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Armut im Ruhrgebiet bekämpfen - Experten treffen sich in Hattingen
Freitag, 27.01.2012, 19:30 - 20:00 Uhr
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In Hattingen findet heute eine "Armutskonferenz" statt. Über 100 Experten haben sich angemeldet. Sie sprechen darüber, wie man Hilfsangebote erweitern und neue schaffen kann. Denn fest steht: Im reichen Deutschland gibt es immer mehr Arme, gut 14 Prozent gelten als armutsgefährdet. Besonders stark betroffen ist das Ruhrgebiet, es gilt nach dem aktuellen Armutsbericht des "Paritätischen Gesamtverbands" als Armutsregion. In den vergangenen Jahren hat sich die Lage erkennbar verschlechtert. In Dortmund etwa gilt inzwischen jeder Fünfte als "armutsgefährdet".
Die relative Armut in der Stadt Dortmund hat seit 2005 zugenommen – von 18,6 auf 23 Prozent – eine Quote, die noch über der von Mecklenburg-Vorpommern liegt. In Duisburg waren es sogar eine Zunahme – von 17 auf 21,5 Prozent. Zuwachs hat auch die Region Bochum/Hagen – von 15,1 auf 17,1 Prozent. Und auch die Ruhrgebietsregion Emscher/Lippe liegt mit einer Quote von 18,3 Prozent weit über dem Bundesdurchschnitt von 14,5 Prozent.
Die dramatische Entwicklung der Armut im Ruhrgebiet wird durch die Hartz IV-Zahlen noch untermauert. So waren im Juli 2011 in Dortmund und Duisburg 17,8 Prozent der Einwohner bis 65 Jahre auf Hartz IV angewiesen, in Essen waren es 18,2 Prozent und in Gelsenkirchen sogar 21,6 Prozent. Nicht ein einziger Ruhrgebietskreis liegt unter dem Bundesdurchschnitt von 9,8 Prozent. Besonders besorgniserregend dabei ist, dass diese Quoten im Trend nach oben zeigen. Deshalb warnt der "Paritätische Gesamtverband" davor, dass es dort schon bald zu ähnlichen Unruhen kommen könne wie in Paris und London in den letzten Jahren. Ein Kessel mit fünf Millionen Menschen, der zu kochen anfängt, wäre kaum wieder abkühlbar – so der Verband.
"Die Kinderarmut sinkt" - behauptete Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen in dieser Woche. Die Ministerin beruft sich auf neueste Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Diese weisen eine deutlich gesunkene Zahl an Kindern im Hartz-IV-System aus. So bezogen im September 2006 noch 1,9 Millionen Kinder unter 15 Jahren Hartz-IV-Leistungen, genau fünf Jahre später waren es noch knapp 1,64 Millionen - ein Rückgang um etwa 257.000 oder 13,5 Prozent.
Mit besonderem Argwohn reagierte der Deutsche Kinderschutzbund auf die in dieser Woche bekannt gewordenen Erfolgszahlen. Er meldete massive Zweifel daran an. "Seit dem Jahr 2006 gibt es fast 750 000 Kinder unter 15 Jahren weniger in unserem Land. Wenn es also immer weniger Kinder gibt, so ist es keine Überraschung, dass in absoluten Zahlen betrachtet auch immer weniger Kinder von Sozialleistungen leben", so der Kinderschutzbund.
Stand: 27.01.2012