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Sie befinden sich hier: > WDR.de > Computer > Schieb der Woche: Virtueller Spaziergang durch die Welt


Virtueller Spaziergang durch die Stadt

Umstritten: Google Street View

Von Jörg Schieb

Aus einigen US-Metropolen liefert Google Fotos von jedem Fleck der Stadt - nicht aus dem All, sondern aus der Perspektive eines Fußgängers. Der "Street View" genannte Service bietet erstaunliche Ansichten, alarmiert aber auch Datenschützer. Das war bei Google Earth anfangs allerdings genauso.

Jörg Schieb; Rechte: WDR

Manchmal ist mir das Internet ein bisschen unheimlich. Dann weiß ich nicht so recht: Soll ich wegen der technischen Möglichkeiten fasziniert sein - oder eher schockiert, weil sie natürlich auch missbraucht werden könnten? Das letzte Mal hin- und hergerissen war ich bei "Google Street View". Ein neuer Service von Google, der einige US-Städte fototechnisch komplett ins Netz bringt - aus der Perspektive eines Fußgängers.

Virtuell in fremden Städten flanieren

Wer wohnt denn hier? Google Street View präsentiert Straßen und Häuser; Rechte: Google/WDRBild vergrößern

San Francisco: Wer wohnt denn hier?

New York, San Francisco, Las Vegas und Dallas sind bereits fotografisch festgehalten. Der neueste Coup von Google, und zweifellos auch wieder faszinierend: Websurfer können sich jedes Haus der Stadt ansehen, quasi virtuell durch die Straßen von San Francisco wandern. Die Qualität der Aufnahmen ist nicht preisverdächtig. Aber doch gut genug, um alles zu erkennen. Jedes Straßenschild lässt sich bestaunen, jede Platte im Bürgersteig. Wer genau hinschaut, kann auch Autonummern erkennen und die Gesichter der Leute, die sich gerade auf der Straße aufhalten.

Genau das macht einigen Sorgen. Datenschützer erheben mahnend den Zeigefinger. Denn Google hat so manche, möglicherweise peinliche Situation im Foto festgehalten: Männer, die gerade einen Sexshop verlassen. Frauen beim freizügigen Sonnenbaden. Oder einen Autofahrer, der neben dem Highway in aller Öffentlichkeit uriniert. Die Betroffenen werden nicht glücklich darüber sein, dass sie nun dauerhaft jeder im Web sehen kann. Google hingegen kann die Aufregung nicht verstehen. Die Bilder zeigten doch nur, was zum Zeitpunkt der Fotoaufnahme ohnehin jeder sehen konnte. Was natürlich stimmt - aber ein bisschen naiv argumentiert ist.

Wird Google schon bald Gesichter-Suche anbieten?

Zwei junge Frauen beim Sonnenbaden; Rechte: Google/WDRBild vergrößern

Zwei junge Frauen beim Sonnenbaden

Denn es gehört nicht allzu viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, wie das weitergeht. Dass wir jeden Fleck der Erde aus dem All betrachten können, ist heute schon Standard. Daran haben wir uns längst gewöhnt. Jetzt kommen also Straßenansichten dazu. Wie lange es wohl dauert, bis auch Livebilder angeboten werden? So faszinierend die neue Funktion "Street View" auch ist - Microsoft hat mit "MSN Live Search" für Seattle und San Francisco einen ganz ähnlichen Service im Angebot -, es ist an der Zeit zu diskutieren, wie weit solche Dienste gehen dürfen.

Wer sich keine Gedanken macht, handelt fahrlässig. Schon jetzt kann die Bildersuche von Google nämlich mehr, als die meisten Menschen ahnen. Auf Wunsch fahndet der Suchdienst zum Beispiel ausschließlich nach Bildern, die Gesichter zeigen. Wussten Sie nicht? Sehen Sie! Einfach eine Bildersuche bei Google starten und anschließend ans Ende der Internetadresse "&imgtype=face" anhängen. Schwupps, schon präsentiert Google nur noch Gesichter. Der folgende Suchauftrag fahndet zum Beispiel nach dem Begriff "Kohl":

http://images.google.de/images?hl=de&q=kohl

Da sind unter anderem Bilder vom Gemüse zu sehen, aber eben auch Bilder vom Ex-Kanzler. Wer nur Fotos vom Menschen finden möchte, benutzt folgende Adresse:

http://images.google.de/images?hl=de&q=kohl&imgtype=face

Was kommt als nächstes? Gesichtserkennung zum Beispiel

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Für Google ist es schon jetzt kein Problem, Gesichter auf Fotos zu erkennen. Und Google hat noch mehr vor. Vergangenes Jahr hat der Suchriese die Firma Neven Vision gekauft, ein Unternehmen, das auf Bildanalyse und biometrische Gesichtserkennung spezialisiert ist. Was bedeutet: Wahrscheinlich tüfteln einige der Entwickler bereits an einem Suchprogramm, das in einem Bilderpool ein bestimmtes Gesicht sucht. So etwas gibt es bereits, aber noch nicht für die Öffentlichkeit.

Gut möglich also, oder: sogar wahrscheinlich, dass wir schon bald gezielt nach bestimmten Gesichtern im Web fahnden können. Oder eben nach Gesichtern in flickr-Fotos oder Street-View-Aufnahmen. Ist natürlich irgendwo faszinierend, der Gedanke. Aber eben auch beängstigend. Denn dann wäre es zumindest technisch kein Problem mehr, peinliche Fotos von mir von der schlimmen Party vor drei Jahren im Web zu finden. Würde mir nicht gefallen. Ihnen etwa?

Zum Video-Stream, Screenshot eines Desktop-Suchprogramms; Rechte: [M] WDR (Schieb/Wache) WebTV: Dateien und E-Mails finden

Wer auf seinem Computer eine Datei verlegt, sucht sie mitunter ewig. Das muss aber nicht sein! Im Netz gibt's kostenlose Desktop-Such-Programme, die die Festplatte schnell und zuverlässig nach Bildern, Mails und anderen Dokumenten durchforsten.

Jörg Schieb informiert jeden Freitag in seiner Rubrik Angeklickt während der Aktuellen Stunde (WDR Fernsehen, 18.50 bis 19.30 Uhr) über aktuelle Trends aus der Computerwelt. Außerdem: Angeklickt WebTV, die Computersendung fürs Web.

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Stand: 02.07.2007, 06:00 Uhr



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