Von Jörg Schieb
Derzeit wird auffallend oft in E-Mails für völlig unbekannte und vor allem wertlose Aktien geworben. Der Kurs soll künstlich in die Höhe getrieben werden. Leider funktioniert das sogar, denn viele fallen auf die Masche rein. Aber auch auf andere Abzocktricks.

Offenbar ist kein Trick zu dumm, keine Lüge zu dreist, keine Masche zu durchschaubar, um nicht doch irgendwie Erfolg zu haben. Es finden sich immer wieder gutmütige, leichtgläubige Opfer, die in die Falle tappen.
Kaum zu glauben: Obwohl die "Nigeria Connection" seit Jahren dieselbe Nummer abzieht und eigentlich jeder schon mal von dem Trick gehört haben sollte (in E-Mails wird darum gebeten, eine Verwaltungsgebühr vorzustrecken, angeblich winken dafür enorme Summen als Dankeschön), hat doch jetzt tatsächlich ein Australier 1,28 Millionen Dollar nach Nigeria überwiesen. Was soll man da noch sagen?
So ist das halt: Wenn nur einer von 100 Millionen per E-Mail angeschriebener Personen den Kriminellen aus Afrika auf den Leim geht, hat sich die Sache schon gelohnt. Denn E-Mails als Spam zu verschicken ist nahezu kostenlos. Die neueste Masche der Betrüger ist vom Konzept her nicht minder grobschlächtig, funktioniert aber dennoch. Leider. Da wird eine E-Mail verschickt, die eine total abgewirtschaftete Aktie in den Himmel lobt, die kein Mensch kennt. Überschrift: "Geheimtipp", "Börsenrakete", "Riesengewinne".
Ein paar Zeilen, die erklären, warum der Geheimtipp garantiert funktioniert und satte Gewinne winken. Vebunden mit der klaren Anweisung: Sofort kaufen! Da die so bejubelte Aktie meist nur wenige Cent kostet, scheint das Risiko gering. Die Gier siegt. Der ein oder andere schlägt zu - natürlich in großen Stückzahlen, bei dem Preis. Wenn das nur genug Leute machen, bewegt sich der Kurs innerhalb weniger Stunden dramatisch nach oben. Die Urheber der E-Mail haben sich natürlich lange vorher mit den eigentlich wertlosen Papieren eingedeckt, und verkaufen, sobald sich der Kurs weit genug nach oben bewegt hat.
In den letzten Wochen machen solche Scam-Mails immer öfter die Runde. Zuletzt war es besonders drastisch, auch im deutschsprachigen Raum. Die auf Internetschutz spezialisierte Firma Sophos verzeichnet einen dramatischen Anstieg an Scam-Mails. Rund 30 Prozent mehr als vorher, rund 500 Millionen E-Mails innerhalb kürzester Zeit. Eine Menge potenzieller Opfer.
Die Dummen sind all jene, die der E-Mail geglaubt und sich mit dem Papier eingedeckt haben. Denn so schnell wie der Kurs gestiegen ist, bricht er auch wieder in sich zusammen. Meist dauert das nur wenige Tage. Das Geld ist dann verloren, die Taschen der "Scammer" (Internetbetrüger) sind voll. "Pump and Dump" nennt sich dieses Verfahren, da die Kurse zuerst künstlich aufgepumpt (pump) und dann die Papiere schlagartig abgestoßen werden (dump).
Archiv: Schieb der Woche
Angeklickt-ForumIch fürchte, man kann es gar nicht oft genug sagen: E-Mails von Fremden sollte man mit einer gesunden Portion Skepsis begegnen. Und "gesund" bedeutet: viel Skepsis. Es kommt selten vor, dass ich in einer E-Mail von Fremden überhaupt mehr als einen Satz lese. Aber einen Link anklicken? Irgend etwas glauben? Sicher nicht.
Das bewahrt einen nicht nur vor einem leer geräumten Konto oder anderen Enttäuschungen, sondern schützt auch besser vor Viren, Würmern, Trojanern und Spyware als irgendein Virenschutzprogramm.
Jörg Schieb informiert jeden Freitag in seiner Rubrik Angeklickt während der Aktuellen Stunde (WDR Fernsehen, 18.50 bis 19.30 Uhr) über aktuelle Trends aus der Computerwelt. Außerdem: Angeklickt WebTV, die Computersendung fürs Web.
Wikipedia: Wo der Begriff Scam herkommt
Vorwoche: WLAN oder nicht?
AngeklicktStand: 13.08.2007, 06:00 Uhr
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