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Schieb der Woche: Wo bitte geht's zum nächsten Level?
Von Jörg Schieb
Ein bisschen ist in der Videospieleindustrie derzeit die Luft raus: Die Xbox macht Ärger, Sonys Playstation 3 wollen zu wenige haben - und dann noch all die Kritik an Computerspielen an sich. Nur einer kann sich derzeit so richtig freuen: Nintendo. Wie geht's weiter in der knallbunten Pixelwelt?

Wer das Thema Computerspiele einfach unter "W" wie "Wen interessiert's?" ablegt, macht einen schweren Fehler. Längst wird weltweit mit Videospielen mehr Geld verdient als mit Kinofilmen. Ein echter Wirtschaftsfaktor also. Für nicht wenige sind Computer - und Videospiele ihr liebstes Hobby. Und alles sperrt die Ohren auf, wenn in Los Angeles die "Electronic Entertainment Expo" stattfindet, die "E3". Auf der Leitmesse zeigen die Hersteller, wo die Reise in den nächsten Monaten hin geht. Motto normalerweise: Mehr Tempo, bessere Grafik, komplexere Level. Kurz: Mehr Spaß.
Bislang war das so. Doch dieses Jahr ist die Stimmung gedrückt. Es fehlt erkennbar an Elan und neuen Ideen. Außerdem gibt es eine Menge Flops zu verdauen. Microsoft zum Beispiel muss nahezu jede dritte Xbox reparieren, was geschätzt eine Milliarde Dollar Kosten verursacht. Autsch. Konkurrent Sony hingegen kann nicht so viele Fans von der Playstation 3 überzeugen, wie ursprünglich gedacht. Was auch Sony viel Geld kostet. Denn Kasse wird nur gemacht, wenn sich mehrere Millionen Konsolen verkaufen lassen und die Kunden wie von allen guten Geistern verlassen jede Menge Spiele kaufen.
Einziger Gewinner scheint derzeit Nintendo zu sein. Lange Jahre waren die Japaner von der erfolgsverwöhnten Konkurrenz verhöhnt worden. Doch seit einigen Monaten sieht das plötzlich anders aus: Während Microsoft und Sony ihre Spielekonsolen technisch betrachtet bis unter die Zähne bewaffnen, um im Wohnzimmer optische und akustische Feuerwerke abfeuern zu können, hat Nintendo eine auf den ersten Blick vielleicht langweilige, aber doch völlig solide Spielekonsole Wii auf den Markt gebracht - und seitdem allein in Deutschland rund 140.000 Stück davon verkauft.
Das Erfolgsrezept: Die Wii versucht erst gar nicht, in Sachen 3D-Effekte mit der überstarken Konkurrenz mitzuhalten. Ohnehin völlig unmöglich, um nicht zu sagen sinnlos. Denn Hardcore-Spielefans sind in der Regel nur mit noch mehr Power und Tempo-Irrsinn zu überzeugen. Aber warum die hundertste Rennsimulation auf den Markt bringen? Eben! Nintendo spricht stattdessen gezielt Frauen und Familien an, durchaus auch "reifere" Jahrgänge, vor allem mit hübsch gemachten, familientauglichen Spielen.
Das Konzept ist aufgegangen: Nintendo verdient prächtig, während Microsoft und Sony derzeit mächtige Absatzprobleme haben und rote Zahlen schreiben. Was mal wieder beweist: Noch mehr Pixel, noch mehr optische Effekte und noch brutalere Spiele - das muss nicht sein. Es kommt eben auch auf gute Ideen und nette Spielkonzepte an. Auch eine Stärke der Wii: Viele Spiele macht man hier zusammen, im Wohnzimmer, nicht über Datenleitung verdrahtet (allerdings soll auch die Wii in Zukunft mehr Spiele bieten, wo die Spieler per Internet miteinander verbunden sind).
Archiv: Schieb der Woche
Angeklickt-ForumOb auch die Diskussionen über brutale Computerspiele den Machern aufs Gemüt drücken, darf bezweifelt werden. Die Hersteller stellen her, was am Markt "verlangt" wird. Allerdings ist hier eine deutliche Veränderung in Sicht, hin zu mehr Familienspielen und harmlosen Videogames. Das hat sogar Platzhirsch Electronic Arts erkannt, sonst eher für actionreiche Games bekannt. Electronic Arts will künftig auch für die Nintendo Wii entwickeln - bislang kaum vorstellbar.
Was nicht bedeutet, dass actionreiche Spiele dem Untergang geweiht wären. Sie haben nur kräftig Konkurrenz bekommen. Und das ist gut so. Denn so wie Hollywood keineswegs nur Action und Thriller anbietet, sollte das auch die Spieleindustrie nicht. Manche Hersteller haben das früher erkannt als andere.
| Es gibt sie seit dem letzten Weihnachtsgeschäft 2006: Bei Kindern und Jugendlichen ist die Spielekonsole von Nintendo besonders beliebt, aber auch bei Familien und "reiferen" Semestern. Wir haben die Wii auf ihre Familientauglichkeit getestet - und weitere Geschenktipps zusammengestellt. |
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Die Electronic Entertainment Expo (engl.)
Vorwoche: Beknackt verpackt
AngeklicktStand: 16.07.2007, 06:00 Uhr
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