Sendeleistung strahlte er das erste Fernsehprogramm auf Kanal 11 und alle damals vier Hörfunkprogramme des WDR aus, darunter auch "Guten Morgen aus Bielefeld".
Es war genau 6.26 Uhr, als die Moderation von Gabriele Gerland jäh abgeschnitten wurde und die Radios verstummten. Auch das Fernsehen war betroffenen. Die Zuschauer merkten davon aber an jenem Morgen nichts, denn es gab 1985 noch kein Programm, weder öffentlich-rechtlich noch privat, zur frühen Morgenstunde. Wenige Tage musste die ARD im betroffenen Gebiet dem ZDF das Feld überlassen, das ihr aber kooperativ eine Ersatzsendeanlage überließ.
55.000 Schrauben hatten den Mast zusammengehalten. Bis zu acht Zentimeter starke Abspannungsseile, so genannte Pardune, hielten den Koloss fest. Eines dieser Pardune hatte offenbar den starken Kräften von Eislast und Sturm nicht standhalten können, die an jenem Morgen, unterstützt von vertikalen Winden durch eine Inversionswetterlage, den Stahlgiganten belasteten.
Die Sendetechniker des WDR konnten das Unglück zunächst gar nicht ermessen. Sie waren von Kollegen des Senders Langenberg alarmiert worden. Die Detmolder Techniker trafen sich mit Postmitarbeitern am Tor zum Betriebsgelände. In den Technikräumen, die kaum 100 Meter vom Mastfuß entfernt waren, suchten sie nach einer technischen Störung, probierten Ersatzschaltungen, blieben aber erfolglos. Schließlich machten sie sich auf den Weg zum Gittermast.
Sie hätten die Hand vor Augen nicht gesehen vor lauter Nebel, erinnert sich Sendetechniker Ulrich Helling. Dann stolperten sie über ein Abspannseil. "Es lag vor unseren Füßen und da schwante uns, was passiert sein könnte, und als wir zum Mastfuß kamen, sahen wir, dass der Mast zusammengefaltet am Boden lag."
Der Sender Hünenburg der Deutschen Post in Bielefeld wurde zunächst als Notsender hergerichtet. Von dort waren bis dahin nur das Westdeutsche Fernsehen und das ZDF ausgestrahlt worden. Drei Tage nach dem Unglück auf dem Bielstein, am Freitag, wurde von dort auch das erste Fernsehprogramm gesendet, auf dem Kanal 36. Dazu hatten das Postministerium und das ZDF ihre Genehmigung erteilt. Das Zweite Deutsche Fernsehen hatte dafür seine Ersatzsendeanlage zur Verfügung gestellt. Im Hörfunk-Bereich haben die Post und der britische Soldatensender BFBS ausgeholfen.
Eine Woche nach dem Zusammenbruch des WDR-Mastes wurden die ersten Gittersegmente für einen Behelfsmast auf den Bielstein gebracht. Ein 85 Meter hoher Stahlgittermast sollte ersatzweise auf dem Fundament des Vorgängers des 298 Meter hohen Sendemastes errichtet werden. Der war erst wenige Monate zuvor, rund 14 Jahre nach seiner Ausmusterung, abgebaut worden und hätte nun doch noch gute Dienste leisten können ...
Am Dienstag, dem 5. Februar, kam wieder das Erste vom Sender Teutoburger Wald. Nach drei Wochen Zwangspause gab es das ARD-Fernsehen nun wieder auf Kanal 11, war allerdings wegen der geringen Höhe der Behelfskonstruktion, die die britischen Streitkräfte dem WDR ausgeliehen hatten, in einigen Teilen des Landes nur mit eingeschränkter Leistung zu empfangen. Auch die Hörfunk-Programme des WDR hatten wieder ihre angestammten Frequenzen. WDR 1, und damit das Radio-Regionalprogramm war für OWL bis dahin vorübergehend auf der Frequenz von WDR 2 ins Land gegangen.
Am 9. Juni 1986 fand der Wiederaufbau des Senders Teutoburger Wald seinen Abschluss. An jenem Tag wurde die zweiteilige Fernsehantenne auf dem neuen, 302 Meter hohen Sendemast montiert. Anstelle der früheren Stahlröhre steht seitdem ein viereckiger Gitterfachwerkmast auf dem Bielstein. Inzwischen hat er allerdings genau dieselbe Höhe wie sein Vorgänger: 298 Meter. Mit dem Ende der terrestrischen Ausstrahlung und für die Umrüstung auf DVB-T zum Mai 2006 wurde die Antenne gekappt.