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Schieb der Woche: Tröpfchen für Tröpfchen - unnötig verschwendet
Von Jörg Schieb
Druckertinte ist teuer. Darum möchte eigentlich niemand etwas vom teuren Nass vergeuden. Allerdings zwingen uns viele Drucker dazu: Sie melden viel zu früh leere Patronen. Hat zumindest der TÜV Rheinland festgestellt. Ärgerlich.

Jedes Kind weiß: Warnsignale sollte man ernst nehmen. Wenn in meinem Auto plötzlich das kleine gelbe Licht mit der Zapfsäule aufleuchtet, der Tank also fast leer ist, bin ich immer erst mal ein bisschen nervös. Denn dann fahre ich auf "Reserve". Am Limit. Die Message des gelben Kontrolllämpchens ist eindeutig: Aller höchste Zeit, eine Tankstelle aufzusuchen. Und zwar pronto.
Auch Drucker melden, wenn etwas zur Neige geht. Zu wenig Tinte im Tank? Der Drucker gibt Laut, oft sogar auf dem PC-Bildschirm. Auch Laserdrucker teilen mit, wenn die Kartusche mit dem Toner bald leer ist. Und was macht der so alarmierte PC-Benutzer? Richtig, er tauscht die offensichtlich fast leere Patrone oder Kartusche in der Regel so schnell wie möglich aus. Sicher ist sicher. Denn nicht auszumalen was passiert, wenn der Drucker etwas drucken soll, und es ist keine Tinte oder kein Toner mehr da. Am Ende nimmt das Gerät noch Schaden.
Schnell zu reagieren, wenn der Drucker moppert, das ist zweifellos gut für den Seelenfrieden - aber keineswegs gut fürs Portemonnaie. Denn wie der TÜV Rheinland kürzlich in einem aufwändigen Test festgestellt hat, meckern die meisten Drucker viel zu früh. Sie melden leere Patronen, obwohl problemlos noch etliche Seiten gedruckt werden könnten. Oft befinden sich beim ersten Alarm noch 20 Prozent Flüssigkeit in den Plastiktanks. Wer gleich reagiert und die Patrone auswechselt, wirft also gut ein Fünftel der teuren Tinte weg. Ein teures Vergnügen!
Ironischerweise hat der TÜV Rheinland die unerfreuliche Sucht zur Verschwendung im Rahmen einer Untersuchung für Epson entdeckt. Dabei kamen aber auch Drucker anderer Hersteller auf den Prüfstand. Bei einem Modell hätte man glatt 64% der Tinte vergeudet. Mehr als die Hälfte der Tinte landet dort unnötig im Papierkorb. Wer guckt sich schon die ohnehin kaum einsehbaren Tintentanks genauer an, wenn er sie nach einer "Leer!"-Meldung aus dem Drucker nimmt?
Sollte man aber wohl. Denn rechnerisch landet damit mindestens jede fünfte Patrone komplett im Müll. Experten raten, die Leerstandsanzeige zu ignorieren. Was aber mitunter gar nicht so einfach ist, denn Patronen von Hersteller Epson zum Beispiel sind durch einen Chip gesichert. Meldet eine Patrone Leerstand, weigert sich der Drucker, zu drucken. Da müsste man den Chip in der Patrone schon durch Tricks "überlisten", was durchaus geht (etwa mit einem speziellen, rund 12 Euro teuren "Resetter"), aber nicht unbedingt jeder will. Nicht zuletzt, weil es mit Aufwand verbunden ist.
Archiv: Schieb der Woche
Angeklickt-ForumSo viel Tinte wegzuschmeißen ist nicht nur teuer, sondern auch unmoralisch. Wir produzieren schon genug Müll. Es stünde den Herstellern daher gut zu Gesicht, sich dieses Themas schleunigst anzunehmen und dafür zu sorgen, dass keine Tinte vergeudet wird. Im Interesse der Konsumenten, und im Interesse der Umwelt. Warum nicht einen Service bieten, wie in einem guten Auto? Da rechnet der Bordcomputer genau aus, wie viele Kilometer man mit dem verbleibenden Sprit noch fahren kann. Das muss doch auch in Tintendruckern möglich sein.
Bis dahin kann der einzelne nur versuchen, selbst darauf zu achten, ob eine vermeintlich leere Patrone auch wirklich leer ist - zumindest bei den Druckern, bei denen das möglich ist.
| Während Tintendrucker mittlerweile für kleines Geld zu haben sind, müssen Computerbenutzer für Druckertinte richtig tief in die Tasche greifen. Vor allem die Tinte der Druckerhersteller geht ordentlich ins Geld. Alternative Tinte ist günstiger - und qualitativ meist auch nicht schlechter. |
Jörg Schieb informiert jeden Freitag in seiner Rubrik Angeklickt während der Aktuellen Stunde (WDR Fernsehen, 18.50 bis 19.30 Uhr) über aktuelle Trends aus der Computerwelt. Außerdem: Angeklickt WebTV, die Computersendung fürs Web.
Pressetext zur TÜV-Studie
Vorwoche: Wo bitte geht's zum nächsten Level?
AngeklicktStand: 23.07.2007, 06:00 Uhr
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