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Suchmaschine für Lieder

Songs erkennen dank Web 2.0

Von Jörg Schieb

Wie heißt dieses Lied? Wem es zu peinlich ist, anderen etwas vorzusingen, um das herauszufinden, kann ein neues Web-2.0-Portal besuchen - und ein paar Takte ins PC-Mikro singen. Wenig später hat man die Antwort. Midomi kennt die Melodien Tausender Songs.

Jörg Schieb; Rechte: WDR

Auch Google, Yahoo und Co. haben keineswegs auf alles eine Antwort. So kann mir zum Beispiel keiner dieser Suchdienste den Namen des lästigen Ohrwurms verraten, der mir einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Den Text habe ich irgendwie nicht richtig verstanden. Da fällt Suchen schwer. Dafür kann ich aber die Melodie perfekt summen: Hmm-hmmmm-hmmm. Oder so.

Singen, Summen oder Pfeifen kann doch jeder

Drei junge Frauen beim Karaoke; Rechte: dpaBild vergrößern

Welches Lied ist denn das?

Ein gesummtes Lied: Was die üblichen Suchmaschinen vor ein unlösbares Problem stellt, ist für midomi.com ein Kinderspiel. Denn die Seite ist spezialisiert auf Musik, eine Art Suchmaschine für Lieder. Die Web-2.0-Anwendung kennt mehrere Zehntausend Musikstücke. Vor allem deren Melodien. Wer zwar in etwa die Melodie eines Liedes kennt und die ein oder andere Textzeile, kann sich einfach vor seinen PC setzen und das Lied diskret vorsingen. Summen oder Pfeifen geht auch. Hauptsache, Melodie und Rhythmus lassen sich einigermaßen erkennen.

Es ist tatsächlich so einfach, wie es klingt: Viel mehr als ein Mikrofon und ein PC mit Internetzugang sind nicht nötig, um das Rätsel "Welches Lied ist das?" zu lösen. Einfach midomi.com aufrufen, auf "Start Voice Search" klicken und ungehemmt los singen, summen oder pfeifen. Mit etwas Glück weiß man schon wenige Sekunden später Bescheid, denn die Internetseite präsentiert eine Liste mit Liedern, die in etwa so klingen wie das, was man gerade gesungen oder gesummt hat. Die Trefferquote von midomi.com ist erstaunlich hoch, und das nicht nur bei aktuellen Chart-Hits und populären Titeln, sondern quer Beet.

Typisch Web 2.0: Je mehr mitmachen, umso besser

Webseite midomi.com; Rechte: midomi.comBild vergrößern

Midomi: Suchmaschine für Lieder

Wie macht die Webseite das bloß? Midomi ist weder eine Datenbank der Musikindustrie, noch wird sie von Musikern oder Musikstudenten gefüttert. Das Portal verdankt sein "Wissen" der Internetgemeinde, denn es ist eine klassische Web-2.0-Anwendung. Je mehr Menschen den Musik-Suchdienst benutzen, umso besser werden die Ergebnisse. Midomi lernt bei jeder Liedersuche dazu. Jeder kann zum Mikro greifen und ein Lied trällern. Der Server nimmt alles, egal ob schräg gesungen - oder mit einer Stimme, die das Zeug zum Superstar hat.

Es macht rein gar nichts aus, wenn man selbst nicht singen kann, völlig unmusikalisch ist oder keinen Ton richtig trifft. So geht es schließlich den meisten. Und genau hier liegt sogar das Geheimnis des Erfolgs: Da wahrscheinlich viele "Say it right" von Nelly Furtado ähnlich grauenvoll und schräg singen würden wie ich, hat Midomi kein Problem damit, meinen Gesang einzuordnen. Der Verkäufer im CD-Laden hätte sich vor Lachen gebogen, sofern ich überhaupt den Mut aufgebracht hätte, vor Publikum ein paar Töne rauszubringen. Zu Hause am PC ist es was anderes. Da hört erst einmal keiner zu

Typisch Web 2.0: Je mehr mitmachen, umso besser

Erst einmal. Wer bei Midomi richtig mitmachen will, der nimmt seinen Gesang auf und füttert damit die Datenbank. Der besondere Charme ist nun, dass man sich anhören kann, wie andere ein Lied gesungen oder gesummt haben. Da sind viele dabei, die durchaus Talent besitzen, aber auch viele, sehr viele, bei denen man lieber weghört - wie bei mir selbst.

Midomi ist übrigens eine der ersten Web-2.0-Anwendungen, die voll auf Audio setzt - und das sehr gelungen. Eine erfrischende Abwechslung zu all den Wikis und Videoportalen. Noch ist die Seite ein Geheimtipp. Das könnte sich aber bald ändern.

Zum Video-Stream, Karaoke im Web; Rechte: [M] dpa/WDR (Schieb/Wache) WebTV: Karaoke im Web

Beim Web-Karaoke singen junge Leute vor der Webkamera Ohrwürmer nach und tanzen wild im Takt der Musik. Die "Künstler" nehmen nicht nur die Musik, sondern auch sich selbst auf die Schippe. Es gibt Tausende solcher Videos im Netz - und sogar einen Wettbewerb.

Jörg Schieb informiert jeden Freitag in seiner Rubrik Angeklickt während der Aktuellen Stunde (WDR Fernsehen, 18.50 bis 19.30 Uhr) über aktuelle Trends aus der Computerwelt. Außerdem: Angeklickt WebTV, die Computersendung fürs Web.

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Stand: 30.07.2007, 06:00 Uhr



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